Womit habe ich es verdient, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? „

Erst vor kurzem erfuhr Maria, dass sie die Mutter des Gottessohnes sein würde. Doch anstatt sich in die Einsamkeit und Stille zurückzuziehen, um über dieses wundersame Ereignis nachzudenken, begibt sie sich auf eine beschwerliche Reise von mehr als hundert Kilometern zu ihrer Verwandten Elizabeth. Warum wünschte sich Maria so sehr, diese Reise zu machen? Sicherlich wollte sie Elisabeth helfen, denn diese betagte Verwandte erwartete die Geburt ihres Sohnes. Und in den letzten Wochen von Elisabeths Schwangerschaft hatte Maria vielleicht auch einen Anteil an Elisabeths freudiger Erwartung. Gleichzeitig wollte sie Elisabeth aber auch die geheimnisvolle Nachricht von der Geburt des lang erwarteten Messias mitteilen. Sicherlich wusste sie, dass Elizabeth die Nachricht mit Aufregung und Freude aufnehmen würde, nicht mit Ungläubigkeit. Und so war es auch. Elisabeth schrie im Glauben auf, als sie Marias Stimme hörte (Lk 1,42)!

Die Entscheidung Marias, Zeit mit Elisabeth zu verbringen, war ein Ausdruck menschlicher Solidarität. Sie spiegelt eine grundlegende Wahrheit darüber wider, wie Gott uns geschaffen hat: dass er uns als Gemeinschaft von Menschen geschaffen hat, die ihre Freuden und Sorgen miteinander teilen. Gott will nicht, dass wir die Irrungen und Wirrungen und die Kreuzungen des Lebens allein durchstehen; er möchte uns in eine tiefere Gemeinschaft mit anderen bringen. Gleichzeitig spiegelt sich in Marias Handeln die Gegenwart Christi in ihr wider. Anstatt sich in sich selbst zurückzuziehen, näherte sie sich einem anderen Menschen. Wie wunderbar, dass ihr Urinstinkt sie zu ihrer Verwandten führte!

Auf diese Weise wirkt die Gegenwart Christi auch in uns. Wie Maria werden auch wir aufgefordert, auf andere zuzugehen und ihnen auf besondere Weise Liebe zu erweisen – je nachdem, wozu der Herr uns anregt. Das ist genau das, was es bedeutet, Christus in uns zu erlauben, uns zur Liebe zu veranlassen. Bitten wir heute unsere himmlische Mutter um ihre Fürsprache, damit die Liebe Christi immer mehr in uns wächst und uns zu solidarischem Handeln führt. Mögen wir nie zögern, wenn wir zu den Menschen, die Gott uns schickt, „eilen“ müssen.



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