15. Sonntag B 2015 Mk 6,7-13

Einführung

Das Evangelium erwähnt, dass Jesus seine Jünger in die Welt sandte. Er  gab ihnen Macht über die unreinen  Geister. Er  gebot ihnen aber auch, außer  einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen –  kein  Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel. Die Apostel sollten davon überzeugt werden, dass Gottes Macht mit ihnen ist, auch wenn sie von Jesus entfernt sind.

Predigt

Auch zur Zeit Jesu– gab es in der Welt viel Böses. Jesus sandte seine Jünger in die Welt, um das Böse zu vertreiben. Aber er lehrte seine Jünger: „Ihr könnt gegen das Böse nicht mit der Macht von Politikern, Kaisern oder Eroberern kämpfen. Auf diese Weise werdet ihr gegen die Macht des Bösen in der Welt nichts  ausrichten. Die Macht der Politiker, Kaiser und Eroberer wird euch hier nicht helfen. Gegen das Böse müsst ihr  mit  anderer Macht kämpfen – mit Gottes Macht, mit der Macht der Liebe, weil die Macht der Liebe die Macht des Bösen in der Welt übersteigt.  Bemüht euch,  in die Welt zu gehen!“

Die Apostel erfuhren also, dass diese Einstellung ihnen Erfolg brachte. Sie begriffen, dass Jesu Methode des Kampfes gegen das Böse viel effektiver ist als die menschlichen  Versuchungen. Daher sind  auch jene Worte Jesu wichtig: Und nehmt„  keine Vorratstasche mit auf dem Weg, kein zweites Hemd, keine  Schuhe, keinen Wanderstab.“ Auf den ersten Blick sieht das aus, als wäre es verboten, Autos, Internet, Rundfunk und andere  Massenmedien zu verwenden. Aber die Bedeutung der griechischen Originalwörter,  mit denen das Evangelium geschrieben wurde, ist: „Geht in die Welt, frei und unbelastet! Stützt euch auf die Macht Gottes, die Kraft der Liebe! Verlasst euch nicht auf die Macht, die von Geld, Organisation usw. stammt. stammt, sondern verlasst euch auf die Macht Gottes!“

Es ist auch interessant, dass Jesus  seine Apostel  zu zweit aussandte. Daraus kann man die Kraft der gegenseitigen Beziehung sehen. Die Apostel sollten die Botschaft des Heiles in gegenseitig gelebter Liebe übermitteln. Wenn sie in Liebe  die Anwesenheit Gottes offenbaren, so sind das die Heilmittel gegen die Enttäuschungen, mit denen man sich in der Welt auseinandersetzen muss.

Die Hauptaufgabe der Jünger auf diesem Weg war die Verkündigung der frohen Botschaft von Jesus. Heilungen wurden als etwas Zweitrangiges betrachtet. Also wesentlich war zuerst die Verkündigung der ,,guten Nachricht“ – die Zuneigung Gottes zum Menschen.

Das heutige Evangelium soll jeden von uns, der getauft ist, berühren – und wir alle sind zum Apostolat in unserem Umfeld berufen. Wir müssen nicht Missionare in Afrika oder in Asien sein, sondern dort,  wo wir leben und arbeiten. Das Apostolat – die Vermittlung  ,,der guten Botschaft“ bedeutet, dass wir dazu nicht die Macht der Gewalt verwenden sollen, sondern die Macht Jesu, die Macht der Liebe.

Über ein solches Apostolat kann man aus einer Geschichte erfahren, die Hal Manwaring  erzählt: „Ich war sehr glücklich. Mit meiner Frau erzog ich zwei schöne Töchter. Ich hatte Arbeit; ich strotzte vor Gesundheit, ich widmete mich dem Sport. Plötzlich aber kam eine Krankheit auf mich zu. Ich musste mit Krücken gehen.  Ich kämpfte mit mir selbst. Es wurde schwierig, nur ein paar Stufen zu bewältigen.  Auch mein Auto wurde  zu einem   Invalidenfahrzeug umfunktioniert.   Einmal im August fuhr ich mit meinem  Auto nach Hause. Es regnete sehr stark. Plötzlich entglitt mir das Lenkrad. Das Auto scherte nach rechts aus. Ich hatte eine Reifenpanne. Einen Reifendefekt  zu korrigieren, ging über meine Kräfte hinaus. Ich hatte keine Hoffnung, dass bei einem solchem Wetter jemand anhalten würde. Ich erinnerte mich, dass nicht weit entfernt ein kleines Haus . Langsam und mühsam schleppte ich mich dorthin. Ich sagte,  dass ich eine Reifenpanne hätte und  jemanden bräuchte, der mir das Rad auswechselt, weil ich das nicht schaffte. Aus dem Haus kam ein Mädchen mit einem älteren Mann. Sie wechselten das Rad. Das Mädchen reichte dem Mann den Wagenheber und einen Schraubenschlüssel. Als sie die Arbeit beendet hatten, habe ich ihnen  Geld angeboten. Der ältere Mann hat das Geld  mit den Worten abgelehnt:  „Meine Enkelin hat mir gesagt, dass Sie ein Invalide sind. Wir halfen ihnen gern.“ Das Mädchen sagte mir auch, warum sie das Geld nicht annehmen wollen, denn ihr Großvater sei blind. Ich fühlte mich beschämt. Sie arbeiteten im Regen, und ich saß währenddessen in  Wärme und Trockenheit. Dann gingen die beiden weg. Ich habe lange im Auto gesessen und wurde mir dessen bewusst, dass ich oft in Selbstmitleid verfalle, egoistisch, gleichgültig und:una;htsam bin. Ich bat Gott demütig, er möge mir die Kraft geben, andere besser zu begreifen und auch zu glauben,  dass ich nur durch das Gebet meine Schwierigkeiten überwinden kann. Ich bat um den Segen für diesen alten Mann und seine Enkelin. Jetzt bemühe ich mich, nicht nur die Treppen in meinem Haus zu bewältigen, sondern auch den anderen ein wenig zu helfen.

Dieser alte Mann mit seiner Enkelin ist richtig in ihrem Apostolat. Für sie zählen  Taten der Liebe. Was hindert uns daran, Ähnliches zu tun? Wünscht das nicht auch Jesus? Jesus verzeihe uns, dass wir so oft blind und achtlos sind!  Gib uns die Kraft, Zeugen deines Evangeliums zu  sein! Mit dir haben wir die Macht über unsere Bequemlichkeit, über das Böse, über Ungerechtigkeit, über verschiedene Mängel! Deine Macht ist nicht die Macht der Gewalt, sondern die Kraft der Liebe. Für diese Macht standen wir dir dankbar unahtsam !

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