27 Sonntag C 2016 Von der Macht des Glaubens
Einführung
Die Apostel kamen zu Jesus und baten ihn, ihnen einen größeren Glauben zu schenken. Sie wurden sich bewusst, dass der Glaube ein Geschenk Gottes ist. Der Glaube ist nicht nur eine Angelegenheit des Menschen, sondern auch ein Geschenk, das wir von Gott empfangen haben. Eine Frage an uns: Schätzen wir das Geschenk des Glaubens? Was ist uns der Glaube wert?
Predigt
Als die Apostel Jesus baten, ihren Glauben zu stärken, antwortete er: „Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: ‚Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden und verpflanze dich ins Meer!‘, und er würde euch gehorchen.“ Wenn wir nun auf Jesu Antwort antworten müssten, würden wir das vermutlich verneinen. Jesus wollte damit aussagen, was alles möglich wäre, wenn ein Mensch fest glaubt. Auf die Frage der Apostel, wie ihr Glaube größer werden könne, gab Jesus keine konkrete Antwort. Es war daher sicherlich nicht einfach für die Apostel, den Sinn Jesu Antwort zu verstehen. Versuchen wir, ihn zu verstehen! Jesus deutete damit an, dass wir unseren Glauben zeigen können, indem wir bereitwillig dienen. Durch unser Dienstsein kann der Glaube wachsen. Der Glaube kann jedoch nicht wachsen, wenn der Mensch kein Interesse an Gott hat. Ja, den Glauben können wir nur als Geschenk Gottes empfangen. Damit unser Glaube wächst, benötigen wir auch die Gnade Gottes..
Liebe Brüder und Schwestern,
täglich gibt es viele Einladungen zum Dienen. Auf manche reagieren wir großzügig, andere lehnen wir jedoch ab, weil wir nicht mit Gott zusammenarbeiten wollen. Wir sind nicht dazu bereit, wir lieben unsere Bequemlichkeit. Dabei vergessen wir leider oft, dass unser Glaube nur dann wächst, wenn wir nicht aus rein menschlichen Beweggründen handeln. Würden wir uns von unserem Egoismus befreien, könnten wir unserem Glauben genügend Raum geben. Bei Kindern können wir manchmal beobachten, dass sie nicht bereit sind, ihren Eltern zu gehorchen. Ein Grund dafür kann sein, dass ihre Eltern ihnen die Autorität Gottes nicht mehr vor Augen führen. Auch unter Erwachsenen wird Autorität nicht mehr großgeschrieben, schon gar nicht die Autorität Gottes. Sie wollen einander weder dienen noch zusammenarbeiten, doch das ist notwendig. Nur so kann unser Glaube wachsen, nicht durch Bequemlichkeit und Egoismus. Ohne Glauben wachsen Bequemlichkeit und Egoismus.
Was ich noch hinzufügen möchte: Das Wachstum unseres Glaubens hängt nicht von der Anzahl unserer Dienste ab, sondern von unserer Bereitschaft zu dienen. Der Apostel Paulus ermutigte seinen Schüler Timotheus in seinem zweiten Brief: „Halte dich an die gesunde Lehre, die du von mir gehört hast, nimm sie dir zum Vorbild und bleibe beim Glauben und bei der Liebe, die uns in Christus Jesus geschenkt ist.”
Ein Priester erzählte von seiner Erfahrung: „Ich wurde ins Krankenhaus zu einem Kranken gerufen. Eigentlich hatte ich etwas ganz anderes vor und so ging ich ohne besondere Freude ins Krankenhaus. Ich trat diesen Weg also widerwillig an, denn mein Programm war dadurch gestört worden. Im Krankenhaus nahm ich dem Kranken die Beichte ab, gab ihm die Krankensalbung und die Kommunion. Als ich schon gehen wollte, bat mich plötzlich der Kranke im nächsten Bett um die heilige Beichte. Aus dem anschließenden Gespräch erfuhr ich, dass er seit 20 Jahren nicht mehr gebeichtet hatte. Er hatte also zwanzig Jahre lang in innerer Spannung gelebt. Ich kann nur sagen: Es war fast ein Wunder, dass dieser Mensch sich nun bekehrte. Dieses Wunder wäre nicht geschehen, wenn ich den Krankenhausbesuch verschoben hätte, denn am Abend desselben Tages verstarb er. Diese Geschichte bestätigt, dass der Glaube wächst, wenn ein Mensch bereit ist, dem Willen Gottes zu folgen.