Karfreitag 2014

Jetzt haben wir die Passionsgeschichte gehört. Wir spüren, dass das was Kajaphas, Hannas und Pilatus mit Jesus machten wirklich niederträchtig war. Er musste dafür mit seinem Leben bezahlen. Es war ein großes Vergehen, doch sie waren überzeugt, dass sie  im Einklang mit Gesetz und Vorschriften handeln. Wie war die Einstellung Jesu dazu? Jesus verzieh seinen Feinden, er war  ganz anders als jeder andere Mensch. Um sein Ziel zu erreichen braucht Gott nicht das Böse, also die Rache. Jesus verzichtete darauf, Böses mit Bösem zu vergelten. Das ist die höchste Geste der Liebe. Im menschlichen Leben gibt es Konflikte, Unrecht und Ungerechtigkeit, aber es ist nicht immer leicht alles mit Liebe zu ertragen und gute Lösungen zu finden. Gott möge uns immer die Kraft geben, auf Vergeltung zu verzichten.

Ich möchte euch von einer Schriftstellerin erzählen, die eine sehr unruhige Kindheit hatte. Im jugendlichen Alter hat sie oft mit ihrer Mutter gestritten, weil diese sie ständig kritisierte. Eines Tages sagte sie zu ihrer Mutter: „Ich hasse dich, am liebsten würde ich sterben.“ Die Mutter antwortete: „Du kannst gehen,  ich bin nicht mehr deine Mutter.“  Die Tochter hat geschworen, der Mutter das niemals mehr zu vergeben. Als sie dann eine gute Schriftstellerin geworden war und schon 46 Jahre alt war, klingelte in ihrem Arbeitszimmer das Telefon. Zu ihrer großen Überraschung war es ihre Mutter, die angerufen hatte. Sie erzählte, dass sie an Alzheimer erkrankt sei. Die Tochter war bestürzt, denn sie hatte ja viele Jahre nicht mit ihrer Mutter gesprochen. Da sagte die Mutter: „Ich kann mich nicht erinnern, was ich alles gemacht habe, aber eines weiß ich, ich habe dich sehr verletzt.“ Die Tochter antwortete: „Beunruhige dich nicht nicht, das war doch halb so schlimm!“ Aber die Mutter meinte: „Ich machte schreckliche Sachen, aber ich kann mich nicht mehr erinnern. Aber ich hoffe, du schaffst es, alles Unangenehme von damals zu vergessen. Ich habe auch alles vergessen.“ Die Tochter war gerührt und sagte: „Quäle dich nicht, es ist alles in Ordnung!“ Als das Telefonat beendet war, begann sie zu weinen. Sechs Monate später starb die Mutter. Die Worte der Mutter damals am Telefon waren für sie die beste Arznei. Die Mutter  hatte zwar alles vergessen, weil sie Alzheimer hatte, sie aber hatte alles vergessen aus Liebe wie Christus. 

Christus verzieh seinen Peinigern aus Liebe. Wir Christen sollen uns auch hier ein Beispiel an ihm nehmen.

   

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