Pfingsten B Joh 20, 19- 23.

Einleitung
Vor 2000 Jahren sagte Jesus den Satz: „Empfangt  den Heiligen Geist!”  Das bedeutet: „Empfangt die Kraft, die im Innern wirkt. Sie ändert euren Blick und eure Einstellungen – von der Eigensucht zur Liebe, von der Äußerlichkeit zur tiefen Erkenntnis, von der Lauheit zum Sinn des Lebens.“ Der Heilige Geist ist die Kraft, die den Menschen verwandelt. Bemühen wir uns, damit diese Kraft in unserem Leben wirken kann.
Predigt

Petrus, Andreas, Johannes, Jakobus und die anderen Jünger sind mit Jesus gegangen, haben mit ihm gegessen und ihn berührt. Wenn Jesus etwas erzählte, staunten sie über seine Weisheit. Sie sahen, wie Jesus sich gegenüber den Armen und Kranken verhielt. Wenn sie ohne Jesus waren, dachten sie über ihn nach, doch ihre Gedanken waren eher planlos und ziellos. Dann aber kam der Heilige Geist auf die Apostel herab. Dadurch wurden die Apostel neue Menschen. Sie wurden verwandelt, nicht durch ihr eigenes Zutun, auch nicht, um Prüfungen in Jerusalem zu bestehen. Sie wurden neue Menschen, nicht weil sie selbst nach der Wahrheit suchten.  Sie wurden Verkündiger des Evangeliums, weil der Heilige Geist in ihnen wirkte. Das ist das Wesentliche. Der Heilige Geist hat sie verändert. Er hat sie umgestaltet.

Nur wer ein Gespür für Musik hat, kann Musik verstehen. Wenn mir Musik nichts bedeutet oder sagt, dann spricht sie mich nicht an. Wenn ich ein Gespür für Musik habe, dann bezaubert sie mich.
Wer Liebe in sich trägt, versteht, was es bedeutet, zu lieben. Wer keine Liebe in sich trägt, wird zwar schauen, aber nicht verstehen, was Liebe ist. Schon der antike Philosoph Plotin hat gesagt: „Wenn du kein Auge hättest, könntest du das Licht nicht sehen. Aber du siehst nicht nur, weil es die Sonne gibt, sondern weil du ein Auge hast, das dir das ermöglicht.“

Was ermöglicht es uns, an Gott zu glauben? Nicht nur, dass es Gott gibt, sondern auch, dass sein Geist in uns ist und uns das ermöglicht. Das macht uns fähig zu glauben. Warum gehen wir am Sonntag in die Kirche? Manche sagen: „Ich gehe in die Kirche, weil auch mein Großvater und mein Vater gegangen sind.” Andere sagen: „Ich habe gesundheitliche oder Beziehungsschwierigkeiten, daher muss ich um etwas bitten und gehe deshalb in die Kirche.” All diese Antworten sind vernünftig. Aber was uns wirklich bewegt, ist der Heilige Geist. Wenn man den Heiligen Geist nicht in sich trägt, würde man vielleicht anderswo hingehen. Es könnte der Geist des Sports sein, der uns anregt, auf den Sportplatz zu gehen. Es könnte der Geist des Besitzes sein, der uns anregt, bei Eurospar einzukaufen. Wenn aber der Heilige Geist in uns ist, dann suchen wir nach etwas Spirituellem. Der Heilige Geist ist es auch, der uns mit Freude und Ruhe beschenkt. Er gibt uns auch die Fähigkeit, eine bessere Welt zu erschaffen.

Zur Illustration nun ein Beispiel über einen Pianisten: Der Ungar Andor Foldes war schon im Alter von 16 Jahren ein ausgezeichneter Pianist. Dann hatte er aber mit einer persönlichen Krise zu kämpfen. Als der berühmte deutsche Pianist Emil von Sauer nach Budapest kam, erreichte seine Krise den Höhepunkt. Dieser war bekannt –  nicht nur durch seine große Begabung –  sondern auch dadurch, dass er der letzte Schüler des großen ungarischen Pianisten Franz Liszt war. Sauer ersuchte Foldes, ihm etwas auf dem Klavier vorzuspielen. Der 16-jährige Foldes spielte ganz bravourös eine schwere Komposition von Bach, dann noch von Beethoven und Schumann. Als er geendet hatte, kam Sauer auf ihn zu, küsste ihn auf die Stirn und sagte zu ihm: „Mein Sohn, als ich so alt war wie du, war ich Schüler von Franz Liszt. Nach der ersten Stunde hat er mich auf die Stirn geküsst und sagte zu mir: Denk an diesen Kuss. Er ist von Beethoven, den er mir gegeben hat, als er mich spielen hörte. Ich wartete viele Jahre, bis ich ihn weitergeben konnte. Jetzt spürte ich, dass er dir gehört.“ Durch diesen Kuss gab also der ältere Künstler dem jüngeren Künstler zu verstehen: „Du hast Talent, mach etwas daraus, entwickle es weiter!“

Vor 2000 Jahren gab Jesus seinen Aposteln „sinnbildlich gesagt” einen Kuss, damit sie den Heiligen Geist in sich haben. In der Kraft dieses Geistes konnten die Apostel wirken. Das gilt für uns alle. Auch uns wurde der Heilige Geist gegeben. Ob wir den Heiligen Geist wirken lassen, um zu einer schöneren und besseren Welt beizutragen, hängt von uns ab.

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