12. Sonntag im Jahreskreis: Mk 4,35-41.

Einführung.

Es gibt zwei Arten von Gewittern – ein Gewitter in der Natur und ein „Gewitter“ im menschlichen Leben. Ein Gewitter kann die Natur zerstören; es verursacht Schaden.   Ein Gewitter im menschlichen Leben kann eine Krankheit, ein Unrecht oder eine Gewissenlosigkeit sein. In einer solchen Situation flehen wir  Gott an, damit er uns hilft. Wir fragen manchmal: „Gott, wo bist du?“

Predigt

Im heutigen Evangelium geraten die Apostel in ein heftiges Gewitter. Die Kraft der Naturgewalten kann ja enorm sein. Zu jener Zeit wurde der See auch als Wohnung  der Dämonen gehalten und ein Gewitter bedeutete die Oberherrschaft des Bösen. Gegen ein Gewitter waren die Apostel machtlos. Aber sie kannten den Psalm 107, in dem es heißt: „Er machte aus dem Sturm ein Säuseln, sodass die Wogen des Meeres schwiegen!“ Außerdem erinnerten sie sich  an den Gang Jesu über den See. Damals sahen sie, dass  die Macht Gottes größer ist als die der Naturgewalten. Es gibt also jemanden, der stärker ist als die Naturgewalten. Das ist Gott. Für die Menschen sind die Naturgewalten wie z.B. ein Erdbeben jedoch unbeherrschbar. Auf dem Schiff im heutigen Evangelium fragten sich die Apostel: „Was ist  das für ein Mensch , dass ihm sogar der Wind  und der See gehorchen?“

Der amerikanische  Theologe und Psychologe Norman Vincent Peale schrieb einmal: „Ich weiß nicht, worüber ich mehr staunen soll – darüber, dass Jesus mit dem Ausstrecken seiner Hand das Meer beruhigte, also ein Wunder wirkte – oder darüber, was in den Seelen der Apostel geschehen ist. Die Apostel haben aus diesem Wunder begriffen, dass Jesus wirklich Gottes Sohn ist.“

Die Worte Jesu: „Schweig, sei still“ –  sagen auch uns viel. Der Mensch kann in ein Gewitter des Lebens geraten, wenn er sagt: Das ist  das Ende. Ich habe keine Hoffnung. Ich bin ganz ratlos. Oder er kann sagen: „Gott, komm mir zur Hilfe!“ Schenke mir deinen Frieden! Komm hier ins Schiff meines Lebens! Dir übergebe ich meine Probleme! Unsere Aufgabe ist es, Gott in unser Leben einzuladen. In jedem von uns sind Elemente, die wir nicht beherrschen. Wenn wir Gott unsere Situation übergeben, haben wir  Erfolg. Gott wird in uns beherrschen, was ich nicht beherschen können, was ich nicht bewältigen können. Wir leben anders, wenn Jesus auf dem Schiff unseres Lebens nicht anwesend ist –  und wir lenken das Schiff sicher in den Hafen, mit Jesus Christus an der Seite. Das ist die Wahrheit.

Noch eine Geschichte: Ein Kind namens Maria kam in ein Waisenhaus. Sie sprach die diensthabende Schwester mit MAMA an. Diese erwiderte: „Hier gibt es keine Mutter.“ Und schließlich erlebte sie in diesem Waisenhaus schwierige Zeiten, unterbrochen von Schlägen und Strafen. Dagegen rebellierte sie und entschloss sich, abzuhauen. Die Polizei schnappte sie ab und brachte sie in eine Erziehungsanstalt. Das war ein kleines Gefängnis mit Aufsehern und Gittern. Nach diesem Aufenthalt machte sie sich auf den Weg nach Paris. Dort schlief man nachts auf einer Parkbank. Als sie in der Nacht erwachte, näherten sich ihr einige Männer und sie schloss sich ihnen an. Diese benützten sie als  Köder für Vertragsabschlüsse mit wichtigen Geschäftsmännern. Sie ist dann viel gereist, hat gut verdient, aber war alles andere als tugendhaft. Sie verliebte sich in Marcel, der dann jedoch bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam. Dann verliebte sie sich in einen sizilianischen Mafioso. Bei ihm hat sie Angst, Grobheit und Gewalt kennengelernt. Er hat sie sogar manchmal geschlagen. Eines Nachts ist sie dann geflohen und sich versteckt. Sie suchte eine Unterkunft für Obdachlose auf und erfuhr dort von einer Gemeinschaft der Seligpreisungen. Sie ging dorthin und ein vornehmer Herr sorgte für sie. Sie, die bis jetzt nur Gewalt, Begierde und Verurteilung gekannt hat, stellte fest, dass es auch jemanden gibt, der auf sie ohne Begierde schaut. Man kann sich vorstellen, was das für sie bedeutet hat. Das Zutrauen, das sie dort erfuhr, hat sie zu tief ergriffen. Sie lernte dort auch die eucharistische Anbetung kennen. Sie schaute auf die weiße Hostie vor ihr und hatte dann den Eindruck, ihre Seele sei ganz schwarz. Zu einem Mitglied der Gemeinschaft sagt sie: „Jesus wird viel Arbeit mit mir haben, bis ich so weiß werde wie er.“ Sie bekehrte sich allmählich. Es war nicht einfach, aber heute weiß sie, wo die Wahrheit ist. Man kann also sagen: Das Leben ist wie der Sturm auf dem See.  Maria war zwar gescheitert, aber als Jesus in ihr Leben trat, hat sich alles verändert. Durch den Glauben bekam ihr Leben Sinn.

Jesus, verlass uns nicht, auch wenn uns Angst und Zweifel heimsuchen. Zeige uns, dass du das beherrschst, was wir nicht beherrschen, wenn wir dir Platz in unserem Leben geben!