3.Sonntag C Lk 1,1-4, 4, 14-21

 

Einführung,

Das heutige Evangelium erzählt uns, wie Jesus  zu Beginn seiner öffentlichen Tätigkeit  nach Hause kam, um dort  in der  Synagoge  eine Rede zu halten. Diese Rede war  die erste öffentliche Rede Jesu, und wir können sie auch  als die „Programmrede“ nennen.

Predigt

Was sagte Jesus in dieser Rede? Der Geist des Herrn ist bei mir, weil er  mich gesalbt hat, um das Evangelium  den Armen zu verkündigen;  er hat  mich  gesandt, zu predigen , um die Gefangenen zu befreien, damit die  Blinden  sehend werden und die Zerschlagenen in Freiheit gesetzt werden. Und Jesus fügt hinzu: Heute hat sich das Schriftwort erfüllt, das ihr eben gehört habt.  Was wollte Jesus durch diese Rede sagen? Ich bin der vorhergesagte Messias. Ich bin gekommen, um euch Befreiung und Heilung zu bringen. Wenn seine Landsleute diese Rede  verstanden hätten, wären sie in große Freude ausgebrochen. Leider haben seine Landsleute diese Rede nicht begriffen, so wie Jesus sein Volk nicht begriffen hat.

Aber auch heute gibt es viele Menschen, die Jesus nicht verstehen. Warum ist das so? Warum begreifen das einige nicht, und andere sind im Gegenteil über ihn erstaunt? Die Antwort ist das Gottesbild der Menschen. Von diesem Bild hängt alles ab. Auf Gott warteten viele zur Zeit Jesu,  wie auf einen Richter und einen, der alles gerecht macht.  Jesus  aber zeigt damit, dass er und der Gott, den er präsentiert, nicht so ein Gott sind. Das Gottesbild, das Jesus durch diese Rede entworfen hat, zeigt, dass unser Gott ein Gott der Liebe, der Barmherzigkeit und der Vergebung ist. Nirgends finden wir in Gott  Gedanken  der Rache, sondern nur der Liebe und Barmherzigkeit.

Am deutlichsten zeigt sich diese Wahrheit in 15. Kapitel des Lukas-Evangeliums in drei Gleichnissen: 1. über ein verlorenes Schaf, 2. über eine verlorene Drachme und 3. über einen verlorenen Sohn. Jene,  die diese Dinge  verloren haben und dann danach voll Angst suchten, erwarteten keine Strafe und keinen Vorwurf, sondern nur Freude und auch eine Feier.

Es  ist aber notwendig, hier auch die Wahrheit zu kennen.  Der Mensch sucht eifrig nach dem,  was für ihn wertvoll ist. Und was ist für den heutigen Menschen wertvoll? Das sind hauptsächlich materielle  Dinge.

Dazu ein Beispiel: Es war einmal ein Gutsbesitzer. Auf seinen Gütern hatte er mehrere Mieter, die jedoch nicht fähig waren,  ihre Miete zu zahlen. Sie sahen  schwarz in ihrem Schicksal. Da schickte der Gutsbesitzer seinen Verwalter zu den Menschen. Der Verwalter besuchte die Menschen, interessierte sich dafür , wie sie wohnten, was sie aßen und ob sie krank waren. Den Menschen war das verdächtig. Sie dachten, der Verwalter wolle wissen, wie viel Vermögen sie haben, damit  der Gutsbesitzer ihnen dieses Vermögen  wegnehmen könne, um so seine Miete zu bekommen.  Die Menschen hatten die  schrecklichsten Vorstellungen  in  ihrem Kopf. Sie werden dann auf der Straße leben und betteln müssen.  Eines Tages teilte ihnen der Verwalter mit, dass sie zum Gutsbesitzer kommen sollten, denn er hätte ihnen etwas Wichtiges zu sagen.   Viele waren überzeugt, dass sie den Gutsbesitzer sicher hinauswerfen würde. Was für eine große Überraschung war es aber für alle, als der Gutsbesitzer zu ihnen sagte: „Alle eure Schulden sind getilgt.“ Ab heute sollt ihr von neuem beginnen. Die  Leute glaubten zuerst, ihren eigenen Ohren nicht zu trauen. Aber dann brachen sie in Jubel und Freude aus. Diese Freude war echt und unverfälscht. Ich kann aber auch ein anderes Beispiel nennen. Was für eine große Freude haben  die Menschen, wenn ihr Lohn erhöht wird oder jemand im Lotto viel Geld gewinnt. 

Aber jetzt  schwenke ich zu einem anderen wichtigen Thema.  Gott hat uns  durch  Jesus gesagt, dass er bereit ist,  unsere Sünden zu vergeben. Bringt diese Nachricht in uns eine echte Freude hervor? Nein, nicht immer und für alle? Warum nicht?  Erstens erkennen viele Menschen nicht, dass sie in Sünde leben. Viele Menschen meinen heute: Die Welt ist doch ganz anders als früher. Die Kirche ist veraltet oder altmodisch.  Das Verständnis von Sünde gibt es da nicht. Ich will ein angenehmes Leben, es genießen und Sünden habe ich keine, daher muss ich sie auch nicht bekennen.  Mein Leben ist so einfach. Es ist daher verständlich, dass viele Menschen die Rede Jesu nicht verstehen oder nicht verstehen wollen, weil sie andere Vorstellungen von Glück haben und ihre Ziele auf diese Weise erreichen wollen. Die Welt bietet den Menschen sehr viel an – viel mehr als früher. Der Mensch von heute hat genug und braucht daher keinen Gott.

In  der letzten Zeit  habe ich zwei Predigten gehört, in denen die Prediger  gesagt haben, dass es  ihnen so scheint, als würden die Menschen  von heute Gott gar nicht suchen. Und ich muss zugeben, dass das auch meine Meinung ist. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. schrieb in der Zeitschrift Vision 2000 in der Ausgabe 1 des heurigen Jahres Folgendes: Vielleicht wollen viele Menschen den Glauben heute einfach nicht, weil ihnen das ewige Leben nichts Erstrebenswertes zu sein scheint. Sie wollen nicht das ewige Leben, sondern das jetzige Leben ist ihnen so wichtig, dass ihnen der Glaube an das ewige Leben hinderlich ist.

Deshalb sollen wir uns nicht wundern, dass die Menschen damals in Nazaret und die meisten Juden Jesus nicht verstanden haben – und dass sehr viele Menschen von heute ihn auch nicht verstehen. Jesus ist aber gekommen, damit die Menschen glücklich werden und ein Leben in Fülle haben. Der Unterschied zwischen dem weltlichen Glück und dem Glück, das Jesus uns verheißt, ist aber groß. Weltliches Glück ist nur kurz – es hört also schnell wieder auf. Jesus bietet uns ein dauerhaftes Glück an, das uns zum ewigen Heil führt. Achten wir darauf, das ewige Glück nicht wegen eines kurzen Glücks hier auf Erden zu verlieren!