Lk 21,29-33, 34. Woche – Freitag

Das Gleichnis vom Feigenbaum beschreibt das unerwartete Ende Jerusalems. Warum spreche ich vom unerwarteten Ende Jerusalems? Die Zerstörung Jerusalems war nicht geplant. Die Römer hatten keinen Plan, „Barbarossa“. Wie kam es aber zum Krieg zwischen den Römern und den Juden? Einfach deshalb, weil die Juden in Jerusalem Soldaten der römischen Besatzung ermordeten. Da sandten die Römer ein Heer zur Beseitigung des Aufruhrs. Kaiser Titus ließ dazu den Befehl ergehen. Dabei sollte der Tempel jedoch verschont bleiben und nicht vernichtet werden. Doch ein Soldat warf eine brennende Fackel in den Tempel, die sofort zu lodern begann.

Nun möchte ich aber zum Feigenbaum zurückkommen. In Palästina ist der Übergang von der Regenzeit zum Sommer im Unterschied zu uns verhältnismäßig schnell. Kaum ist die Regenzeit beendet, schon beginnen die Bäume zu sprießen, und bald darauf ist heißer Sommer, und die Zeit des Reifens ist da. Wie für die Bäume in Palästina der Sommer so schnell kommt, so schnell kam die Zerstörung Jerusalems und so schnell und unerwartet wird auch das Ende der Welt kommen. Da wir die Verhältnisse in Palästina kaum kennen, bedenken wir nicht, dass Jesus‘ Wort vom Feigenbaum uns vor schlechten Zeiten warnt. Für uns Europäer ist der Sommer eine angenehme Jahreszeit. Es ist die Zeit, in der das Obst reif wird, die Ernte beginnt und die Urlaubssaison beginnt. In Palästina ist der Sommer nicht so angenehm, da es Dürre und Staub gibt und auch viele Krankheiten und Epidemien.  Das Gleichnis  vom  Feigenbaum ist also eine  Warnung vor der Gefahr. Die einzige Hoffnung ist Gott.

Ein kurzsichtiger und unerfahrener Mensch hält z.B. eine schwimmende Scholle für festen Boden. Das ist ein Irrtum. Alles  Irdische zerfällt und stirbt. Nur Gott und sein Wort bleiben auf ewig.