Das Evangelium ist ein Leitfaden, der zeigt, wie man heilig wird. Es zeigt also, wie man ein neues Leben in Freiheit und Freude führt. Aber viele Menschen interessieren sich nicht für ein geistliches Leben. Oder sie wissen nicht, dass es ein solches Leben gibt. All der riesige Reichtum an Wissen, Erkenntnissen und Erfahrungen, den die Heiligen und Mystiker im Laufe der Jahrtausende des kirchlichen Lebens angehäuft haben, gerät in der Praxis in Vergessenheit. Die Kirche hört auf, der Ort zu sein, an dem man dieses Leben lebt, an dem die Menschen jubeln und in Gottes Freude frohlocken. Die Kirche hört auf, der Ort zu sein, an dem man zu einem solchen Leben geführt wird. Das Ergebnis ist eine verfallene Moral. Gerade darauf redet der ehemalige Papst Benedikt XVI. an. Es gibt nicht mehr das absolute Gut oder das absolute Böse. Alles ist relativ. Alles hängt nur vom Menschen, von der Situation und den Umständen ab. Anstelle von Sicherheit kommt Unsicherheit. Die Kirche wird praktisch humanistisch. Im philosophischen Sinne. In der Mitte steht nicht mehr Gott, sondern der Mensch. Der Mensch passt sich Gott nicht mehr an. Jetzt wird erwartet, dass Gott sich an die Menschen anpasst – er ist doch liebevoll und barmherzig. Ein Mann bestimmt also jetzt, was richtig ist und was nicht. Was ein Mann entscheidet, was ein guter Christ tun muss und was nicht, wird selbstverständlich von Gott respektiert. Doch der Mensch handelt nach seinem Gewissen. Gott billigt seine Haltung. Es wird erforscht, welche Einstellungen der moderne Mensch gegenüber dem Evangelium hat. Ohne Gottes Leben wird die Kirche zum Museum. Eine solche Kirche zieht keine Menschen an. Vielleicht protestiert jemand, der diese Zeilen liest, und sagt, dass das nicht wahr ist. Ja, auch heute gibt es Menschen, die als Erwachsene den Weg zu Gott finden. Aber das sind nur wenige Menschen. Eine deutlich größere Zahl von Menschen verlässt die Kirche oder unterbricht den Kontakt zu ihr. Für viele Menschen, vielleicht sogar für die überwiegende Mehrheit, ist die Kirche keine Autorität mehr. Sie beeinflusst die Gedanken der Menschen nicht mehr. Aber warum ist das so? Dies hat natürlich mehrere Ursachen. In Wirklichkeit gibt es keinen Unterschied in der Lebensqualität zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Im praktischen Leben leben beide Gruppen ohne Gott. Es scheint mir, dass die Kirche nicht die Kraft hat, diese Entwicklung aufzuhalten. Ja, es gibt Bischöfe und Priester, die sich dieser Situation bewusst sind und etwas unternehmen wollen. Sie veröffentlichen beispielsweise verschiedene Pastoralpläne, in denen sie festhalten, was zu tun ist. Doch all das bleibt auf dem Papier. Betrachten wir nur die Situation von Firmlingen oder von christlichen Ehepartnern. Leider gibt es Bischöfe und Priester, die diesem Problem nicht zugeben. Sie finden sich mit der Feststellung ab, dass sich diese Menschen vielleicht in Zukunft bekehren werden. Gottes Gnade wirkt doch. Damit ist das Problem gelöst. Und sie geben es zu. Doch was können wir machen?