2. Fastensonntag.B Mk 9,2-10.
Einleitung
Sie wissen bestimmt, dass ein Mensch, der im Leben etwas erreichen will, dazu die richtige Motivation braucht. Nur wenn man motiviert ist, erreicht man sein Ziel. In unserem Leben können wir aber meist nichts erreichen, ohne auch Opfer zu bringen. Sind wir bereit, unsere Ziele zu opfern? Denken wir ein wenig darüber nach!
Predigt
Das Wort „Opfer“ ist ein religiöser Begriff. Das Opfer gehört zum Wesen unserer Religion. Sein Wert wird in den heutigen Lesungen auf jeweils eigene Weise betont.
In der ersten Lesung haben wir von Abraham und seinem Gehorsam gegenüber Gott gehört. Abraham sollte seinen Sohn Isaak opfern. Können Sie sich vorstellen und ganz tief mitempfinden, was das für ein Opfer für Abraham war? Und Abraham war zu diesem Opfer bereit. Sein Herz hat sicherlich sehr gelitten, aber Glaube, Gehorsam und Liebe waren stärker als sein enormer Schmerz.
Die zweite Lesung sagt uns, wie sehr Gott uns liebt. Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben. Wenn wir in der Fastenzeit den Kreuzweg beten, begegnen wir der großen Liebe Gottes zu uns. Sicherlich litt auch das Herz des Vaters beim Anblick der Schmerzen seines Sohnes. Er errettete seinen Sohn aber nicht aus dem Tod, weil er uns dadurch retten wollte.
Im heutigen Evangelium hörten wir von Jesu Verwandlung auf dem Berg Tabor. Den drei Aposteln, die mit ihm auf dem Berg waren, gewährte er für eine Weile einen Einblick in das unsichtbare Reich seines Lichtes. Er machte sie auch darauf aufmerksam, dass er viel leiden müsse, sterben werde, aber auch von den Toten auferstehen werde und dann in die Herrlichkeit des Vaters eingehen werde. Das ist jene Herrlichkeit, die die Apostel am Berg Tabor sahen.
Kann man also sagen: „Ich bin Christ, aber ein Opfer will ich nicht bringen.“ Ein
Christentum ohne Opfer ist kein wahres. Eine Frömmigkeit ohne Opfer wäre wie ein Organismus ohne Wirbelsäule.
Was ist also das Wesen jedes Opfers? Es ist unser freier Wille. Ohne unsere freie Zustimmung hat unser Opfer keinen Wert. Unser Wille geht jedem Opfer voraus. Es gibt verschiedene Situationen, in denen wir uns entscheiden können, ein Opfer zu bringen. Ich nenne hier nur zwei Beispiele: für einen kranken Menschen sorgen und jemanden finanziell unterstützen. Wir wählen also ein Opfer, das wir vollbringen wollen. Unserem Willen kann aber auch ein Opfer folgen. Ich denke dabei an eine Krankheit oder die Geburt eines kranken Kindes. Das ist viel schwieriger, denn wir sind gezwungen, das Opfer anzunehmen, das das Leben bringt.
Manchmal dauert es lange, bis wir bereit sind, ein Opfer zu geben. Wir durchleben Zeiten der Verzweiflung, des Aufruhrs gegen Gott und der Trauer. Sie wissen ja, wie lange es dauert, bis wir zu Gott sagen können: „Gott, ich opfere dir dieses Leid auf! Der Sinn eines Opfers besteht darin: etwas zu verlieren, um etwas zu gewinnen!
Der junge amerikanische Arzt Tom Dooley zeichnete sich durch seine heldenhafte und opferbereite ärztliche Tätigkeit in Vietnam aus. Als er nach dem Krieg nach Hause kam, boten ihm mehrere Krankenhäuser eine gut bezahlte Stelle an. Ein luxuriöses Leben wartete auf ihn. Er mietete eine Wohnung in Washington und wollte sie feudal einrichten. Da tauchten aber immer wieder vor seinen Augen Gestalten leidender Vietnamesen auf. Er dachte an ein junges Mädchen namens Lin, an die gute Frau Ngai und ihre vielen Kinder. Diese Vorstellungen quälten ihn. Einmal erzählte er seinem Freund, was ihn so plagt. Sein Freund riet ihm: „Schreib darüber ein Buch!“ Tom Dooley schrieb das Buch „Befrei uns vom Bösen“. Das Buch hatte unerwartet großen Erfolg. Aber die quälenden Erinnerungen hörten nicht auf. Seine Mutter telefonierte mit ihm und fragte, ob er die Wohnung schon eingerichtet habe. Da antwortete Tom: „Mutti, was würdest du sagen, wenn ich auf meine neue Stelle verzichte und wieder nach Vietnam gehen würde, um den Menschen dort zu helfen?“ Die Mutter schwieg eine Weile und sagte dann: „Wenn Gott dich ruft, geh!“
Unsere Liebe zu Gott und zu den Menschen äußern wir durch unsere Bereitwilligkeit, Opfer zu bringen. Wenn wir keine Lust haben, Opfer zu bringen, wenn wir Opfer meiden, verlieren wir schließlich unser Leben, verlieren wir alle Verdienste, die wir durch Opfer erwerben können. Das Christentum kann nur dort erblühen, wo Christen bereit sind, Opfer zu bringen. Es gilt immer: Verlieren bedeutet, gewonnen zu haben.
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