Einführung
Es gibt Menschen, die nur an das glauben, was sie sehen und wovon sie sich durch ihre Sinne überzeugen können. Höhere Werte interessieren sie nicht. Glaube bedeutet für sie nichts. Es gibt aber auch Menschen, die durch die Hilfe der Naturgesetze zum Glauben an Gott kamen. Wir alle brauchen hin und wieder Stärkung für unseren Glauben.
Predigt
Heute, am Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit, hören wir die Reaktion des heiligen Apostels Thomas: „Mein Herr, mein Gott!“ Die Schwester Faustina half vielen Menschen mit ihrem Tagebuch, den Glauben zu finden. Hans Urs von Balthasar kommentiert das heutige Evangelium in diesem Sinne. Als Jesus sich nach seiner Auferstehung mit seinen Jüngern trifft, verleiht er ihnen die Vergebung der Sünden. Für die Sünden der Welt starb Jesus am Kreuz. Jesus versöhnte die Menschheit mit Gott und gab den Aposteln die Macht, Sünden zu vergeben. Wir müssen jedoch glauben, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der für unsere Sünden gestorben ist. Die Heilige Faustina und der Heilige Thomas stehen für zwei Gruppen von Christen. Die heilige Faustina sah Jesus und glaubte sofort an ihn. Der heilige Thomas glaubte zuerst nicht an den auferstandenen Jesus, da er ihn nach seiner Auferstehung nicht gesehen hatte. Dann sah er Jesus und glaubte an ihn. Jesus sprach zu ihm: „Selig, die nicht sehen und doch glauben.“
Gott erwählte die heilige Faustina, damit sie die Zeugenschaft des Glaubens ablegt. Das war im Polen am Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Apostel Thomas verließ Jesus nach seiner Verhaftung. Im Tod seines Lehrers sah er den Einsturz alles, was er während dreier Jahre bei Jesus gewonnen hatte. Thomas fühlt sich enttäuscht bis beschwindelt. Kam er nur vor Furcht vor den Juden zu den anderen Aposteln? Die Gedanken, mit denen er beschäftigt ist, sind schwer. In seinem Innersten sind viele unbeantwortete Fragen. Unter anderem auch die Bemerkung der Apostel, dass sie den Herrn gesehen haben. Kein Wunder, dass Apostel Thomas sagte: „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und meine Hand nicht in seine Seite lege ,glaube ich nicht. Joh 20,25. Er ist unter dem Einfluss der schwierigen Begebenheiten und sieht alles nur mit den natürlichen Augen. Er verlor die Begeisterung für Jesus.
Heute können wir Thomas für sein Verhalten vor und nach der Begegnung mit Jesus dankbar sein. Wir sind auch der heiligen Faustina dankbar, dass sie uns die Botschaft der göttlichen Barmherzigkeit vermittelt hat. Wenn wir heute nicht an die Auferstehung glauben, werden wir in unserer Seele keine Ruhe finden und die Schönheit des Lebens im Glauben nicht kennenlernen. Thomas wurde der Patron derer, die Gott aufrichtig suchen. Wenn wir Gott finden wollen und seine Gnade suchen, ist es möglich, ihn zu finden.
Die Wissenschaft erzählt von vielen interessanten Ereignissen und Entdeckungen. Die Wissenschaftler hätten viele Dinge nicht entdeckt, wenn sie nur an das geglaubt hätten, was man sehen kann. Ein Beispiel ist der englische Astronom Frederick William Herschel, der 1781 den siebten Planeten des Sonnensystems, Uranus, entdeckte. Die Astronomen hatten die Umlaufbahn des Planeten genau berechnet und waren überrascht, als sie feststellten, dass er stellenweise von der berechneten Bahn abweicht. Der französische Astronom Le Verrier sagte damals: „Es muss eine ungewöhnliche Kraft sein, die stark auf den Planeten Uranus wirkt.“ Es muss der achte Planet sein, der diese Ablenkung verursacht. Dann errechnete er, wo sich dieser Planet befinden müsste. Dann errechnete er dessen Größe, Umfang und Dichte. Als er all dies getan hatte, schrieb er am 18. September 1848 einen Brief an seinen Freund, den Astronomen Gall, der dort lebte, wo der Planet zu sehen war. In seinem Brief flehte er seinen Freund an, den geheimnisvollen Planeten im Sternbild „Capricornus“ zu entdecken, denn dort musste er sich verbergen. Gall erhielt den Brief am 23. September. Noch am selben Abend sah Gall den Planeten. Die gesamte gelehrte Welt war überrascht, wie es möglich war, eine so große Entdeckung zu machen, ohne das eigene Zimmer zu verlassen. Le Verrier glaubte an etwas, das er nicht sah. Angeblich wollte er den Planeten, den er entdeckt hatte, später nicht mehr sehen. Er sagte, selbst wenn er den Planeten gesehen hätte, wäre er nicht so überzeugt von dessen Existenz gewesen wie es die Berechnungen waren. Er glaubte an diesen Planeten und sah ihn nicht. Wir müssen uns dessen bewusst werden, dass wir nicht alles sehen können, was es gibt. Und wir sagen: „Wir glauben an Gott, auch wenn wir ihn nicht sehen können.““ Wir danken den Menschen, die uns zum Glauben verholfen haben. Konkret danken wir heute dem heiligen Thomas und der heiligen Faustina Kowalska.