3.Adventsonntag C /Gaudete/ Lk 3,10-18

Christliche Freude.

Einführung.

Kurz nach der samtenen Revolution habe ich die Bundesrepublik Deutschland besucht. Ich bin bis nach Trier gefahren, wo unter anderem Karl Marx geboren wurde. Ich habe sein Museum großzügig umgangen und stattdessen ein Museum mit archäologischen Ausgrabungen aus den ersten christlichen Jahrhunderten besucht. Hier gibt es viele interessante Gegenstände: Haarnadeln, Goldnadeln, Armbänder, Alltagsgegenstände und viele andere Ornamente. Viele von ihnen tragen ein Emblem – die griechischen Buchstaben XP, die f Christos bedeuten. Die ersten Christen hatten viele Gegenstände mit dem Namen Christi gekennzeichnet.

Predigt.

Wenn wir  an diesen  Gegenstände vorbeikommen, kommen wir  zu einer Vitrine mit einem kleinen Goldring, in den ein kleiner Stein eingelassen ist. Wenn man sich ihm von einer bestimmten Seite und in einem bestimmten Winkel nähert, geht ein wunderschönes violettes Leuchten von ihm aus. Es ist die Farbe des Advents – die Farbe der freudigen Erwartung. Außerdem ist auf diesem Ring „XP“ eingraviert. Vielleicht gehörte es einigen Ehemännern oder jungen Menschen, die für ihren Glauben das Martyrium erleiden mussten. Das war zu dieser Zeit üblich. Welche Geheimnisse der Ring auch immer birgt, eines ist ganz sicher: Die Farbe Violett ist ein untrügliches Zeichen der frühchristlichen Zeit. Es ist eine eschatologische Farbe, die auf das zweite Kommen des Herrn hinweist. Es verweist auf das Warten und die Sehnsucht der ersten Christen: Marana tha – Komm, Herr Jesus! Das war die von innerer Freude und Sehnsucht erfüllte Erwartung in der frühen christlichen Kirche.

Langsam aber sicher nähern wir uns dem Weihnachtsfest, an dem sich die Farbe Violett in die Farbe der reinen Freude und des Lichts der Liebe Gottes verwandeln wird – in die Farbe Weiß. Wir befinden uns bereits am dritten Adventssonntag. Dieser Sonntag hat einen freudigen Charakter. Seit der Antike heißt er „Gaudete“, was „Freut euch“ bedeutet. Um diese Freude auch in den liturgischen Gewändern zum Ausdruck zu bringen, wird an diesem Adventssonntag die Farbe Violett durch Rosa ersetzt. Wir sind aufgerufen, uns zu freuen, und so können wir fragen, was der Grund für unsere christliche Freude ist.

In einem Religionsunterricht wurde den Kindern einmal eine interessante Frage gestellt: Was, wärmt und erfüllt euch am meisten mit Freude? Die Antworten waren vielfältig und oft sehr lächelnd.  Es wärmt mich am meisten, wenn wir uns draußen jagen.“ Ein anderer sagte, dass es ihn am meisten wärmt, wenn er zu Hause vor dem Heizkörper sitzt und die Füße darauf legt. Ein anderer Junge wiederum erzählte, dass er seinem Vater beim Holzhacken half und sein Vater ihm einen „Schuss“ echten, selbstgemachten Sliwowitz gab. Er sagte, es habe ihn aufgewärmt. Ein kleines Mädchen sagte: „Am meisten wärmt es mich, wenn Mama mich streichelt, mich anlächelt und mich an sich drückt.“

Wir sehen, dass Kinder und Erwachsene unterschiedliche Dinge mögen. Aber wir müssen an dieser Stelle demütig zugeben, dass einige dieser Freuden nicht lange anhalten werden. Aber es gibt eine Freude, die groß und dauerhaft ist. Weihnachten ist ein solches Ereignia, das in vielen Menschenherzen große Freude auslöst. Es ist gut, daran zu denken, dass es viele Menschen auf der Welt gibt, die an Weihnachten wahre Freude erleben werden. Andererseits dürfen wir nicht vergessen, dass es immer noch eine ganze Reihe von Menschen auf der Welt gibt, für die Weihnachten keine Freude bedeutet. Sie werden alles haben, was ihre Kehlen ertragen können, alles, was ihre Tische ertragen können – und doch werden sie leer, traurig und angeödet sein. Diese Sekundenbruchteile eines flüchtigen Rausches durch Drogen, Alkohol und alle Arten von Vergnügungen werden ihnen niemals dauerhafte Freude und Glück bescheren!

