Jesus Christus,der uns durch die Botschaft des Glaubens sehend gemacht hat,sei mit euch.
Einführung
Der Apostel Johannes schrieb in seinem Evangelium eine Geschichte darüber, wie Jesus einen Mann heilte, der von Geburt an blind war. Im Evangelium ist von drei Sichtweisen die Rede. Wie sah der Blinde, wie sah Jesus und wie sahen die Pharisäer?
Jesus,du hast die Blinde sehen lassen und dich ihnen offenbart. Herr,erbarme dich unser.
Du hast uns das Licht deiner Botschaft gebracht. Christus,erbarme dich unser.
Mit dem Licht deines Wortes machst du uns fruchtbar an guten Werken. Herr,erbarme dich unser.
Predigt
Wenn ich in der Einleitung die Frage gestellt habe: Wie sah der Blinde? – So werden sich viele von euch vielleicht wundern und sagen: Er konnte nicht sehen, weil er blind war. Das ist doch ganz klar. Der Blinde sah aber im Herzen, in seiner Seele. Er sah sein Leiden jeden Tag.
Wie sah Jesus aus? Er sah die Not, er sah den Ruf nach Hilfe. Was macht er? Er spuckte auf die Erde, dann formte er mit dem Speichel einen Teig und strich ihn dem Blinden auf die Augen. Das ist also eine andere Art des Sehens – den Hilferuf hören und Mitleid haben.
Wie sahen die Pharisäer aus? Ihre Augen waren auf den Sabbat gerichtet, und sie waren empört darüber, dass Jesus das Sabbatgebot verletzte. Sie sehen vor allem die Schuld in der Übertretung des Gesetzes. Sie verurteilen die Vorgehensweise von Jesus und sie halten den Blinden für einen Sünder, der in Sünde geboren wurde und sie auch noch belehren wolle. Sie stießen ihn auch aus dem Tempel hinaus.
Da traf Jesus nochmals den vorher Blinden und fragte ihn: Glaubst du an den Menschensohn? Er antwortete: Herr, wer ist es, an den ich glauben soll? Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn gesehen und der mit dir redet, der ist es. Er glaubte sofort an Jesus und fiel vor ihm auf die Knie.
Diese Geschichte bietet uns die Möglichkeit, darüber nachzudenken, wie falsch wir manchmal sehen. Ein Bischof aus Antiochia schrieb: Diejenigen, die mit den irdischen Augen sehen, nehmen nur wahr, was in dieser Welt geschieht; sie sehen, was weiß oder schwarz ist, was schön und anmutig ist, aber auch, was schmutzig und fehlerhaft ist. So ähnlich ist das auch mit den Augen des Herzens. Gott kann nur diejenigen sehen, die die Augen des Herzens offen haben. Alle haben Augen, aber einige sind trüb, und sie sehen das Licht der Sonne nicht. Das bedeutet nicht, dass die Sonne nicht scheint. Wenn deine Augen von Egoismus und bösen Taten trüb sind, kannst du Gott nicht sehen. Die Seele des Menschen soll rein sein. Wenn ein Spiegel voller Staub oder von Rost befallen ist, kann der Mensch sein Gesicht nicht sehen. Ein Mensch, der in der Sünde lebt, kann Gott nicht sehen. Gott sieht uns so, wie Jesus die Hilfsbedürftigen sah. In seiner Liebe sieht er unser Rufen um Hilfe. Gott hört nie auf, uns zu lieben.
Wir haben Sorgen, dass die Preise stetig steigen und dadurch unsere Steuern immer höher werden. Wir haben Angst, krank zu werden. Aber haben wir auch Angst, die Zuneigung und die Liebe Gottes zu verlieren? Haben wir auch Angst, uns von Gott zu entfernen? Sagen wir nicht, dass es nicht gibt, denn das haben wir alle schon erlebt.
Im Leben ist es ähnlich. In der Schule haben wir Kameraden, und wir meinen, dass das Freunde fürs ganze Leben sind. Dann aber gehen die Wege auseinander: Der eine besucht dort eine weiterführende Schule, der andere wieder anderswo. Wenn wir uns nach Jahren wieder treffen, merken wir, dass wir uns fremd geworden sind, trotz einer früheren guten Kameradschaft. Ganz schlecht ist es, wenn es in der Ehe passiert, dass man sich auseinanderlebt.
Ja, und so ähnlich ist es auch im Glauben. Daher sollen wir beten: Gott, gib mir die Kraft, mich niemals von dir zu trennen, denn du gibst meinem Leben Sinn.
Wenn wir jemanden wirklich lieben, wollen wir diesen Menschen nicht verlieren. Es tut uns leid, wenn uns dieser Mensch fremd wird. Das erleben viele Eltern – hauptsächlich die Mütter –, wenn ihre Kinder ihnen fremd werden. Ich habe den Eindruck, dass sich heute viele Menschen von Gott entfernen. Viele sagen: „Ich habe nichts gegen Gott. Im Grunde aber ist ihnen Gott gleichgültig. Eine solche Einstellung ist für Gott nicht akzeptierbar. Gott sandte seinen Sohn, damit er die Menschen von seiner Liebe überzeugt. Darum heilte er so viele Menschen und zeigte damit, dass seine Liebe zu uns wahrhaftig ist. Die Frage ist, ob auch unsere Liebe zu Gott wahrhaftig ist.
Jesus Christus hat uns das Auge geöffnet, damit wir Gott erkennen. Deshalb wollen wir zum Vater beten.
Damit wir sehend werden und den erkennen, der im Gericht kommen wird, bitten wir um seinen Frieden.
Selig, die berufen sind und Gott in seiner Herrlichkeit schauen dürfen.