27. Sonntag A Mt 21,33-43.
Einleitung
Das israelische Volk gleicht einem Weinberg, der Frucht bringen soll. Aber anstatt einer fruchtbringenden Ernte erwartet den Besitzer des Weinbergs nur Enttäuschung. Das Volk hat vergessen, dass es nur Mieter des Weinbergs ist, und hat daher auch seine Pflicht nicht erfüllt. Das heutige Gleichnis hat vor, uns zu sagen, dass der Mensch zur Erkenntnis gelangen muss, dass die Frucht seiner Taten die Liebe sein soll. Wenn der Mensch diese Liebe einbringt, baut er am Reich Gottes mit. Wenn das Bauen des Reiches Gottes auf Selbstsucht, Trägheit und Bequemlichkeit ausgerichtet ist, wird es nicht von Dauer sein.
Predigt
Miet- und Pachtverträge sind heutzutage Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens. Oft können wir hören oder sehen, dass zwischen Eigentümer und Mieter oder Pächter eine große Spannung herrscht. Dafür gibt es verschiedene Gründe, die jedoch meist finanzieller Art sind. Im heutigen Gleichnis haben wir es auch mit Pächtern zu tun. Ein Gutsbesitzer verpachtete seinen Weinberg an Winzer. Er einigte sich mit ihnen, dass ein Teil der Ernte an ihn abgegeben werden muss. Die Pächter waren aber nicht bereit, den Vertrag einzuhalten. Als der Gutsbesitzer nun zur Erntezeit seine Diener schickte, um den ausgemachten Teil abzuholen, wurden diese verprügelt oder gar getötet.
Es geht in diesem Gleichnis aber nicht allein darum, diesen Pachtvertrag zu erfüllen, sondern um ein viel ernsthafteres Übereinkommen. Es geht um den Vertrag zwischen Gott und dem auserwählten Volk. Jesus denkt an das israelische Volk, wenn er vom Töten seiner Diener spricht. Die Diener sind eigentlich Propheten, die Gott schickt, um sein Volk zu ermahnen. Die Winzer oder Pächter sind das Volk, das Gottes Gesandte oft getötet hat. Ich denke dabei an die Propheten Amos, Michi, Jesaja, Ezechiel und Sacharja, die ebenfalls getötet wurden. Ich denke dabei vor allem an Jesus selbst, den Sohn Gottes, der ebenfalls getötet wurde. Ähnliches gab es immer wieder in der Geschichte der Kirche, wo viele Märtyrer ihr Leben für die Verkündigung des Heils opfern mussten. Aber nicht immer endete alles mit dem Tod; manche wurden auch psychisch zermürbt.
Wie schaut es heute aus mit Menschen, die für Gott Zeugnis ablegen? In den Nachrichten hören wir fast täglich, dass besonders in arabischen Ländern Christen blutig verfolgt werden. In Europa und Amerika geht es nicht so sehr um Verfolgung, aber man ist einer intensiven Kritik ausgesetzt oder wird belächelt, wenn man treu zur Kirche steht.
Vielleicht denken Sie jetzt: Das betrifft uns nicht; das betrifft nur das israelische Volk. Das ist ein Irrtum. Wir sind die Winzer von heute im Weinberg Gottes. Auch wir sollen unseren Anteil an der Ernte abgeben. Es handelt sich selbstverständlich um den geistlichen Ernteanteil. Auch wir Christen haben mit Gott Verträge abgeschlossen. Wann? Bei der Taufe, bei der Erstkommunion, bei der Firmung, bei der Hochzeit. Wie oft vergessen wir aber, was wir damals versprochen haben, oder anders gesagt: Wir fühlen uns nicht verpflichtet, zu tun, was wir versprochen haben.
Jetzt aber konkret: Bei der Taufe versprechen die Eltern, ihre Kinder christlich zu erziehen – doch vielfach sind das nur leere Worte. Oder bei der Firmung: Da haben die jungen Christen oder Christinnen versprochen, den Glauben verantwortlich zu leben, aber wie schaut die Wirklichkeit aus? Es herrscht vielfach Gleichgültigkeit gegenüber dem Glauben. Oft kommt es einem vor, dass sich Christen nach der Firmung so benehmen, als wären sie nie gefirmt worden. Das macht mich traurig, weil man bei der Firmung eine Predigt gehört hat, die diese Verantwortung für den Glauben ausdrückte – und kurz danach war alles wie weggeblasen. Ich denke dabei auch an das Sakrament der Ehe. Bei der Hochzeit versprechen sich die Brautleute, dass sie in Treue und Liebe leben werden, aber wie schaut die Wirklichkeit aus? Die Ehescheidungen sind exorbitant. Man hat also den Eindruck, dass alle Versprechungen, die Gott gegeben werden, nur auf einem Dokument – einem Stück Papier – vermerkt sind – mehr nicht.
So wie im Altertum bedeutende christliche Gemeinschaften untergegangen sind, so kann es auch in Europa in Zukunft sein. Es gelten auch in der Gegenwart die Worte Jesu: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben, das die erwarteten Früchte bringt.
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