Ich zweifle nicht im Geringsten daran, und ich bin in meinem Herzen zutiefst davon überzeugt, dass wir alle hier reine und unverfälschte Freude an Weihnachten erleben wollen. Deshalb müssen wir uns immer wieder daran erinnern, was wahre Freude ausmacht. Freude sollte unser Markenzeichen sein: Christen erkennt man an ihrer Freude. Besser gesagt: Christen SOLLTEN an ihrer Freude zu erkennen sein! Denn der christliche Glaube und die wahre Freude sind so eng miteinander verbunden wie eine schöne Blume und ihr angenehmer Duft. Doch wir, die wir an Christus geglaubt haben, wissen sehr wohl, dass wir nur eine Quelle der wahren Freude haben. Wo, so fragen wir, ist diese Quelle zu finden? Die Antwort findet sich heute in Gottes Wort. Im Brief ruft uns der heilige Apostel Paulus zu beständiger und dauerhafter Freude auf: „Freut euch im Herrn allezeit, ich wiederhole: Freut euch! Der Herr ist nahe.“

In Christus, dem Herrn, haben wir tatsächlich die wahre Quelle der Freude. Und es ist wirklich eine wunderbare Entdeckung: Mensch Gottes, du bist nicht mehr allein, du bist nicht mehr verlassen, denn der Herr ist nahe, der Herr ist immer bei dir! Christus, der Herr, ist also die Quelle unserer Freude. Wir haben die Freude zu wissen, dass alles in der Welt einen Sinn hat und dass wir uns deshalb keine Sorgen machen müssen, was morgen passieren wird oder wo wir überhaupt hinkommen werden. Wir wissen, dass wir in das Reich Gottes – in den Himmel – kommen werden, weil Christus, der Herr, uns eingeladen hat. Außerdem haben wir die Freude, das Böse zu überwinden – in Jesus Christus überwinden wir, in ihm finden wir die Erleichterung unseres Gewissens, da er uns unsere Sünden vergibt und uns die Kraft gibt, das Böse zu überwinden.

Und dann ist da noch die Freude, zu wissen, dass kein Schmerz und kein Leid umsonst sind. In der Tat ist kein Schmerz schlecht, wenn er in das Bad des Schmerzes und des Leidens Christi – in seinen Sühnetod – eingetaucht wird. Unsere größte Freude jedoch kommt aus der Gegenwart Christi in unserem Leben, insbesondere aus der Begegnung mit dem Herrn Jesus im Allerheiligsten Sakrament – im Messopfer und in der Heiligen Kommunion. Diese Begegnung mit dem sakramentalen Heiland bringt uns Freude, heilt unsere Wunden und läutert uns. Alle Freuden verschmelzen wie Strahlen zu einem einzigen FEUER, und diese Feuerstelle ist Emmanu-El-Gott mit uns – unser Erlöser Christus der Herr!

Wenn wir Weihnachten erleben, indem wir an diesen Strahlen der Freude festhalten und uns an den Herd von Emmanu-El-Gott-mit-uns ziehen lassen, werden wir wirklich glücklich sein. Aber wenn wir uns darüber ärgern, dass wir dies oder jenes nicht bekommen haben, dass uns dies oder jenes noch fehlt, dass wir kein Geld für dies oder jenes haben, dass wir dies oder jenes nicht geschafft haben, dass wir dies oder jenes vergessen haben – dann werden wir traurig und leer sein. Ich wünsche uns allen von ganzem Herzen, dass wir dieses Weihnachten in der wahren Freude der Kinder Gottes leben können. Freut euch im Herrn allezeit, ich wiederhole: Freut euch! Der Herr ist nahe, und ein für alle Mal wird unsere Zeit kommen und uns in sein Reich der Liebe und des Friedens einführen, wo wir uns mit ihm und allen Heiligen für immer und ewig freuen werden.



 

 

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