4. Fastensonntag B Jn 3,14-21

Haben Sie vielleicht von dem weltbekannten Bild Michelangelos – dem Jüngsten Gericht – gehört? Das Bild befindet sich in der Sixtinischen Kapelle. Der Maler bildete hier seine Vorstellung davon ab, das Gericht am Ende der Welt. Das heutige Evangelium spricht von dem Gericht, das bereits jetzt auf der Welt stattfindet. Jesus sagt: Wer nicht glaubt, ist schon verurteilt. Denken wir über diesen Ausspruch Jesu nach.
Wer nicht glaubt. An wen dachte hier Jesus? Wir halten dafür, dass hier Jesus an die Atheisten denkt. Er denkt hier an alle, die sein Licht nicht empfangen. Wir sollen sein Leben als Vorbild für unser Leben nehmen . Die zweite Hälfte des Ausspruchs Jesu klingt. Er ist schon verurteilt. Wie sollen wir das verstehen? Sollen wir an irgendeinen Richterstuhl denken, auf dem Christus mit einem Stab sitzt? Nein, Jesus sandte nicht seinen Sohn, um die Welt zu verurteilen, sondern um sie zu retten. Jesus will uns erklären, dass jeder, der nicht glaubt, auf seinem eigenen Schaden irrt. Wir können das mit einer Erfahrung aus der Gleichzeitigkeit verbinden. In einem winterlichen Erholungszentrum wurde aufgrund der Lawinengefahr das Verbot des Skilaufens erlassen. Drei Skiläufer respektierten dieses Verbot nicht. Die Lawine verschüttete sie. Das ist nicht nur für die Lawine gültig. Überall dort, wo der Mensch Jesus’ Lehre ablehnt, bezahlt er dafür. Es bleibt noch eine Frage. Warum wollen viele Leute Jesus’ Licht nicht empfangen? Die Antwort ist. Jesus’ Lehre verlangt vom Menschen die Entsagung. Jesus verlangt die Entsagung, weil er weiß, dass sie unumgänglich für das richtige und glückliche Leben ist. Zweifellos, nach dem Beispiel Jesu zu leben, ist nicht leicht, und deshalb wählen sich viele Menschen leichtere Wege. Es ist uns klar. Wenn jemand stiehlt, betrügt, untreu in der Ehe ist, Unzucht treibt, wird unglücklich. Er bestraft sich selbst. Das Christentum ist aber etwas mehr, nur dass ich nichts Schlechtes mache. Es gibt Menschen, die sagen. Ich bin ein anständiger Mensch. Ich lüge nicht, ich arbeite ordentlich, ich kümmere mich um meine Familie. Meiner Frau bin ich treu. Wenn ich die Gelegenheit habe ,helfe ich. So leben viele Menschen – gläubig. Aber auch Ungläubigen. Oft haben diese Leute kein Interesse an Gott, keine Beziehung zu Jesus. Sie denken, alles ist in Ordnung; sie leben wie ordentliche Menschen. Niemand kann ihnen etwas vorwerfen. Dieses Problem ist nicht so einfach wie es auf den ersten Blick scheint. Worum geht es? Zum Heil ist es nicht genug, dass wir anständige Menschen sind. Das Heil bringt uns Jesus. An ihn müssen wir glauben. Ihn müssen wir in unser Leben aufnehmen. Wenn wir das nicht tun, bleiben wir ohne Jesus. Eine kleine Erklärung: Wenn ich ein Ingenieur werden will, muss ich studieren, mich an einer technischen Universität einschreiben, die Vorlesungen besuchen, die Prüfungen machen. Ohne es kann ich kein Ingenieur werden. Jetzt stellen Sie sich vor, ich würde zum Rektor der Universität gehen und ihm sagen. Herr Rektor, ich bin ein anständiger Mensch. Ich mache nichts Schlechtes. Verleihen Sie mir den Titel „Ingenieur“. Der Rektor würde mir sicher sagen, dass das nicht geht. Ich muss zuerst das Studium absolvieren. Ich kann ein anderes Beispiel geben. Wenn ich Klavier spielen will ich muss zuerst Übungen machen. Wenn ich kein Interesse daran habe, werde ich nie Klavier spielen. Mir wird nicht weiterhelfen, wenn ich sage. Ich lüge nicht, ich stehle nicht. Hier ist notwendig die Übung. Diese Übung kann man nicht ersetzen. Es ist gut zu wissen, dass wir eine persönliche Beziehung zu Jesus brauchen. Für unser Heil ist das lebenswichtig, denn nur Jesus bringt uns Heil. Sind wir uns dessen bewusst? Viele werden nicht erlöst, nicht deshalb, weil sie schlechte Menschen waren, sondern deshalb, dass sie die Einladung zum göttlichen Leben, die uns Christus bietet, nicht annehmen. Gott respektiert unseren freien Willen.

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