Palmsonntag A 2014, Mt 27,11-54.

In jedem Staat finden alle vier oder fünf Jahre Wahlen statt. Das kann eine Nationalratswahl, eine Präsidentenwahl, eine Regionalwahl, eine Europawahl oder irgendein Referendum sein. Einige freuen sich dann über ein erfolgreiches Ergebnis, andere wiederum sind betrübt, weil sie zu wenige Stimmen erhalten haben.

Wahlen gibt es nicht nur heutzutage. Auch zur Zeit Jesu wurde abgestimmt. Das war zum Beispiel am Hofe des Pilatus so. Dort fand sozusagen eine Art Volksabstimmung statt. Pilatus gab dem Volk die Möglichkeit, zwischen Jesus und Barabbas zu wählen. Die Überraschung über den Wahlausgang war groß: Die Wahl fiel auf den Übeltäter Barabbas. Jesus aber sollte gekreuzigt werden. Das haben wir ja ausführlich in der Leidensgeschichte gehört. Überraschend war jedoch, dass diese Entscheidung nicht von Heiden oder fremden Menschen getroffen wurde, sondern vom eigenen Volk. Das waren jene Menschen, die jeden Samstag die Synagoge besuchten und Gott mit Psalmen und Hymnen lobten. Das Paradoxe ist, dass sie im Namen Gottes seinen Sohn – also Jesus – verurteilten. Der Einzige, der nicht überrascht war, war Gott selbst, denn er kennt die Herzen der Menschen. Er weiß, dass Menschen egoistisch, neidisch und zwiespältig sind. Doch Gott entschloss sich trotzdem dazu, seinen Sohn für die Menschen  am Kreuz zu opfern, denn die Liebe ist stärker als der Hass. Im Kreuz ist Heil, Hoffnung und Leben. Trotz dieser Verurteilung Jesu erkennen wir also den Triumph der Liebe Gottes zu uns Menschen. So können wir die Passionsgeschichte aus einer anderen Perspektive sehen.  Auch Gott hat gewählt und sich für uns entschieden – für dich und mich. Das zeigt uns das Kreuz – Jesus ist für uns gekreuzigt worden. Auch wir stehen jeden Tag vor einer Wahl – wir müssen uns immer wieder entscheiden für das Gute oder das Böse, für Liebe oder Hass, für Vergebung oder Zorn. Gott möge uns die Kraft schenken, immer jene Methode zu wählen, die seinem Willen entspricht und die uns sein Sohn Jesus vorgelebt hat. Danke, dass du uns deine Stimme gibst! Herr, auch unsere Stimme möge dir gehören!

Dieser Beitrag wurde unter Sonntagpredigt veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.