3.Fastensonntag B Joh 2,13-25

Einleitung
Vieles kann missbraucht werden, sogar Heiliges.  Davon werden wir auch im heutigen Evangelium hören. Die Händler und Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben hatten den Tempel in eine Markthalle verwandelt und ihn so zur Quelle für ihr Einkommen gemacht. Was bedeutet die Kirche für mich? Was suche ich dort?
Predigt
Jesus kam nicht in die Welt, um zu befehlen und Verbote auszusprechen. Er verkündete die Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen. Im heutigen Evangelium aber trat er anders auf. Er war sehr ungehalten über die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben. Sie hielten sich im Tempel auf, um Geschäfte zu machen.  Da hieß es: „Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus.“
Vor dem Jerusalemer Tempel gab es einen Vorhof mit Verkaufsständen für die Pilger. Die Pilger kauften dort Opfertiere, um sie im Tempel zu opfern.  Es gab dort auch Geldwechsler, die den Menschen aus Ägypten, Syrien und anderen Ländern ihr Geld wechselten, denn die Tempelsteuer konnte nur mit jüdischem Geld beglichen werden.

Für die vielen aufrichtigen Gläubigen war der Tempel ein Ort des Gebets. Es gab dort aber auch oberflächliche und gleichgültige Menschen, denen der Tempel nichts bedeutete. Sie brachten ihr Opfer dar, zahlten die Steuern – und damit war für sie alles erledigt. Gott war ihnen egal. Sie fanden kein Wort des Lobes, kein Wort des Dankes und kein aufrichtiges Gebet für ihn. Jesus wollte ihnen mit seiner eher schroffen Haltung zeigen, dass die Liebe zählt, nicht das Geld. Geld ist für den Markt, vor Gott zählt das Herz.
Wo Liebe ist, zahlen Menschen für geleistete Dienste nichts. In der Familie verlangt die Mutter schließlich auch nicht jedes Mal 10 Euro, wenn sie für sie bügelt. Auch der Vater verlangt kein Geld, wenn er eine Glühlampe auswechselt, die Wasserleitung oder die Klinke repariert.  Jesus ging es um solche Einstellungen in Bezug auf Gott. Da sind Liebe und Dankbarkeit wichtig, Lob zählt. Es reicht nicht aus, den Tempel zu besuchen, man muss auch in seinem Herzen Platz für Gott haben. Jeder Kirchenbesuch soll unsere Beziehung zu Gott vertiefen.

Weil Jesus die Geldwechsler und Verkäufer aus dem Tempel vertrieben hatte, machte er sich Kajaphas und Hananias zu Feinden. Warum? Er brachte sie um ihre Erträge. Die Verkäufer und Geldwechsler mussten ihnen nämlich hohe Steuern abgeben. Kajaphas und Hananias waren fest davon überzeugt, dass ihre Beziehung zu Gott in Ordnung sei. Dass sie im Irrtum waren, wollten sie in keiner Weise zugeben.
Auch wir haben immer zwei Möglichkeiten, unsere Beziehung zu Gott zu leben – und es ist ganz egal, ob wir Laien oder Priester sind.
1. Unsere Beziehung kann eine persönliche und lebendige Beziehung zu Gott sein.     2. Unsere Beziehung ist nur zum Schein, nur nach außen hin, ohne persönliches Engagement.                                                                                                                                      Wenn wir keine persönliche Beziehung zu Gott haben, werden wir bald das Interesse an ihm verlieren.

Dazu ein Vergleich: Zwischen einem Haus und einem Daheim besteht ein großer Unterschied. Ein Haus besteht aus Mauern und ist mit Möbeln eingerichtet. Ein Daheim sind die Beziehungen, die das Leben mit sich bringt. Dazu gehören Eltern, die sich lieben und ihren Kindern Halt und Stütze geben.  In ein richtiges Daheim kommen alle immer wieder gerne. Es gibt perfekt eingerichtete Häuser, in denen das Daheim fehlt.  Es gibt bescheidene Häuser, in denen man sich wirklich daheim fühlt.                                              Diese Unterscheidung gibt es auch im religiösen Leben. Es gibt Menschen, die eine persönliche Beziehung zu Gott haben, die einen lebendigen Glauben haben, der ihrem Leben Geschmack gibt und es bereichert.   Es gibt allerdings auch eine andere Gruppe von Menschen, für die der Glaube nur Pflichterfüllung ist. Sie finden in der Religion nur ein Haus, aber kein Daheim.

Zum Schluss möchte ich Folgendes sagen: Jesus kam nicht in die Welt, um uns zu lehren, wie man ein erfolgreicher Unternehmer wird.  Er kam, um uns zu lehren, unser Leben in Liebe zu leben. Das müssen wir während unseres irdischen Lebens lernen. Gott hat uns dieses Leben geschenkt, damit wir immer Lernende im Hinblick auf Liebe sind.

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