Allerheiligen B Mt 5,1-12

Allerheiligen 2015 – Die Experten des Glücks

Einführung

Heute feiern wir das Fest Allerheiligen. Wir sollen uns dessen bewusst werden, dass es Menschen gibt, die der Papst heiliggesprochen hat und auch viele heiligmäßige Menschen  gibt, die niemand heiliggesprochen hat. Es ist notwendig zu unterscheiden zwischen dem äußeren  Heldentum und dem inneren Heldentum. Ein Mensch hat  jemanden   bei einem Unfall gerettet und er wird zu einem Helden. Aber es gibt auch ein anderes Heldentum. Zum Beispiel, wenn jemand jeden  Tag wäscht, bügelt,  kocht, einen Kranken betreut. Das ist ein inneres, verdecktes Heldentum.

Predigt

Die heilige Theresia von Lisieux – sie lebte von 1873 bis 1897 – erkannte unterschiedliche Arten von Heiligen. Einige nannte sie Beschützer. Das sind die kanonisierten Heiligen. Die  anderen nannte sie Freunde, weil sie ein  Vorbild für das  Leben sein können. Heiligkeit kann also verschiedenartig sein.

Alessandro Pronzato, ein italienischer Schriftsteller sah das so: „Wenn die Heiligkeit ein ausgehungertes, trauriges Gesicht mit einem frommen Lächeln bedeutet, dann habe ich Lust, lieber eine Untugend zu pflegen anstatt der Heiligkeit. Die Heiligkeit ist etwas anderes. Die Heiligkeit, das ist eine Berufung. Das bedeutet, dass ein Heiliger  ein Experte für das Glück ist. Nur die Menschen, die alles mit Liebe und Freude machen, sind Heilige.“

Jesus Christus fasste seine Aussagen über die Heiligkeit in den Seligpreisungen zusammen. Glücklich sind, die begriffen haben, dass  die Armut  für Gott  notwendig  ist. Selig  – also glücklich –  sind diejenigen, die barmherzig sind, die ein reines Herz haben. Das Gute ist in ihnen stärker als die Bosheit der Verfolger. Der Mensch kann glücklich  in dieser Welt  sein, weil er das Vertrauen hat, dass die Liebe Gottes stärker ist als die Sorgen und die Bosheit der Welt.

Hans Urs von Balthasar, ein Schweizer Theologe schrieb: „Jesu Worte und Taten sind Feuer auf dieser Erde. Das ist nicht das Feuer der Gerechtigkeit, das ist das Feuer der Liebe und des Dienstes. Die Heiligen sind dafür da, dass sie dieses Feuer instand- halten, und es  nicht erlöschen lassen. Heilig zu sein bedeutet: Fortzusetzen im Feuer der Liebe, das Jesus in der Welt anzündet hat.

Auf die Frage : Wie sollen wir  Heilige werden? – finden wir die Anleitung auch in der indischen Kultur. Ohne Löcher auf  der Flöte ist kein Klang, ohne saubere Seite, können wir nicht schreiben, ohne Loch in der Wand kann man nicht  das Fenster sein. Ohne dem Egoismus abzusagen,  kann man nicht die Heiligkeit erreichen. Wenn der Mensch sein eigenes Selbst aufzugeben versucht, und an seine Stelle Jesu Befehl der Liebe zu geben versucht, dann führt  diese Unterdrückung des Egoismus  zur Heiligkeit.

Das heutige Fest lehrt uns: Wir sollen mit dankbarer Freude unsere tagtäglichen Aufgaben vor dem Antlitz Gottes vollbringen  und mit Bereitwilligkeit seinen Willen in den verschiedenen Umständen  des Lebens erfüllen.

Einmal lebte ein Mann, der angeblich so gottesfürchtig war, dass  die Engel mit Freude auf ihn schauten. Seine Heiligkeit war sehr groß. Er aber ahnte nicht, wie gut und heilig er war.  Er verbreitete um sich das Gute, so wie die Blumen den Wohlgeruch. Seine Heiligkeit lag darin, dass er  sich nie über die Vergangenheit eines  Menschen interessierte. Er nahm jeden Menschen so wahr, wie er eben ist.

Einmal sprach ihn ein Engel an:  „Gott hat mich zu dir gesandt, damit ich dir einen Wunsch erfülle. Willst du die Gabe der Heilung haben?“  Er antwortete: „Nein, die Heilung überlasse ich Gott.“ Dann sagte der Engel: „Willst du  die Sünder bekehren?“ „Nein“, sagte der Heilige. „Ich kann nicht das menschliche Herz manipulieren.“ Weiters fragte der Engel: „Willst du ein Beispiel eines tugendhaftes Menschen sein, dem andere  Menschen nachfolgen wollen?“ Er wollte auch das nicht und meinte:        “ Ich würde zu viel Aufmerksamkeit auf mich lenken!“ „Nach was sehnst du dich?“, fragte  ihn schließlich der Engel. „Ich sehne mich nach der Gnade Gottes“. Darauf sagte der Engel zu ihm: „Du musst etwas wollen, sonst wirst du es mit Gewalt bekommen.“ Er antwortete: „Gut, in diesem Fall wünsche ich, dass durch mich das Gute vollzogen wird, aber so, dass ich davon nichts weiß.“ So geschah es auch, er tat viel Gutes ohne dass er es bemerkte.  Wohin er ging,  überall dort wurden Menschen geheilt, gab es fruchtbare Felder. Aus ausgetrockneten Quellen begann wieder das Wasser zu sprudeln. Der Heilige aber hatte davon keine Ahnung, weil der Schwerpunkt der Aufmerksamkeit, nicht er war, sondern das Unbewusste.

Oft ist die Ich-Bezogenheit des Menschen aber stärker.  Viele schauen aus nach Ruhm und Heldentum.  Aber nur dort, wo der Egoismus unterdrückt wird, kommt die Freude in das Leben und  menschliche Beziehungen werden heil . Danken wir heute für die Berufung zur Heiligkeit!  Heilige sollen wir als  Experten für ein glückliches Leben erkennen.

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