Ostermontag C Lk 24,13-35.

Liebe Brüder und Schwestern,
wie gestern haben wir auch heute die Möglichkeit, zu hören, dass die Ersten, die Christus trafen, Frauen waren. Gestern war es Maria Magdalena. Heute hören wir von mehreren Frauen, die sich mit Christus trafen. Jesus gab ihnen die Aufforderung, zu den Jüngern zu gehen und ihnen mitzuteilen, dass sie ihn in Galiläa sehen werden. Warum sahen die Frauen Christus als Erste und nicht die Apostel?
Predigt.
Die Apostel verbrachten drei Jahre mit Jesus. Drei Jahre lang lehrte Jesus sie und vollbrachte Wunder vor ihren Augen. Nach unserer Überlegung glaubten wir, dass die Apostel ein größeres Recht hatten, Jesus als Erster zu begegnen. Aus dem Titel ihrer Sendung. Und doch war es nicht so. Hatten die Frauen vielleicht eine größere Liebe zu Jesus als die Apostel? Worin liegt die Ursache dafür, dass die Frauen als Erste Christus begegneten? Liebe äußert sich auch durch Bewegung und Aktivität. Wir sehen, dass die Frauen aktiver waren als die Apostel. Sie standen am Morgen auf und gingen zum Grab, in dem Jesus beigesetzt worden war. Sie liebten ihn sehr, aber sie wussten auch, dass der Liebe Taten folgen sollten. Die Apostel bewegten sich erst, als die Frauen ihnen mitteilten, dass der Leib Jesu nicht im Grab sei.

Wir wollen jetzt nicht darüber nachdenken, wer die größere Liebe zu Jesus hat. Die Jünger oder die Frauen? Wir müssen jedoch Folgendes wissen: Wenn jemand sich mit Christus treffen will, kann er sich nicht damit begnügen, die Liebe zu Christus in seinem Herzen zu haben. Auch die „Außenschritte“ zu Christus sind notwendig. Wenn du einen Schritt auf Gott zu machst, macht Gott zwei Schritte auf dich zu.

Ein Priester erzählt, dass er einen siebzigjährigen Mann kennt. Dieser macht täglich einen Spaziergang. Wenn der Priester ihn fragte, ob er die heilige Messe besuche, antwortete er: „60 Jahre lang habe ich die Kirche besucht, und das ist genug.“ Der Priester spricht weiter. Wenn wir mit ihm sprechen, stellen wir fest, dass er nicht das Feuer der Gottesliebe in sich trägt, das die anderen entzündet.  Der Priester sagte weiter: „Einmal im Monat bringe ich die heilige Kommunion zu einer Frau. Sie ist schon über siebzig und kann nicht mehr ohne Hilfe gehen. Aber sie lebt innerlich verbunden mit der Kirche; sie liest viele religiöse Bücher und Zeitschriften und verfolgt, was in der Kirche passiert. Geistig ist sie jung und aktiv. Die Menschen besuchen sie, und sie bewegt und ermutigt sie zu einem Leben mit Gott. Die Liebe verlangt Aktivität und Bewegung. Wir können uns nicht damit begnügen, was wir wissen, und sagen: Das ist genug. Ich muss nicht weiter studieren oder lesen. Die Liebe verlangt Bewegung nach vorne. Wenn wir das nicht tun, verknöchern wir.

Als ich Theologie an der Universität studierte, gab es einen alten Professor, der 40 Jahre lang dasselbe Skript wiederverwendete. Lehrbuch verwendete. Seine Vorträge waren leblos, ohne Feuer und jede Initiative. Er las seine Vorlesungen leise vor und schläferte uns ein. Wir Studenten hatten diesen Eindruck. Alles, was er wusste, hatte er vor vierzig Jahren gelernt; seitdem hatte er nichts Neues hinzugelernt. Mit anderen Worten: Er war ein ausgebrannter Professor. Ähnliches kann auch in unserem geistlichen Leben passieren. Wenn wir uns mit ein paar gelernten Dingen und Gewohnheiten begnügen, aber geistlich nicht vorankommen, wenn wir uns nicht weiterentwickeln. Und das Ergebnis?  Unser Glaube wird langsam sterben. Das kann nicht unser Weg sein. Bemühen wir uns darum, dass unser Glaube aktiv und lebendig ist!

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