6.Sonntag der Osterzeit A Joh 14, 15-21

6.Sonntag der Osterzeit 2017-Mit einem anderen zu sein, nicht nur neben ihm.

Einführung

Mit anderen Menschen sind wir dann, wenn wir mit ihnen zusammenarbeiten. Dann sind wir nicht nur neben ihnen, sondern mit ihnen. So kann man das Problem verstehen, auf das Jesus im heutigen Evangelium hinweist: An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. (Joh 14,20) Wann bleiben wir in Jesus? Wenn wir Jesu Gebote halten, wenn wir also mit ihm zusammenarbeiten.

Predigt

Eine Legende erzählt, dass ein Mann in einen tiefen Brunnen gefallen war. Buddha ging vorüber, er hörte sein Rufen und tröstete ihn mit den Worten: „Das ganze Leben ist ein Leiden. Finde dich damit ab!“ Dann ging Konfuzius vorbei. Er lehnte sich über den Rand des Brunnens und sagte zu dem Mann: „Wenn du in die Höhe springst, werde ich dir helfen“. Der Mann  versuchte es. Aber er war zu schwach und er fiel noch tiefer hinunter.  Auch Jesus ging vorbei. Als er den Mann sah, stieg er ohne Wort in den Brunnen hinunter, nahm ihn auf seine Schultern und trug ihn aus dem Brunnen herauf.

Das Christentum lehrt uns mit den Menschen sein, ihnen behilflich zu sein. Eine Weisheit aus dem  Chassidismus, einer Bewegung im Judentum, erzählt folgendes: Einmal machte sich der  Rabbiner Samuel auf den Weg nach Rom, als er erfuhr, dass die Kaiserin ein Armband verloren hatte. Er hatte nämlich erfahren, dass jener, der das Armband findet, reich belohnt wird. Wer es findet und es bei sich behält und es bei ihm nach dreißig Tagen gefunden wird, der wird enthauptet. Samuel fand das Armband, aber er gab es, noch ehe die  dreißig Tage verstrichen waren,  zurück.  Die Kaiserin fragte ihn: „Hast du gewusst, dass ich eine Frist von dreißig Tagen gesetzt habe?“ Er antwortete: „Ja, ich wusste es.“ Die Kaiserin sagte: „Aber warum hast du das Armband nicht schon früher zurückgebracht?“ Da meinte Samuel: „Damit du nicht sagen kannst, dass ich dich fürchte. Aber schließlich brachte ich es zurück, weil ich Gott fürchte.“ Darauf sagte die Kaiserin: „Sei gelobt, du Gott der Juden!“

Wenn ein Mensch mit Gott nicht zusammenarbeitet, den wir für heilig halten, so wird er auch nicht mit anderen Menschen zusammenarbeiten. Es ist möglich, Gottesdienste zu besuchen, also bei Gott zu sein, aber nicht mit Gott zu sein. Das äußerst sich auf verschiedene Weise. Einige knien vor dem Tabernakel nieder, andere bleiben bei der Tür stehen. Sie sind passive Mitglieder der Liturgie. Sie waren zwar bei Gott, aber nicht mit Gott.

Welche Frau wäre zufrieden, wenn ihr Mann nur einmal in der Woche zuhause ist und überhaupt nicht am Familienleben teilnimmt? Welcher Mann würde sich über seine Frau freuen, die nur hie und da zuhause erscheint, die übrige Zeit wo anders verbringt. In einer Ehe ist es nicht gut und es genügt nicht, wenn Menschen nur nebeneinander her leben. Sie sollen miteinander leben. Das erwartet Gott von ihnen. Wer mit Gott nicht zusammenarbeitet, wird nie die Gottesfreude erleben. Wenn Menschen in der Ehe nur so nebeneinander leben, so führt das  zu einer Entfremdung und schlussendlich zu einer Scheidung. Leider ist das auch im Leben vieler Christen so.  Sie gehen zur Heiligen Messe, aber sie haben kein Erlebnis mit Gott. Daran ist nicht Gott schuld, sondern der Mensch selbst. Jedes Problem hat seine Ursache. Besonders im Religionsunterricht sollten die jungen Menschen zu einer persönlichen Beziehung zu Gott geführt werden. Ihre Herzen sollen für die Liebe zu Gott entflammt werden. Vielleicht sagen manche: Das ist nicht die Aufgabe des Religionsunterrichts. Aber woher sollen die Kinder sonst die Liebe zu Jesus und zur Kirche erlernen. Sie sagen: Das ist die Aufgabe der Eltern. Leider haben manche Eltern selber keine persönliche Beziehung zu Gott. Es gibt natürlich auch noch andere Ursachen.

Herr, hilf uns, zu verstehen,  dass das Wesen des Glaubens eine lebendige Beziehung zu Gott ist. Nur so können wir  in Gott bleiben.

Dieser Beitrag wurde unter Sonntagpredigt veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.