5. Fastensonntag B Joh 12, 20-33

Das Leben lebt von der Selbsthingabe.
Einleitung
Ein Fräulein sagte seiner Freundin, dass es zwei Bewerber gibt, aber sie weiß nicht, wen sie auswählen soll. Der eine ist Bankier, der andere Arzt. Das ist ein Dilemma: Geld oder Leben? Dieses Fräulein richtet sich nach dem Motto:  „Bei wem wird es mir besser?“ Jesus aber sagt zu uns: „Wer sein Leben liebt, der wird es verlieren; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, der wird es bewahren bis ins ewige Leben.“ (Joh 12,25)
Verstehen wir dieses Gesetz? Dass wir durch Leid und Selbstverleugnung zum Leben und zur Verherrlichung gelangen.
Predigt

Der Evangelist Johannes hat nicht das Kapitel von Getsemani, in dem Jesus von Angst und Verlassenheit geplagt wird. Er hat jedoch das Kapitel über das Weizenkorn. Auch hier äußert sich Jesus Bange um das, was kommen wird: „Jetzt ist meine Seele erschüttert.“ Was soll ich sagen? Vater, erlöse mich von dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen! Vater, verherrliche deinen Namen!” Da kam eine Stimme vom Himmel. „Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.“ (Joh 12,27-28)
Uns fällt ein: Hier geht es um einen Irrtum. Das, was kommt, wird die Stunde der Verurteilung, der Geißelung, der Erniedrigung und der Schande sein. Du nennst das die Stunde der Verherrlichung; wir sehen dahinter deine Demütigung, Beseitigung und Liquidation.
Jesus kann die Niederlage einen Sieg nennen, weil er das Geheimnis des Lebens, das Geheimnis des Weizenkorns, kennt. Jesus wollte sich nicht selbst retten. Er war bereit, sich für die anderen zu opfern. Kein Korn wird „Ehre und Erfolg“ haben, wenn es nicht stirbt, damit aus ihm eine Ähre aufwächst.

Auch nach 2000 Jahren stellen wir uns diese Frage. Wann kann der Mensch ein wirklich glückliches Leben finden? Jesus würde diese Frage so beantworten. Wer sich selbst liebt, ist auf sich selbst konzentriert und verliert sein Leben. Das ist ein Gesetz. Nur wer sein Leben opfert, kann es finden. Das ist das Paradoxon. Wer sein Leben verliert, der wird es gewinnen.
Jesus zu folgen bedeutet, das Gesetz des Weizenkorns anzunehmen. Das ist nicht selbstverständlich. Niemandem fällt es leicht und natürlich, für die anderen zu dienen und sich zu opfern. Wir alle sind wie das Fräulein aus der heutigen Einleitung: Bankier oder Arzt?  Wer wird für mich besser sein?  Das ist keine christliche Gesinnung.  Der Mensch befreit sich durch Selbstopferung vom Egoismus und findet das Leben. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. schrieb: „Das Maß, glücklich zu sein, hängt davon ab, vorbereitet zu sein, die Mühseligkeiten des menschlichen Lebens zu überleben.” Die Welt um uns herum verleugnet den Wert des geduldigen Ertragens von Leiden. Wir betrügen uns selbst, wenn wir glauben, dass wir ein glückliches und interessantes Leben haben werden, wenn wir das Leiden vermeiden. Aber der Papst fügt hinzu: „Wer dem Menschen sein Leid wegnehmen und ihn in das „Land der Träume“ führen will, der verliert sich selbst. In Wirklichkeit erlöst den Menschen nur sein Kreuz. Das Kreuz ist in diesem Fall die Fähigkeit, vom Egoismus zur Altruismus, zum Dienst und zur Liebe zu wechseln. Es reicht, sich zu fragen: Inwiefern sind wir bereit, zu dienen, zu helfen oder zu raten? Oder wir fragen uns: Wie viel Aufmerksamkeit widmen wir uns selbst?

Am Ufer des Meeres wuchs eine wunderschöne Palme. Gott spazierte dort gerne. Eines Tages sagte er zu ihr: „Würdest du mir deinen schönen Wipfel geben?“ Aber ja, du kannst ihn mir geben. Und so blieb der Palme nur der Baumstamm. Bald kam Gott wieder und sagte zur Palme: „Ich würde deine Wurzel brauchen.“ Und von der schönen Palme blieb nur der Stamm. Nach wenigen Monaten kam Gott wieder und sagte zu ihr. „Ich brauche dein Marktholz.“ Nimm, Herr, was du willst. Und so blieb von der Palme nur ein leeres Rohr. Als Gott wiederkam, sagte die Palme zu ihm: „Ich habe jetzt nichts.“ Gott nahm sie mit in die Wüste, wo sie dabei half, den trockenen Boden zu bewässern. Und alles um sie herum wurde grün. So viel zur Erzählung des unbekannten Autors. Sich zu opfern ist ein schwieriger Prozess, aber am Ende werden wir hundertfache Frucht sehen.

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