1. Adventsonntag B Mk 13,24-37
Einleitung
Mit dem heutigen Sonntag beginnen wir ein neues liturgisches Jahr. Ein liturgisches Jahr dauert so lange wie ein Kalenderjahr. Der Unterschied ist aber, dass das liturgische oder kirchliche Jahr Ende November oder Anfang Dezember beginnt und das Kalenderjahr mit dem 1. Jänner. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass das Kirchenjahr andere Wertigkeiten umfasst. Es veranschaulicht die Geschichte der Beziehung zwischen Gott und den Menschen. Man nennt das die Heilsgeschichte. Ein Kirchenjahr ist so eingeteilt, dass die einzelnen biblischen Ereignisse in ihrer Schönheit und Bedeutung zur Geltung kommen, anders gesagt, dass die Ereignisse der Heilsgeschichte für uns verständlich und fassbar sind. Das kirchliche Jahr beginnt mit der Adventszeit. Jesus ruft uns zu Beginn der Adventszeit zur Wachsamkeit auf.
Predigt
Christliche Wachsamkeit bedeutet, sich auf die Ankunft des Herrn vorzubereiten und ihn in unser Leben eintreten zu lassen. Jesus macht uns im Evangelium darauf aufmerksam, dass er unerwartet kommt und uns anschließend mit seiner plötzlichen Gegenwart erfüllt. Christus in unser Leben aufzunehmen bedeutet, eine neue Qualität zu gewinnen. Es ist nicht genug, Christus nur zu kennen und gelegentlich an den Feierlichkeiten der Kirche teilzunehmen. Unsere Beziehung zu Christus muss im Umfeld, in dem wir leben, gelebt werden. Es geht ganz besonders darum, dass Christus in unser Leben eintreten kann und wir ihm erlauben, es zu führen und zu leiten.
Diese Aufforderung, Christus in unser Leben einzubeziehen, ist in der heutigen Zeit nicht so einfach, denn vielen ist der Glaube gleichgültig geworden. Viele bemühen sich nicht mehr, mit Jesus in Beziehung zu treten. Die Herzen sind voller Sorgen um die Bedürfnisse des Lebens. Unterhaltung und Vergnügen sind entscheidender geworden. Manche Menschen verhalten sich so, wie es im Matthäusevangelium, Kapitel 24,38–39, heißt: „Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein.“
Leider erkennen heutzutage viele Menschen nicht die Zeichen der Zeit, die ernsthaft darauf hinweisen, dass ein sündhaftes Leben ihr Untergang sein kann. Sie geraten in eine Flut, die zum Untergang führt. Diese Menschen sind sehr wachsam, wenn es um ihre körperlichen Bedürfnisse geht; dafür bringen sie sogar große Opfer. Aber wenn es um geistliche Werte, um ihren Glauben, um die Wahrheit geht, herrscht Gleichgültigkeit.
Warum ist das so? Dazu ein Beispiel: Vor 25 Jahren fand in mehreren sozialistischen Ländern eine „sanfte“ Revolution statt. Hunderttausende von Menschen gingen auf die Straßen, um zu protestieren, und verlangten das Ende des Regimes, das ja wirklich nicht gerecht wurde. Zu dieser Zeit schien es auch so, als ginge es den Menschen um geistliche Werte. Václav Havel, der damalige Präsident der Tschechoslowakei, hat das so wunderbar geäußert. Er sagte: „Die Wahrheit und Liebe müssen siegen.“ In manchen sozialistischen Ländern änderte sich durch diese Revolution vieles an einem guten und aufrichtigen Denken. Aber später sind dann wieder Pragmatiker an die Macht gekommen und materielle Werte wurden für die Menschen vorrangiger. Die geistlichen Werte wurden wieder zur Seite geschoben und an Bedeutung verloren. In den Menschen wurde die Sehnsucht nach Reichtum geweckt. Reich zu werden, ist an und für sich nichts Sündhaftes, wenn der Mensch ehrlich arbeitet und die Gesetze befolgt. Aber die Wirklichkeit war anders. Tausende Menschen sind durch Betrug reich geworden. Durch Investitionsfonds wurden Hunderttausende von Menschen um ihre Ersparnisse gebracht. Die Menschen, die diese Fonds leiteten, logen und die Menschen, die ihr Vertrauen in diese Fonds setzten, ließen sich belügen. Damit ist nicht gesagt, dass alle Menschen Betrüger waren; es gab durchaus viele Unternehmen, die ehrlich arbeiteten. Allerdings waren die Sorgen um ihre Firma, um ihr Geschäft, so groß, dass sie ihnen viel Zeit und Kraft abverlangten und ihnen für die geistlichen Werte keine Zeit mehr blieb.
Vor allem den jungen Menschen, die in der heutigen Welt leben, werden so viele Möglichkeiten angeboten, dass das Christentum für sie nicht mehr attraktiv ist. Sie leben in Wahrheit in einer sehr schwierigen Zeit. Jesus hat einmal gesagt: „Ihr könnt nicht zwei Herren dienen!“ Wenn Menschen zu sehr von materiellen Dingen begeistert und eingenommen sind und diese als das Wichtigste empfinden, werden sie nicht auf Christus warten.
Aber es ist nie zu spät. Ich denke dabei an den heiligen Augustinus. Er lebte viele Jahre in Sünde, und obwohl seine Mutter eine Christin war und heiligmäßig lebte, hatte Augustinus kein Interesse an dieser Religion. Dann berührte ihn Gottes Gnade, und er bekehrte sich. Man sollte also niemals die Hoffnung verlieren.
Machen wir den Menschen immer wieder bewusst, dass ihnen nur die christlichen Werte ein dauerhaftes Glück bringen können! Das ist notwendig, sonst habe ich Angst, dass die Menschen zu wenig wachsam sind, und dann ist es zu spät!
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