2. Sonntag der Osterzeit B Joh 20,19-31

Weißer Sonntag  A 2014

Einleitung

Jeder von uns erlebte schon etwas Angenehmes. Vielleicht war es das Treffen mit einem guten Menschen, ein Lotteriegewinn oder ein reizvoller Ausflug. Wahrscheinlich  haben sie dieses Erlebnis nicht nur für sich behalten, sondern es hat so stark auf sie gewirkt, dass sie es ihren Kindern und Enkelkindern einfach erzählen mussten.

Ähnlich geht es auch unserer Mutter Kirche. Die Auferstehung Jesu Christi war ein so großartiges Ereignis, dass sie uns immer wieder daran erinnert. Es ist eine so starke Wirklichkeit, dass dieses Ereignis jeden Sonntag in der Heiligen Messe vergegenwärtigt wird.  In jeder Eucharistiefeier feiern wir immer wieder den Tod und die Auferstehung Jesu.

Predigt

Heute haben wir Jesus vor Augen, der seinen Aposteln erschienen ist. Sie hatten kein Problem, ihn zu erkennen – nur einer fehlte: es war Thomas.  Obwohl die anderen Aposteln ihm berichteten, dass Jesus lebt, wollte er es nicht glauben. Er sagte, und wir haben es im Evangelium gehört: „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ Und wir hörten, dass Jesus acht Tage später wiederkam und seinen ersten Blick und seine ersten Worte auf Thomas richtete. Er sagte zu ihm: „Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus, leg sie auf meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Da wurde Thomas seines Unglaubens bewusst und sagte: „Mein Herr und mein Gott.“ Jetzt begriff auch Thomas, wie die anderen Apostel, dass Jesus zwar gestorben, aber jetzt wieder aufgestanden war und derselbe war wie früher. Der Tod hatte ihn nicht vernichtet, sondern nur verwandelt. Alles, was an ihm irdisch war, ging nicht verloren, sondern nur ein wenig verändert. Er war nicht mehr so sehr darauf angewiesen, dass ihm jemand die Tür öffnete; er konnte durch die verschlossene Tür eintreten. Jesus lebt jetzt also ganz in Gott. Da gibt es weder Zeit noch Raum. Ganz einfach kann man so sagen: Bei Gott gibt es nur ein ewiges Jetzt.

Wir müssen aber gestehen, dass wir diese Wirklichkeit nur schwer begreifen können. Leider gibt es auch Menschen, die sich, weil sie sich etwas nicht vorstellen können, gleich dagegenstellen. Aber ist das richtig? Unsere Vorstellungskraft ist eben sehr begrenzt, denn oft können wir uns nicht einmal das für Menschen Übliche vorstellen. Ich denke dabei an folgendes Beispiel: Können Sie sich vorstellen, dass ein Motor 6000 Touren pro Minute läuft? Wir können uns 5-10 Touren vorstellen, aber nicht 6000. Und doch ist das so, auch wenn wir es uns nicht vorstellen können.

Daher können wir Gottes Allmacht keinesfalls in unserer Vorstellungskraft festlegen, genauso wenig wie wir manche schwer verständlichen Dinge auf der Erde nicht in unserer Vorstellungskraft festlegen können. Geistliche Wirklichkeiten sind oft noch schwerer vorstellbar.

Jesus macht den Aposteln klar, dass er zwar auferstanden ist, aber nicht zu seinem irdischen Leben zurückgekehrt ist. Er wird nie mehr hungrig, durstig und auf materielle Dinge angewiesen sein. Aber genauso wird es uns auch widerfahren, wenn wir einmal sterben und in die ewige Seligkeit im Himmel eingehen werden. Dieses Versprechen, diese Sicherheit, gibt uns Christus, wenn wir uns ihm anvertrauen und nach seinem Beispiel leben. Er sagte ja einmal: Vater, ich will, dass auch meine Jünger, die mit mir waren,  dort sind, wo ich bin.

Da können wir auch etwas aus der Natur lernen. Ich denke dabei an eine einfache, unbeholfene Raupe, die sich schließlich verwandelt und daraus ein wunderschöner, bunter Schmetterling wird. Wenn es schon solche erstaunlichen Dinge in der Natur gibt, so kann das doch bei uns Menschen nicht unmöglich sein, dass wir auch einmal verwandelt werden.

Ich denke da auch an die erste Lebensphase eines Menschen, die er im Leib der Mutter verbringt und dort mit Nahrung, Atem, Blut versorgt wird. Dann folgt als zweite Phase die schmerzhafte Geburt; dabei wird der Mensch gewissermaßen selbständig. Er hat einen eigenen Blutkreislauf, atmet selbst, wird genährt und ernährt sich später selbst. Dieses irdische Leben dauert eine gewisse Zeit bis zum Tod, wo die dritte Phase beginnt, in der alles Irdische in das Unsterbliche der Ewigkeit verwandelt wird. Ein neues Leben entsteht, ein Leben ohne Angst, Leid, Krankheit und Schmerz. Um aber diese dritte Phase zu erlangen, stellt Jesus Bedingungen – nämlich den Glauben. Jesus sagt: Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Glauben an Jesus bedeutet Nachfolge.

Ein Professor nahm sich vor, eine Reise über den Atlantischen Ozean auf einem kleinen Schiffchen zu unternehmen. Allerdings wusste er, dass vor ihm das schon mehrere versucht hatten und es mit dem Leben bezahlen mussten. Sie wurden verrückt und starben. Der Professor behauptete, sie seien nur deswegen gestorben, weil sie keinen Glauben gehabt hätten. Vor seinem Versuch beschäftigte er sich sechs Wochen lang intensiv mit seinem Glauben und redete sich immer wieder ein: „Ich schaffe das!“ Durch diese Übung bekam er das Gefühl der Sicherheit. Er fuhr hinaus aufs Meer, verbrachte dort 72 Tage und Nächte und überlebte. Sein Versuch bestätigte also, was für eine erstaunliche Kraft der Glaube hat.

Nützen wir diese Osterzeit, um uns im Glauben an Jesus zu stärken und unsere Freundschaft mit ihm zu festigen. Bemühen wir uns, ihm immer ähnlicher zu werden, damit wir einmal für ewig glücklich ins Reich Gottes eingehen können!

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