2.Fastensonntag B Mk 9,2-10

2.Fastensonntag B  2015 Opfer

Einleitung

Sie wissen bestimmt, dass ein Mensch, der etwas im Leben erreichen will, dazu die richtige Motivation braucht. Nur wenn man motiviert ist, erreicht man sein Ziel. In unserem Leben können wir aber meist nichts erreichen, ohne auch Opfer zu bringen. Sind wir bereit für unsere Ziele Opfer zu bringen? Denken wir ein wenig darüber nach!

Predigt

Das Wort „Opfer“ ist ein religiöser Begriff.  Das Opfer gehört zum Wesen unserer Religion. Sein Wert wird in den heutigen Lesungen auf je eigene Weise betont.

In der ersten Lesung haben wir von Abraham und seinem Gehorsam gegenüber Gott gehört. Abraham sollte seinen Sohn Isaak opfern. Können Sie sich vorstellen und ganz tief mitempfinden, was das für ein Opfer für Abraham war? Und Abraham war zu diesem Opfer bereit. Sein Herz hat sicherlich sehr gelitten, aber Glaube, Gehorsam und Liebe waren stärker als sein großer Schmerz.

Die zweite Lesung sagt uns, wie sehr uns Gott liebt. Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben. Wenn wir in der Fastenzeit den Kreuzweg beten, begegnen wir der großen Liebe Gottes zu uns. Sicherlich litt auch das Herz des Vaters beim Anblick der Schmerzen seines Sohnes. Er errettete seinen Sohn aber nicht aus dem Tod, weil er uns dadurch retten wollte.

Im heutigen Evangelium hörten wir von Jesu Verwandlung auf dem Berg Tabor. Den drei Aposteln, die mit ihm auf dem Berg waren, gewährte er für eine Weile einen Einblick in das unsichtbare Reich seines Lichtes. Er machte sie  auch darauf aufmerksam, dass er viel leiden müsse, sterben wird, aber auch von den Toten auferstehen wird und dann in die Herrlichkeit des Vater eingehen wird. Das ist jene Herrlichkeit, die die Apostel am Berg Tabor sahen.

Kann man also sagen: „Ich bin Christ, aber ein Opfer will ich nicht bringen.“ Ein
Christentum ohne Opfer ist kein wahres Christentum. Eine Frömmigkeit ohne Opfer würde sein wie ein Organismus ohne Wirbelsäule.

Was ist also das Wesen jedes Opfers? Es ist unser freier Wille. Ohne unsere freie Zustimmung hat unser Opfer keinen Wert. Unser Wille geht jedem Opfer zuvor. Es gibt verschiedene Situation, für die wir uns entscheiden können, ein Opfer zu bringen. Ich nenne hier nur zwei Beispiele: für einen kranken Menschen sorgen, jemanden finanziell unterstützen. Wir erwählen also ein Opfer, das wir vollbringen wollen. Unserem Willen kann aber auch ein Opfer folgen. Ich denke da an eine Krankheit oder an die Geburt eines kranken Kindes. Das ist viel schwieriger, denn da sind wir gezwungen, das Opfer anzunehmen, das das Leben bringt.

Manchmal dauert es lange, bis wir zu einem Opfer bereit sind. Wir durchleben Zeiten der Verzweiflung, des Aufruhrs gegen Gott, der Trauer. Sie wissen ja, wie lange es dauert, bis wir zu Gott sagen können: „Gott, ich opfere dir dieses Leid auf!! Der Sinn eines Opfers besteht darin: etwas zu verlieren, um etwas zu gewinnen!

Der junge amerikanische Arzt Tom Dooley zeichnete sich durch seine heldenhafte und opferbereite ärztliche Tätigkeit in Vietnam aus. Als er nach dem Krieg nach Hause kam, boten ihm mehrere Krankenhäuser eine gut bezahlte Stelle an. Ein luxuriöses Leben wartete auf ihn. Er mietete eine Wohnung in Washington und wollte sie feudal einrichten. Da aber tauchten immer wieder vor seinen Augen Gestalten leidender Vietnamesen auf. Er dachte an ein junges Mädchen, namens Lin und an die gute Frau Ngai und ihre vielen Kinder. Diese Vorstellungen quälten ihn. Einmal erzählte er seinem Freund, was ihn so plagt. Sein Freund riet ihm: „Schreib darüber ein Buch!“ Tom Dooley schrieb das Buch „Befrei uns von dem Bösen“. Das Buch hatte unerwartet einen großen Erfolg. Aber die quälenden Erinnerungen hörten nicht auf. Seine Mutter telefonierte mit ihm und fragte, ob er die Wohnung schon eingerichtet hat. Da antwortete Tom: „Mutti, was würdest du sagen, wenn ich auf meine neue Stelle verzichte und wieder nach Vietnam gehen würde, um den Menschen dort zu helfen?“ Die Mutter schwieg eine Weile und sagte dann: „Wenn Gott dich ruft, geh!“

Unsere Liebe zu Gott und zu den Menschen äußern wir durch unsere Bereitwilligkeit, Opfer zu bringen. Wenn wir keine Lust haben, Opfer zu bringen, wenn wir Opfer meiden, wann es nur möglich ist, verlieren wir schließlich unser Leben, verlieren wir alle Verdienste, die wir durch Opfer gewinnen können. Das Christentum kann nur dort erblühen, wo Christen bereit sind, Opfer zu bringen. Es gilt immer: Verlieren bedeutet gewinnen.

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