25.Sonntag A Mt 20,1-16
Einleitung
In der chassidischen Weisheit im jüdischen Buch Rabba findet man einen Witz von einem König, der Wächter in seinem Weinberg brauchte. Unter den sich beworbenen Wächtern waren einige Alkoholiker und einige Abstinente. Nach Beendigung der Arbeit bezahlte der König den Alkoholiker zweimal so viel aus als den Abstinenten. Selbstverständlich beklagten sich die Abstinenten und nörgelten. Der König erklärte sein Tun so: Die Alkoholiker mussten den Weinberg bewachen und gleichzeitig auf Alkohol verzichten. Das sind zwei Leistungen. Die Abstinenten brachten nur eine Leistung. Darum bekamen die Alkoholiker zweimal so viel. Diese Erzählung zeigt, dass die Wahrheit relativ sein kann.
Predigt
Sicherlich scheint es uns so, als ob das heutige Evangelium ungerecht sei. Die Auszahlung für die geleistete Arbeit sollte doch gerecht abgegolten werden. Das ist doch logisch. Aber wir können sehen, dass in dieser Welt viel Ungerechtigkeit vorliegt. Viele Menschen arbeiten hart, treu und verantwortlich, und verdienen dafür wenig. Andere Menschen wiederum verdienen viel ohne erheblichen Aufwand.
Es muss uns aber klar sein, dass Jesus mit diesem Gleichnis nicht von gerechtem und ungerechtem Lohn erzählen wollte. Er dachte an etwas anderes. Er wollte die Vorstellungen der Menschen seiner Zeit von Gott ändern. Die Menschen stellten sich Gott vor wie einen Herrn, der sie für ihre Arbeit dementsprechend belohnt. Sie legten konkrete Regeln fest, was man essen darf und was nicht, wie viel man opfern muss und in die Tempelkasse geben soll, und was am Sabbat erlaubt ist. Wer diese Vorschriften befolgte, war vor Gott gerecht und Gott musste ihn dafür belohnen. Jesus aber sagt, dass uns Gott nicht nach unseren geleisteten Stunden bewertet, sondern wir ihm viermal, zehnmal, hundertmal mehr wert sind, als wir verdienen.
Das ist der Hauptgedanke des heutigen Evangeliums. Gott ist zu uns unbegreiflich gut. Und etwas Gutes soll uns wie ein Magnet anziehen. Auch gute Menschen wirken anziehend auf uns. Ein ungläubiger Mensch meint allerdings, Gott sei böse und grausam. Wenn er zum Beispiel von der Hölle hört, fragt er sich: Wie kann Gott so grausam sein? Wir können ja tatsächlich im Evangelium nach Matthäus lesen: „Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.“ Wie können wir diese Worte verstehen?
Ein Mensch hier auf der Erde lehnt Gott ab und sagt: Ich brauche dich nicht; ich kann ohne dich leben. Doch in der Ewigkeit wird er die Schönheit und Güte Gottes einmal erkennen und sich danach sehnen, aber dann ist es zu spät. Ein unlöschbares Feuer der Sehnsucht wird ihn brennen, und er wird mit den Zähnen knirschen über seine Torheit. Wenn dieser Mensch im irdischen Leben schon die Güte und die Anziehungskraft Gottes erkannt hätte, müsste er in der Ewigkeit nicht leiden.
Während der Verfolgung der Christen in vom Kommunismus beherrschten Ländern wurden die Pforten der Klöster geöffnet und die Ordensschwestern aufgefordert, in die Welt zu gehen, wo auf sie ein angenehmes Leben wartet. Die Ordensschwestern verließen die Klöster jedoch nicht und wurden deshalb gewaltsam in Arbeitslager gebracht. Mehrere starben als Märtyrerinnen. Diese Frauen erkannten Gottes Güte und Anziehungskraft und deshalb konnte sie niemand von Gott trennen.
Diese Erfahrung machte auch der heilige Paulus, wenn er im Römerbrief schreibt: „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not, Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder der Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“
Werden wir uns dessen bewusst, dass Gott unendlich gut ist, und lassen wir uns von ihm berühren? Er will uns alle bei sich haben. Er bietet allen dieselbe Belohnung an: den Himmel. Wenn jemand von uns noch nicht in seinem Dienst ist, dann lassen wir uns von ihm ansprechen. Bemühen wir uns, etwas für unser Heil zu tun, denn die Belohnung, die uns dafür erwartet, ist unvorstellbar!
Dieser Beitrag wurde unter
Sonntagpredigt veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den
Permalink.