Gibt es mehr als einen Gott? Wie können wir Gott erkennen?

Wie kommt man zur Erkenntnis Gottes?
Durch die sichtbare Welt, durch die Stimme des Gewissens, vorwiegend durch die Offenbarungen, welche er uns durch die Propheten und zuletzt durch seinen Sohn gegeben hat.
Wir haben gelernt: Gott ist Geist, der unendlich, vollkommen und allwissend ist. Gibt es nun mehrere solche Götter oder nur einen Gott? Es gibt nur einen Gott, sagt der Katechismus. Durch die Propheten sagt er uns: Ich bin Gott und sonst keiner. Können wir Gott sehen? Nein, wir können Gott mit leiblichen Augen nicht sehen, weil er ein Geist ist. Wir können unsere Mitmenschen sehen und wir sehen an ihnen den Kopf, die Arme usw., also den Leib. Die Seele können wir nicht sehen. Warum nicht? Weil sie Geist ist. Gott aber ist auch Geist, also können wir ihn nicht sehen. Darum heißt es im 1. Timotheus-Brief: „…den kein Mensch gesehen hat noch je zu sehen vermag: Ihm gebührt Ehre und ewige Macht.“ Das heißt also, dass wir ihn mit leiblichen Augen nicht sehen können. Gibt es denn noch andere Augen?
Nein, aber wie wir mit den Augen leibliche Dinge erkennen, so erkennen wir mit dem Verstand geistige Dinge. Darum heißt der Verstand auch das „Auge des Geistes“.

Können wir vielleicht mit unserem Verstand Gott sehen oder erkennen? Etwas vom lieben Gott können wir wohl erkennen, aber so deutlich und klar wie wir die Dinge mit den Augen sehen, können wir Gott nicht erkennen; das kann auch der höchste Engel nicht. Im Himmel aber, da wird Gott selber uns erleuchten, sodass wir ihn dann so klar erkennen werden, wie wir ein körperliches Ding erkennen, wenn wir es mit den Augen sehen. Ja, aber wenn wir Gott nicht sehen können, wie wissen wir denn etwas vom Gott?
Gott hat sich uns selbst zu erkennen gegeben durch die sichtbare Welt, durch die Stimme des Gewissens, vor allem durch die Offenbarung, welche er uns durch die Propheten und zuletzt durch seinen Sohn gegeben hat.
Ein Beispiel: Ein Vater war verreist, weit fort, und er hat nicht genau gesagt, wann er wiederkommen wird. Eines Tages treffe ich seine drei Kinder, die ebenfalls unterwegs waren, etwas außerhalb ihres Hauses. Sie sagten voller Freude: „Der Vater ist da!“ Ich frage: „Habt ihr ihn gesehen? Woher wisst ihr denn, dass er da ist?“ Da sagte das erste Kind: „Als ich in die Nähe des Hauses kam, haben ich einen Kranz um das Kreuz am Weg gesehen.“ So schön kann ihn nur der Vater gemacht haben.“ Das zweite Kind sagte: „Das hat mir meine innere Stimme, die Stimme meines Herzens, gesagt.“ Ich freue mich, wenn ich ihn bald sehen werde.“
Das dritte Kind sagte: „Mir hat es mein Cousin gesagt, der hat den Vater kommen sehen und mit ihm gesprochen.“
So wie die Kinder auf dreifache Weise erkannt haben, dass ihr Vater da sei, so können wir auf dreifache Weise erkennen, dass es nur einen Gott gibt. Gott gibt sich uns durch die sichtbare Welt zu erkennen. Wir können ein wunderschönes Bild vom lieben Jesuskind betrachten. Es ist nicht von sich selbst entstanden, jemand hat es gemalt – ein geschickter Maler, wahrscheinlich ein guter Christ. Das lässt sich erkennen, obwohl man ihn nicht kennt. Aber seine Frömmigkeit kann man aus diesem sichtbaren Werk, das er geschaffen hat, erkennen.
So hat Gott auch ein sichtbares Werk gemacht, woraus wir ihn erkennen können, nämlich die ganze Welt. Wenn wir diese wunderschöne, herrliche Welt betrachten, wissen wir, dass sie nicht von selbst entstanden ist, sondern dass jemand sie geschaffen hat. Ein Mensch? Nein, denn die Welt war ja schon da, noch ehe es Menschen gab. Könnte es einen Menschen ohne Erde, ohne Sonne, ohne Pflanzen leben? Kein Mensch wäre fähig gewesen, diese riesige Welt zu erschaffen. Und wer hat den Menschen erschaffen? Es muss also jemand die Welt erschaffen haben, der da war, ehe es Welt und Mensch und Zeit gegeben hatte – jemand, der ewig ist. Man denke dann noch weiter. Wer hat die gewaltigen Berge und die Millionen von Sternen geschaffen? Wer ist es, der alles so wunderbar geschaffen, so geschickt eingerichtet hat – von den kleinsten Lebewesen bis zur prächtigen Sonne? Wer ist es, der allen Wesen ihre guten Eigenschaften oder Vollkommenheiten gegeben hat? Das kann nur Gott gewesen sein.
Es gibt allerdings Menschen, die behaupten, dass es keinen Gott gibt. Wenn man sie fragt, wer denn die Welt erschaffen habe, so sagen sie: Es sei vor uralten Zeiten nichts dagewesen als Nebel und daraus sei nach und nach die Welt entstanden.
In Mainz ist eine Uhr, die nicht nur anzeigt, welche Stunde, Minute, Sekunde es am Tag ist, sondern auch welcher Tag im Monat. Sie zeigt auch, ob es Vollmond ist und wie die Erde und die anderen Planeten zur Sonne stehen. Fragen wir nun die Uhr: „Wer hat dich gemacht?“ und sie würde antworten: „Niemand – es war einst ein dichter Nebel in diesem Saal und daraus ist diese Uhr von selbst entstanden!“ Was würden wir da denken? Wir lassen uns ja nicht zum Narren machen.

