3. Sonntag der Osterzeit B, Lk 24,35-48

Einleitung
Im heutigen Evangelium erfahren wir, dass die Apostel nicht sofort und ohne Probleme an die Auferstehung Jesu glaubten. Sie hatten Zweifel. Wenn wir heute viele Christen fragen, ob sie an die Auferstehung Jesu glauben, so antworten sie ohne zu zögern: „Na klar, freilich!“  Doch sie glauben nur theoretisch. Erst durch Leid und Prüfungen, die sie zu ertragen haben, erkennen wir, ob sie wirklich an Jesu Auferstehung glauben.
Predigt
Der berühmte französische Maler Pierre-Auguste Renoir, ein Vertreter des Impressionismus, der mehr als 6.000 Bilder malte, war aufgrund fortschreitender Arthritis fast gelähmt. Trotz seiner Krankheit malte er weiter. Einmal beobachtete sein Freund, dass er bei jedem Pinselstrich mit großen Schmerzen zu kämpfen hatte. Er fragte ihn: „Warum fragst du immer wieder, obwohl es dir große Schmerzen verursacht?”   Renoir antwortete: „Die Schönheit bleibt, der Schmerz wird vergessen.“ Der Schmerz in der Hand ist der Grund für eine schwierige Pinselführung. Aber der Maler stellte sich das fertige Bild vor und konzentrierte sich darauf. Er konzentriert sich nicht auf die Schmerzen – für ihn sind sie nur eine Begleiterscheinung. Vielleicht sind seine Bilder gerade wegen der Schmerzen so atemberaubend und kostbar geworden. Der Galeriebesucher betrachtet das Bild und denkt nicht an die Schmerzen des Malers.

Auch die Osterbotschaft ließe sich mit ähnlichen Worten zusammenfassen. Die Schönheit des Lebens bleibt, der Schmerz wird vergessen. Jesus malte nicht mit einem Pinsel, sondern mit Worten und Taten. Die Schönheit seines Lebens bleibt, seinen Schmerz und seine Kreuzigung vergisst man.
Nun zurück zum Evangelium: Als die Apostel den auferstandenen Jesus sahen, glaubten sie nicht, dass es wirklich Jesus sei. Sie meinten, das sei nur eine Illusion. Jesus forderte sie daher auf, ihn zu berühren. Er sagte: „Seht meine Hände und Füße an! Ich bin es selbst.” Fasst mich doch an und seht! Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es an mir seht!”  Erst dadurch erkannten die Apostel, dass Jesus wirklich vor ihnen stand.
Bis heute gibt es Menschen, die leugnen, dass Jesus wirklich auferstanden ist. Sie denken sich verschiedene Theorien aus. Sie wollen alles erklärt und bewiesen haben, auch wenn es sich um etwas Übernatürliches handelt. Auch die Apostel brauchten lange Zeit, um zu begreifen, warum Jesus leiden musste.
Nun zu uns: Das Leben erteilt uns Lektionen; wir leben mit Enttäuschungen, Misserfolgen, Krankheiten usw.   Über die Auferstehung zu meditieren bedeutet, sein Leben mit anderen Augen zu betrachten. Alles, was wir erleben, dient unserer Reifung. „Musste nicht der Messias all das erleiden und so in seine Herrlichkeit eintreten?” heißt es einige Verse vor dem heutigen Evangelium.   Auch wir können durch Leid und Prüfungen verändert werden.  Es ist notwendig, einen Sinn zu entdecken, wo alles sinnlos erscheint. Die Botschaft des Evangeliums bedeutet, auf die Verwandlung Jesu zu schauen und nicht nur auf seine Hände und Füße.   Es gibt auch Menschen, die sich auf Verwandlungen konzentrieren.

Dazu eine Begebenheit: Sally und Donald Goodrich, die in Bennington im Bundesstaat Vermont lebten, verloren am 11. September 2001 alles.   Ihr Sohn Peter kam – damals 33 Jahre alt – ums Leben, als das Flugzeug in das World Trade Center in New York stieß. Diese Tragödie veränderte ihr Leben. Die Frau begann zu trinken und erkrankte später an Krebs. Sie dachte sogar daran, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Sie schrieb: „Es hat alles keinen Sinn mehr.“ Drei Jahre später erhielt sie einen Brief von einem Freund ihres verstorbenen Sohnes.  Er schrieb aus Afghanistan, wo er als Soldat diente, und berichtete, wie dringend Kinder dort Schulsachen benötigen. Da trat eine Veränderung im Leben des Ehepaares ein. Sie begriffen, dass man gegen den Terrorismus nur mit erstklassiger Bildung eine Chance hat. Sie schickten daher Schulsachen an eine Schule in Afghanistan. Später gründeten sie sogar eine Stiftung zu Ehren von Peter Goodrich. In der Nähe von Kabul errichteten sie schließlich eine Schule für 500 Mädchen. Um sich zu vergewissern, dass alles mit dieser Schule funktionierte, reisten sie selbst nach Afghanistan. Die Situation dort war alles andere als leicht. Die Terroristen drohten den Mädchen und ihren Eltern. Die Mädchen riskierten also sehr viel, wenn sie diese Schule besuchten. Das Ehepaar besuchte alle Klassen, plauderte mit den Lehrerinnen und der Direktorin über das Studienprogramm und fragte die Mädchen, was sie über die Schule dachten. Bei der Abreise schenkte ein Mädchen der Frau ein muslimisches Tuch, eine Burka. Im Wind flatterte das Tuch und sah aus, als hätte es Flügel. Genau das wollten sie den Mädchen geben: Flügel als Symbol der Hoffnung. Die Frau sagte: „Wir helfen den Kindern, und dadurch hat unser Leben wieder einen Sinn bekommen. Unsere Verletzung wurde zu einer Verwandlung. Durch den Tod unseres Sohnes haben wir einen neuen Blick auf das Leben gewonnen und verstanden, was ihm Sinn gibt. “
Wir wollen Jesus, dem Auferstandenen, danken, dass er in unsere Wunden kommt, sie heilt und damit unserem Leben Sinn gibt. Wenn er in uns lebt, können wir alle Schwierigkeiten überwinden.

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