Selig sind.., trotzdem Schwierigkeiten
Einführung
Der deutsche Dramatiker und Schriftsteller Bertolt Brecht (1898-1956) sagte: „Ich habe Kopfschmerzen nicht wegen der Dinge in der Bibel, die ich nicht verstehe, sondern wegen der Dinge, die ich verstehe.“ Diese Aussage klingt seltsam, denn normalerweise bekommen Studenten Kopfschmerzen von dem, was sie nicht verstehen, also von dem, was sie erst lernen müssen. Was wollte Brecht damit ausdrücken? Oft sind die Dinge, die in der Bibel einfach und verständlich erscheinen, in der Praxis schwierig umzusetzen.
Predigt
Die Bergpredigt mit den Seligpreisungen, in der Jesus seine Jünger und viele Menschen unterrichtete, kann uns oft vor Herausforderungen stellen, weil es schwierig ist, nach ihren Lehren zu leben. Manchmal bringt das auch innere Widersprüche in uns hervor. Wir denken vielleicht: „Herr, du sagst, dass die Armen vor Gott gesegnet sind, also die, die von dir abhängen. Doch wir sehnen uns nach Unabhängigkeit.“
Du behauptest, die Trauernden seien selig. Doch wir glauben, dass diejenigen, die glücklich sind und lächeln, die Glücklichen sind, nicht die, die weinen. Ebenso sagst du, dass die Hungrigen und Durstigen nach Gerechtigkeit selig sind, während wir oft glauben, die Mächtigen und Einflussreichen seien es.
Du sagst, die Barmherzigen seien selig, aber viele empfinden Barmherzigkeit als Schwäche. Du lehrst, dass die reinen Herzen selig sind, während viele Menschen egoistisch handeln und andere ausnutzen. Du sagst, die Friedensstifter seien gesegnet. Doch an vielen Orten leiden Menschen unter Krieg und Bedrohung – wie kann das segensreich sein?
Du erklärst, dass die Verfolgten selig sind. Doch wie kann man diejenigen, die unter totalitären Regimen oder in Konzentrationslagern leben, als gesegnet betrachten? Wir erkennen, dass es schwierig ist, nach den Prinzipien der Seligpreisungen zu leben. Dennoch sollten wir nicht pessimistisch sein, sondern weiter darüber nachdenken. Jesus spricht die Armut, den Hunger oder das Weinen nicht als gut an, aber wenn wir diese Herausforderungen mit einer positiven inneren Einstellung betrachten und im Glauben darauf schauen, können sie auch zum Segen werden.
Eine Begebenheit aus dem Roman „Hiob“ von Joseph Roth, einem österreichischen Schriftsteller, verdeutlicht dies. Der Roman erzählt von einer jüdischen Lehrerfamilie unter der Leitung von Mendel Singer, die viele Schicksalsschläge erleidet. Nach der Geburt des vierten Kindes stellte sich heraus, dass das Kind sich nicht richtig entwickelt hatte. Die Mutter suchte einen Rabbiner auf, der für seine Weisheit bekannt war. Dieser sagte ihr, dass ihr Schmerz sie klug machen würde und die Herausforderungen sie zu einer besseren Person formen könnten.
Josef Roth endet den Roman mit der Erkenntnis der Mutter, dass trotz unveränderter Umstände die innere Einstellung gegenüber ihrem behinderten Kind sich gewaltig verbessert. Sie lernt, dass nach jedem Regen Sonnenschein folgt und dass die Schwierigkeiten sie näher an Gott führen, der ihr hilft, ihre wahre Stärke zu entdecken. Nur durch erhebliche Mühen finden wir das Licht und die Wahrheit, die uns selig machen.
Das Evangelium lehrt uns, dass Armut, Krankheit, Verfolgung und Ungerechtigkeit nur vorübergehend sind. Am Ende wird das Böse endgültig besiegt – das wissen wir durch den Tod und die Auferstehung Jesu. Auch wenn wir gegenwärtig viele Probleme sehen, dürfen wir daran glauben, dass am Ende alles anders sein wird. Das Leben ist ein Prozess, und der Mensch ist bisher nicht vollkommen. Doch eines Tages wird die Liebe siegen. Der Glaube an den Sieg der Liebe zu Gott macht uns zu echten Christen. Gott schaut auf uns mit einem Blick, der nicht nur auf die Vergänglichkeit, sondern auch auf das ewige Leben bei ihm gerichtet ist. Deshalb preist Jesus diejenigen selig, die leiden, hungrig, durstig oder krank sind. Wir sollten uns auf das Große freuen, zu dem wir eingeladen sind, und Gott dafür danken!