Neujahr, Hochfest der Gottesmutter Maria 2014
Einleitung
Nach dem Auspacken der Weihnachtsgeschenke fragte kleiner Hans: “ Mutti, warum hat mir das Christkind Sachen gebracht, die wir auch im Geschäft kaufen können?“ Diese Kinderfrage kann uns dazu inspirieren, ein wenig nachzudenken. Mit zunehmendem Alter lernt nämlich ein Kind, zwischen Sachen und Werten zu unterscheiden. Sachen kann man kaufen, Werte aber werden gebildet. Kleider, Spielwaren, Computer und Sportgeräte kann man kaufen. Zeit, Liebe, Freude, Ruhe und den Sinn des Lebens kann man nicht kaufen. Das sind Geschenke Gottes. Wenn wir auch diese Werte kaufen könnten, würden wir nur Geschäfte aufsuchen, aber nicht unser Gotteshaus.
Predigt
Am Morgen des Weihnachtstages heißt es im Lukasevangelium: „Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: ‚Kommt, wir gehen nach Bethlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ.“ Kommen wir nach Bethlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ. So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.“
Die Hirten, die das Kind betrachteten, haben sich vielleicht die Frage gestellt: „Was kann uns dieses Kind geben?“ Dutzende von Kindern wurden in dieser Zeit doch in dieser Gegend geboren. Die Hirten bestaunten jedoch gerade dieses Kind und beteten es an.
Wie geht es uns dabei? Sehen wir in dem kleinen Jesus den Sohn Gottes oder nur ein gewöhnliches Kind? Wenn wir wirklich glauben, dass der kleine Jesus in der Krippe der Sohn Gottes ist, dann erwarten wir von ihm auch etwas. Wir erwarten, dass er uns Werte vermittelt, die man nicht in einem Geschäft kaufen kann.
Am Beginn des neuen Jahres sollten wir uns jener Werte bewusst werden, die wir nicht kaufen können. Dazu gehört vor allem der Wert der Zeit. Die Zeit können wir nur als Geschenk annehmen, vom Geber der Zeit, vom Herrn der Zeit – von Gott.
Was für einen Wert hat die Zeit? Was für einen Wert hat etwa eine Sekunde? Da brauchen wir nur einen Menschen zu fragen, der einen Autounfall überlebt hat, der weiß das. Was für einen Wert hat eine Minute? Da müssen wir nur einen Menschen fragen, der die Abfahrt eines Zuges oder den Abflug eines Flugzeuges versäumt hat. Wenn wir den Wert der Zeit von neun Monaten wissen wollen, können wir eine Mutter fragen, die ihr Kind neun Monate lang unter ihrem Herzen trug, das Kind wurde tot geboren. Wenn wir den Wert eines Jahres wissen wollen, dann fragen wir einen Studenten, der eine Prüfung nicht bestanden hat und daher nicht in einen höheren Jahrgang aufsteigen konnte. Wenn wir den Wert von zehn Jahren kennen wollen, dann fragen wir ein Ehepaar, das nach zehn Jahren Ehe geschieden wurde. Durch diese Fragen nach dem Wert der Zeit wird uns bewusst, dass wir ihn erst erkennen, wenn wir die Zeit verloren haben. Darum sollten wir auf die Zeit achten, sie richtig einteilen und auch verbringen.
Ein weiterer Wert, den wir nicht kaufen können, ist die Zuneigung bzw. die Liebe Gottes. Gott ist uns viel näher als wir ihm. Wenn uns das bewusst ist, wird unser Leben mit viel mehr Optimismus erfüllt sein. Die Liebe und Zuneigung Gottes sind das ganze Jahr über mit uns und können unser Leben formen.
An der Schwelle zum neuen Jahr sollte uns auch bewusst werden, dass wir Gott mit mehr Ehrfurcht begegnen sollen, denn seine Größe übersteigt unsere Erwartungen und Vorstellungen. Da brauchen wir nur das Weihnachtsgeschehen zu betrachten. Der unsichtbare Gott wurde im Kind von Bethlehem sichtbar, der absolut unerreichbare Gott wurde im Kind erreichbar. Er, der reich war, wurde arm, denn er wurde in einem Stall geboren, ohne Strom und Heizung. Obwohl er mächtig war, wurde er schwach und ganz auf die Menschen angewiesen. In uns sind oft gegenteilige Tendenzen spürbar – wir träumen vom Reichwerden. Wir sehnen uns nicht danach, arm und schwach zu werden. Gott hat uns in seinem menschgewordenen Sohn das Gegenteil gezeigt.
Eine Frau erzählte von ihrem Mann: „Mein Mann ist so optimistisch, dass er mich manchmal aus dem Konzept bringt.“ Es ist vollkommen egal, ob es ihm gut oder schlecht geht. Manchmal kam mir schon der Gedanke, dass wir zwei nicht in verschiedenen Welten leben. Eines Tages waren wir beim Fischen und alles lief schief. Nach drei Stunden hatten wir noch immer nichts gefangen. Was sagte mein Mann dazu? „Anna, jetzt wissen wir endlich, wo es keinen Fisch gibt!“ Also, wie zuvor besprochen, war sein Optimismus unerschöpflich, was er auch tat.
Für das neue Jahr brauchen wir natürlich auch eine Portion Optimismus. Aber dieser Optimismus sollte darin begründet liegen, dass Gott mit uns ist und uns liebt. Das soll der Grund unserer Hoffnung sein. Wir sollten alle dankbar dafür sein, dass wir so vieles, was wir für das tägliche Leben brauchen, einfach in einem Geschäft kaufen können, aber noch dankbarer dafür sein, dass wir all jene Werte haben, die wir nicht kaufen können, sondern ein Geschenk Gottes sind.
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