6. Sonntag im Jahreskreis B, Mk 1,40-45

Einleitung
Sie wissen vermutlich, dass das Wort „Evangelium” vom griechischen Ausdruck „euangelion” abstammt und „Frohe Botschaft” bedeutet. Wir können uns daher fragen: „Um welche frohe Botschaft handelt es sich?” und „Welche frohe Botschaft enthält das heutige Evangelium für unser Leben?” Die Antwort darauf finden wir, wenn wir gemeinsam über das heutige Evangelium nachdenken.

Predigt

Jesus heilte einen Aussätzigen. Er sagte zu ihm: „Ich will es – werde rein!” Und augenblicklich verschwand die Leprakrankheit.   Lepra ist eine schreckliche Krankheit. Sie ist ein Aussatz mit vielschichtigen und vielfältigen Symptomen. Erste Anzeichen sind ein Taubheitsgefühl in Fingern oder Füßen sowie angeschwollene Nervenstränge. Dann können weiße Flecken am ganzen Körper des Menschen bemerkt werden. Solche Menschen kamen zu den Priestern und warteten auf die Diagnose. Stellte ein Priester fest, dass ein Mensch Aussatz hatte, wurde dieser aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Das bedeutete, dass er sein Haus und seine Familie verlassen und alleine wohnen musste. Wenn er jemandem begegnete, musste er laut „Ich bin unrein” rufen, damit ihm niemand zu nahe kam und sich ansteckte. Die Krankheit wurde immer verheerender, denn der Mensch verlor an Schultern, Rücken und Beinen Haut und Fleisch, sodass er wie ein lebendiges Skelett aussah. Schließlich starb dieser Mensch einsam, ohne Frau und Kinder. Zu einem solchen Menschen sagte Jesus: „Ich will es – werde rein!” Durch dieses Wort wurde der unglückliche Mensch geheilt und Freude kehrte in sein Leben ein. Er konnte zu seiner Familie zurückkehren.
Dieses Wort Jesu ist auch eine Aufforderung an uns. Auch wir sollen durch dieses Wort heil werden und uns freuen. Es gibt viele Menschen um uns herum, die krank sind und leiden, die Hunger haben, denen die Liebe fehlt, die keine Freunde haben, die einsam, verlassen und traurig sind. Es gibt auch Menschen, die in Streit leben oder ständig mit ihrem Leben hadern. In solchen Situationen ist es gut, als Christ zu handeln. Doch wie kann ich das? Da ist das Gebet notwendig, aber nicht nur das: Wir sind auch zum Dienst an unseren Nächsten verpflichtet, zu Werken der Liebe. Der Apostel Jakobus schreibt: „Glaube ohne Taten ist tot.” Daher sollte unser Motto lauten: „Ich will helfen, ich will Freude bringen.” Dazu möchte ich euch ermutigen.

Eine solche Ermutigung zeigt auch der slowakische Film „Ein Tisch für vierzehn”. Er handelt von Kindern in einem Kinderheim, die böse, faul und ungehorsam sind. Sie schlagen sich gegenseitig und grüßen niemanden. Besonders die älteste von ihnen, Magda, war die frechste und großmäuligste. Doch dann kam es nach einiger Zeit zu einer positiven Verwandlung. Wie war das geschehen? Das Kinderheim bekam neue Erzieher: ein Ehepaar namens Blazek. Sie hatten sich zum Ziel gesetzt, den Kindern Aufmerksamkeit, Freundlichkeit, Geduld und Liebe entgegenzubringen und so zu ihrem Glück beizutragen.  Die Kinder fanden Gefallen an den liebevollen Erziehern und wurden so von ihren anfänglichen Problemen befreit. Sie wurden zu lachenden, geduldigen und gehorsamen Kindern. Sie waren so glücklich, dass sogar ein Kind, dessen Vater es wieder nach Hause holen wollte, lieber im Heim bleiben wollte. Es sagte: „Ich bleibe hier, weil mich hier alle lieb haben.” Ähnlich erging es einer Tochter, die zu ihrer Mutter sagte: „Du hast mich nie so geliebt, wie ich hier geliebt werde.”

Ich glaube, daran erkennen wir jetzt, dass man durch Liebe jedes Übel heilen kann. Ist es nicht ein schöner Auftrag für uns, auch die Menschen in unserem Umfeld auf diese Weise zu heilen – nicht nur körperlich, sondern vor allem geistlich?   Bitten wir Jesus, der den Aussätzigen geheilt hat, dass er auch unsere Herzen mit Liebe erfüllt! Nur so werden wir fähig, auch anderen unsere Liebe zu schenken, sie zu heilen und unseren Nächsten Freude zu bringen!

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