Einführung
Im 1. Korintherbrief heißt es: „Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen.” Wir wissen, dass die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu eine Einladung an alle sind, die an ihn glauben. Die Heilige Maria ist die erste Frau, die den himmlischen Ruhm mit Leib und Seele erlangte. Gott nahm sie mit Leib und Seele in den Himmel auf, um sie mit ewiger Herrlichkeit zu krönen.
Predigt
Betrachten wir das Leben der heiligen Maria, so erkennen wir, dass sie sehr demütig war. Sie wusste, dass ihr diese Demut große Gnade bringen würde. Daher wurde sie letztlich in die himmlischen Gnaden erhoben.
Als der Engel Gabriel ihr die Botschaft überbrachte, dass sie die Mutter Gottes werden solle, sagte sie ihr Ja nicht mit hochmütiger Selbstsicherheit. Sie sagte nicht: „Das ist toll! Ich will die Mutter Gottes sein.“ Stattdessen fragte Maria: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?” Daran erkennen wir, dass Maria eine sehr demütige Einstellung hatte. Sie fühlte sich nicht würdig für die Aufgabe, die Gott für sie vorbereitet hatte. Der Engel munterte sie jedoch auf und sagte: „Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast bei Gott Gnade gefunden!” Und Maria antwortete in großer Demut: „Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du es gesagt hast.”“
Wenn ein Mensch Gott sagt: „Ich will dein Diener sein“, ist das ein Zeichen für ein demütiges Herz. Wenn wir der Gottesmutter ähnlich werden wollen, müssen wir ihre demütige Haltung annehmen. Das bedeutet, dass wir bereit sein müssen für die Aufgabe, die Gott für uns vorgesehen hat.
Als Maria später Mutter Jesu war, wurde sie auch Josefs Dienerin. Sie verstand, dass Josef diese Nachricht, dass sie Mutter des Herrn werden sollte, nicht gleich annehmen konnte. Er wollte sich eigentlich von ihr verabschieden. Schließlich nahm er Maria aber bei sich auf und wurde der Pflegevater Jesu. Gemeinsam mussten sie viel durchstehen: die Flucht nach Ägypten, das Zurückbleiben des 12-jährigen Jesus im Tempel von Jerusalem, wo sie ihn drei Tage lang suchten und schließlich fanden. Damals sagte Maria zu Jesus: „Kind, wie konntest du uns das antun?” Dein Vater und ich haben dich voller Angst gesucht. Jesus antwortete: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?” Maria machte Jesus daraufhin keine Vorwürfe.
Manchmal macht uns Gott durch Kinder auf Werte aufmerksam, die uns Erwachsenen entglitten sind. Wenn ein Mensch denkt, dass er von Kindern nichts Vernünftiges lernen kann, ist das immer auch ein Zeichen menschlichen Hochmuts. Maria verstand es, ihrem 12-jährigen Sohn zuzuhören, ohne dabei ihre mütterliche Autorität zu verlieren. Als Jesus öffentlich zu wirken begann, jubelten ihm viele zu. Doch Maria fand sich nicht unter denen, die ihrem Sohn zujubelten. Das lag nicht daran, dass ihr dieser Ruhm nicht zustand, sondern daran, dass sie nicht nach menschlichem Ruhm strebte. Sie trachtete nach göttlichem Ruhm. Sie wollte Gott gefallen. Maria war in jenem Augenblick bei Jesus, als ihn viele verlassen hatten, nämlich unter dem Kreuz. Daran erkennt man wiederum, dass Maria einen demütigen Weg ging.
Am heutigen Tag legen viele Ordensbrüder und -schwestern ihre Gelübde ab oder erneuern sie. Warum aber ausgerechnet heute? Sie wissen, dass die Gelübde, die Sie heute ablegen oder erneuern, in enge Verbindung mit Maria stehen, die ihr ganzes Leben lang dem folgte, der ihr ewigen Ruhm zugesichert hat. Mit dem Ablegen oder Erneuern ihrer Gelübde wollen die Ordensbrüder und Ordensschwestern zeigen, dass auch sie den Weg der Demut gehen. Der Habit, den sie tragen, ist für die Menschen weltweit das Zeichen dafür. Die geweihten Personen geben dadurch der Welt kund, für wen sie leben wollen und von wem sie sich ewigen Ruhm erwarten. Auch wenn die Menschen sie nicht immer bejubeln, wird Gott sie einmal feiern.
Wir alle sind eingeladen, ewigen Ruhm zu erlangen. Maria geht uns mit einem guten Beispiel voran und leitet uns. Möge uns das heutige Fest auf diesem Weg stärken!