Als Zweites gibt sich Gott uns durch die Stimme des Gewissens zu erkennen. Was ist denn das Gewissen? Wenn du an einem ganz einsamen Ort schöne Sachen siehst und du Lust bekommst, davon zu nehmen, wie geht es dir da? Sagt dir dein Inneres nicht, das darfst du nicht? Und wenn du doch nimmst, wie geht es dir dann? Du machst dir Vorwürfe, denn dein Gewissen sagt dir: Du bist ein Dieb. Du wirst dafür gestraft. Aber auch wenn niemand es sieht, fühlst du dich von einem bestraft, der alles sieht – nämlich von Gott. Und wenn du ein armes, hungriges Kind siehst und ein großes Stück Brot hast. Was sagt dir das? Und wenn du dem armen Kind statt, selber alles zu essen, davon gibst, wie ist dir dann? Du bist froh und glücklich, wenn es auch niemand gesehen hat. Du fühlst in dir: Ich habe recht getan. Gott hat mich lieb, und ich werde dafür belohnt. Das Gewissen warnt vor Bösem, treibt an, das Gute zu tun, es macht traurig oder fröhlich.
Wer hat diese Stimme dem Menschen ins Herz gegeben? Der Mensch selbst? Nein, denn manche Menschen wären froh, wenn sie diese Stimme nicht hätten, die sie quält. Was in allen Menschen ist, das können sie nur von dem einen haben, der alle Menschen erschaffen hat, und der zugleich unendlich heilig und gerecht ist, der alles Gute liebt und belohnt, alles Böse verabscheut und straft. Das ist Gott. Die Stimme des Gewissens sagt uns, dass es einen gibt, der das Gute belohnt und das Böse bestraft. Er ist allwissend und allmächtig. Was eine Stimme, die in der menschlichen Natur liegt, allen Menschen sagt, dass kann nicht falsch, das muss wahr sein. Gott gibt sich uns also zu erkennen in der sichtbaren Welt und im Gewissen.

Wenn uns etwas zu erkennen gegeben wird, was wir nicht gewusst haben, so wird es uns geoffenbart. Darum kann man auch sagen. Gott hat sich durch die sichtbare Welt und die Stimme des Gewissens geoffenbart. Jeder Mensch kann also aus den Geschöpfen durch seine Vernunft, mit einer natürlichen Kraft, ohne dass ihm Gott noch eine höhere Kraft dazu gibt, Gott erkennen. Das bezeichnet man als natürliche Offenbarung. Gott hat sich uns noch deutlicher zu erkennen gegeben durch eine Offenbarung, die weit größer ist als diese natürliche Offenbarung. Man bezeichnet sie als übernatürliche Offenbarung. Gott hat sich uns zu erkennen gegeben – vor allem, wie schon gesagt – in der sichtbaren Welt, durch die Offenbarung, die er uns durch die Propheten und zuletzt durch seinen Sohn gegeben hat. Wenn du im Schnee oder auf weichem Boden Fußspuren siehst, kannst du erkennen, dass jemand hier gegangen ist – ob ein großer Mensch oder ein Kind. Viel deutlicher und genauer kannst du das erfahren, wenn es dir jemand sagt, der ihn genau gesehen hat. So hat Gott uns in der sichtbaren Welt und im Gewissen gleichsam nur Spuren gegeben, aus denen wir erkennen, dass es nur einen Gott gibt. Viel deutlicher, sicherer und genauer haben wir dies erfahren, weil es uns der Sohn Gottes, der Gott gesehen hat, erzählt hat und es vor ihm die Propheten, denen es der Heilige Geist, der auch Gott ist, gesagt hat. Er hat uns aber noch viel mehr von Gott gesagt, als der gescheiteste Mensch aus der sichtbaren Welt erkennen konnte. Die Heilige Schrift sagt: Darum konnte auch niemand uns so vieles und so genau vom lieben Gott sagen wie der einzige Sohn Gottes. Von ihm haben wir erfahren, wer und wie Gott ist, was er für uns tut und was er von uns will. Was wir also von Gott gehört haben, das haben wir von Jesus Christus!

Dieser Beitrag wurde unter Katechesen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.