Einführung
Einige Lebensfragen sind zeitlos, weil sie immer aktuell bleiben. Es ist vernünftig, über sie zu sprechen. Zu diesen Fragen gehört auch das Thema „Frieden“. Wir wünschen anderen Menschen Frieden, wollen aber auch selbst in Frieden leben. Nur wenn wir in Frieden leben, können wir schöpferisch und gestalterisch arbeiten. Dieser Friede ist für unseren Verstand begreiflich. Jesus spricht im heutigen Evangelium jedoch von einem anderen Frieden. Was ist der Unterschied zwischen dem Frieden der Welt und dem Frieden Christi?
Predigt
Der heilige Philipp Neri sprach einmal einen seiner Schüler an. „Weißt du schon, welchen Beruf du einmal ausüben willst?” „Ich werde Advokat“, war seine Antwort. Philipp Neri fragte weiter: „Und dann?” „Ich werde eine Kanzlei errichten.” Und dann? Dann werde ich heiraten, ein bedeutender und berühmter Advokat werden und auch so einiges an Reichtum anhäufen. Und dann? Dann werde ich das Leben in vollen Zügen genießen. Und dann? Auf diese Frage wusste er keine Antwort mehr.
Man kann also sagen: Der Friede der Welt reicht nur bis zum Tod. Wir jagen dem Geld nach, bringen es zur Bank und legen es gut an. Wir denken, dass wir zufrieden sein werden, wenn wir genug haben. Wir suchen verschiedene Genüsse und Lustbarkeiten und denken, je mehr wir haben, desto zufriedener werden wir sein. Doch das ist ein Irrtum. Wer Geld hat, wird es nie genug haben und immer mehr wollen. Was die Genüsse betrifft, so befriedigen sie zwar die Sinne, aber nur für kurze Zeit. Der Mensch sehnt sich immer mehr. .
In der Heiligen Schrift steht, dass Sünder keinen Frieden haben werden und ihr Weg schlecht enden wird. Bedenken Sie das. Wie kann man ruhig schlafen, wenn man durch ein böses Leben sozusagen die Hand gegen Gott ausstreckt? Solche Menschen sind oft ängstlich und betrübt, und zwar deshalb, weil sie zur Befriedigung nur die Möglichkeiten annehmen, die die Welt ihnen bietet. Aber das ist ein Friede nur unter Anführungszeichen..
Gott erschuf die Welt geordnet und harmonisch. Den Menschen erschuf er als gutes, glückliches und ausgeglichenes Geschöpf. Wie ist es dann möglich, dass der Mensch Zorn, Unruhe und Widerspruch in sich spürt? Das liegt daran, dass der Mensch den Plan Gottes ablehnt. Die Sünde stört und verletzt die Harmonie. Die Sünde beraubt den Menschen des Friedens Christi.
Wie ist der Friede, den Christus uns anbietet? Es ist die Ruhe des reinen Gewissens. Es ist die Ruhe der Kinder Gottes, die nicht über ihre Kräfte hinausgehen. Zugleich werden sie aufgefordert, Friedenstifter zu sein.
Was bedeutet das? Man soll Jesu Liebe, Wahrheit, Barmherzigkeit vertiefen. Man soll gegen die Sünden in sich, gegen die Ungerechtigkeit und gegen das Unrecht kämpfen. Papst Johannes XXII, nannte man den Papst des Friedens. Was sagte er über den Frieden? Wir leben in der Gemeinschaft der Menschen mit verschiedenen, gegensätzlichen Meinungen. Darum ist Frieden zwischen den Menschen notwendig. Den Frieden zwischen den Menschen hineintragen bedeutet, das Feuer des Streites zu löschen, Spannungen zu vermindern, Eingriffe der Menschen in die Natur einzudämmen, Situationen nicht zu dramatisieren. Wir sollen zum Frieden in der Welt beitragen, indem wir keine Zwistigkeiten hervorrufen.
Die Mutteroberin in einem Kloster belehrte eine Kandidatin: „Bald wirst du sehen, dass es schwierig ist, die Liebe zwischen Menschen zu bringen. Du bist Dienerin der Liebe. Du sollst immer lächeln und gut gelaunt sein. Die Menschen werden aber immense Ansprüche an dich stellen, grob oder derb zu dir sein und manchmal auch frech. Aber je ekelhafter und frecher sie werden, desto mehr Liebe musst du ihnen schenken. Du darfst dich nicht zum Zorn hinreißen lassen. Wenn du dich ruhig verhältst, bist du unbesiegbar.
So sollen auch wir sein. Meiden wir die Sünde! Seien wir Friedenstifter in unserer Umgebung! Und was erhalten wir als Belohnung dafür? Die Antwort finden wir in der Bergpredigt des Matthäus: „Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.”