Er litt für unsere Sünden.

Gottes Gaben haben wir umsonst durch den Glauben empfangen. Wir freuen uns darüber. Es ist Zeit, darüber nachzudenken, wer  für diese Gaben bezahlt hat. Der heilige Paulus schreibt im Römerbrief 4,25 von Jesus: „Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben, wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.“ Am Anfang,  als die Apostel das Evangelium verkündeten, verkündeten sie vor allem,  dass der Sohn Gottes  Mensch geworden ist, dass er für unsere Sünden gestorben ist  und auferweckt  wurde, um uns zu erlösen. Der Apostel Paulus schreibt weiter im Römerbrief 5,6-10:               „Christus ist schon zu der Zeit, da wir noch schwach und gottlos waren, für uns gestorben. Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben; vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen. Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht gemacht sind, werden wir durch ihn erst recht vor dem Gericht Gottes gerettet. Da wir durch den Tod seines Sohnes mit Gott versöhnt wurden, als wir noch Gottes Feinde waren, werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden.“ Oft sind wir uns dessen gar nicht bewusst, wie immens das Leiden Jesu war. Meistens,  wenn wir über Jesu Leiden nachsinnen, denken  wir nur an sein leibliches Leid, also an die Geißelung und Kreuzigung. Wir hören von Jesu Tod, der sicher grausam war, aber wir wissen auch, dass viele Leute vielleicht mehr  als Christus gelitten haben. Dieser Blick ist das Erbe des 4. Jahrhunderts. Damals hielt die Kirche dem Irrtum des „Doketismus“ stand.   Doketismus war die Lehre, nach der Jesus Christus nur scheinbar eine körperliche
Existenz besaß. Dabei gab es unterschiedliche Auffassungen: Einige Vertreter meinten,  dass Jesus keinen wahren Leib hatte; darum konnte er nicht wirklich leiden. Auf der anderen Seite war der Irrtum des „Arianismus“, der lehrte, dass Christus kein wahrer Gott sei. Es ist interessant zu wissen, dass die Theologen dieser Zeit meinten, Jesus könne  geistlich nicht leiden. Es schien ihnen, dass damit seine Einheit mit dem Vater kompromittiert würde. Heute sind diese Ansichten überholt. Heute können wir, bereichert durch die Erkenntnisse der modernen Psychologie, dort eintreten, wo uns schon lange die Mystiker überholten. Gottes Verzeihung ist dem Erbarmen ähnlich; darüber lesen wir im Evangelium. Ein Diener schuldet seinem Herrn zehntausend Talente. Wenn der Herr diese Summe seinem Knecht nachlässt, wird jener gerettet, aber der Herr verlor diese zehntausend Talente. Gott entschied sich, dem Menschen zu verzeihen, und das bedeutete, alle menschlichen Sünden auf sich zu nehmen und auch ihre Folgen zu überleben. So wie ein Freund seinen Freund vom Tod rettet, indem er sich in die Bahn der Kugel wirft und sich durch diese verletzt. Die Folgen der Sünden berührten Gott. Welche sind  die Folgen der Sünden? Vollkommene Loslösung von Gott. Jesus überlebte totale Verdammung. Jesus trug alle Sünden der Welt von Adam bis zu deren Ende. Wie oft sagen wir, dass es zu viel ist?  Das kann man nicht aushalten. Dabei tragen wir, sehen wir nur ein unbedeutendes Bruchstück des Bösen. Jesus trug alle Sünde. Uns tröstet der Heilige Geist. Jesus war ganz allein. Darum ruft Jesus: „Mein Gott ,mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Mt 27,46.  Dieser tiefe Aufschrei gibt uns eine Ahnung riesiger Leiden Jesu. Versuchen wir uns das vorzustellen. Jesus musste  sich  wie der Mörder von Millionen Menschen, wie der Anstifter aller Lügen, der Folterer aller Misshandelten gefühlt haben. Im Vergleich zu diesem  Leid  ist die Kreuzigung und Geißelung nur ein unbedeutendes Leid.  Der Schrecken des Bösen drückt blutigen Schweiß auf sein Gesicht. Der heilige Apostel Paulus schreibt später: „Als er auf Erden  lebte, hat er Gebete und Bittrufe mit lautem Schreien und mit Tränen vor den getragen, der ihn aus dem Tode retten  konnte, und ist seiner Ehrfurcht wegen erhört worden.“ Obwohl er Sohn war, hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt. Zur Vollendung gelangt, ist er für alle , die ihm gehorchen, Urheber  des ewigen Heils geworden, von Gott Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks  genannt (Hebr 5,7–9). Wir können nur raten, was für ein Leid, das für den Vater gewesen sein muss, als er hermetisch von seinem Sohn abgetrennt war. Sicher war dieses Leid nicht weniger als das seines Sohnes. Das bestätigt jeder Vater und jede Mutter. Jeder Vater und jede Mutter leiden, wenn ihr Kind Kummer hat.

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