Die Sicherheit der Gottesliebe
Die Sicherheit des Heils, der Gottesliebe, ist für uns wesentlich. Die Erfahrung, die wir in der Welt haben, ist: Liebe und Aufmerksamkeit verdienen sich die Menschen, die gut, schön, erfolgreich und tüchtig sind. Sind wir solche Menschen? Niemand kennt unsere Schwachheiten und Fehler besser als wir selbst. Von unseren Fehlern und Mängeln wollen wir nicht sprechen. Wir fürchten uns davor, dass die anderen uns verurteilen und auslachen. Darum verbergen wir unsere Fehler und Schwachheiten. Es gibt auch eine andere Weise, die manche Leute verwenden, und das ist: andere Menschen kritisieren, auf ihre Fehler hinweisen, hindeuten, die anderen lächerlich machen. Die Menschen wollen damit kundtun, dass sie überlegen sind. Kurz darauf, als ich nach Österreich gekommen bin, kritisierte mich einer von meinen Bekannten und sagte zu mir, dass ich in der deutschen Sprache viele Fehler mache. Er stellte sich als jemand dar, der perfekt Deutsch spricht. Wie war meine Überraschung, als mir eine Bekannte aus Bratislava, geborene Deutsche, die mich gut kannte, zu mir sagte: „Ich kenne ihn.“ Er ist überzeugt, dass er fehlerfrei spricht, und in der Wirklichkeit macht er mehr Fehler als du. Wir wissen, dass Gott auch mit unseren Fehlern und Mängeln uns liebt. Es ist richtig, wenn wir uns unserer Stärken und Mängel bewusst werden, und wir bemühen uns, sie nicht zu verneinen. Dem Kardinal Suenens wurde die Frage gestellt. Ihre Meinung nach: Wer ist ein Heiliger? Und der Kardinal antwortete. Ein Heiliger ist der, der sich dessen bewusst ist, dass er Sünder ist. Seinen Fehler zugeben, das kann nur der Mensch, der Gottes Liebe erkannt und an sie geglaubt hat. Noch eine Sache: Die Fehler der Anderen sollten nicht die Ursache für das Ärgernis sein; im Gegenteil: Der Grund der Gottfeier ist, dass Gott uns trotz unserer Fehler und Mängel liebt. Es ist förderlich, wenn der Mensch zu einer Gesellschaft gehört, die ihn annimmt, in der er frei sprechen kann, ohne Vorstellung. Wir können endlich unsere Qual und Armseligkeit eingestehen. Wir schaffen das, weil wir wissen, dass Gott uns so, wie wir sind, liebt. Die Brüder und die Schwester in der Gemeinschaft haben dieselben Probleme. Es ist ein gutes Gefühl, wenn wir uns ohne Furcht anvertrauen können. Wir verlieren den Bedarf, jemanden zu verurteilen oder zu ermahnen. Wenn sich jemand vor uns öffnet, dann erniedrigen wir ihn nicht; wir verurteilen ihn nicht.Doch auch wir wurden nicht verurteilt. Wir bemühen uns, die anderen zu unserem Bild zu ändern. Wir wissen, dass unser Weg kein Weg für den anderen sein muss. Und sein Weg muss uns nicht passen. Nur die Macht des Heiligen Geistes kann die Menschen ändern. Und Gott hat außer uns auch die anderen Werkzeuge, und er verwendet sie, wann er will und wie er will. Die Ausnahme ist die Situation, wenn uns jemand um einen Ratschlag bittet. Aber auch dann ist das nur ein freundlicher Ratschlag, nicht der Drucker. Statt der Ermahnung oder Kritik teilen wir uns eher unsere Erfahrungen. Ich kann mich durch die Erfahrungen der anderen bereichern, und die anderen können aus meinen Erfahrungen profitieren. Wir verantworten uns und verzeihen einander. Wem würden wir uns anvertrauen, wenn nicht Christus? Und wartet uns Christus eben nicht in der Gemeinschaft. Henri Nouwen schreibt. Mittels des Bekenntnisses tauchen die dunklen Kräfte aus der Isolation auf, sie kommen ans Licht, werden sichtbar und entwaffnen sich mittels der Verzeihung, zerstreuen sich. Das ist eigentlich nur der Widerhall der Worte der Heiligen Schrift. Darum bekennt euch eure Sünder und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet.
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