Festhalten an der Tradition.

Das ist im Prinzip eine gute und weise Sache; es geht natürlich um Traditionen, die weise und gut sind. Das Thema Tradition kann jedoch missverstanden werden – und der Herr Jesus rückt es heute ins rechte Licht. Traditionen, die gegen Gottes Gebote verstoßen, wie die schändliche Tradition, sich bei Familienfesten zu betrinken, sowie verschiedene alte Übertreibungen, Zaubersprüche und Aberglauben, sind nicht zu respektieren. Aber Traditionen, die weise und edel sind, ergänzen oft die Gebote und schützen die Gebote. Zu diesen Traditionen gehören beispielsweise das gemeinsame Familiengebet, das Beten des Rosenkranzes, Maiandachten, Rituale, die Fastenzeit, die Andacht am ersten Freitag, die Teilnahme an der geistlichen Erneuerung und die Prozession am Fest des Allerheiligsten Leibes und Blutes Christi. Oft sind es unsere einheimischen, väterlichen Traditionen, die sogar unsere nationale Identität bestimmen.

Aber gerade das Festhalten an der Tradition ist auch weise. Der Herr Jesus führt heute ein drastisches Beispiel für den unklugen Kult der Tradition an. Es wäre also etwas Unkluges und Falsches, zum Beispiel einen Kranken unversorgt zu Hause zu lassen, um zu einem Mitternachtsfest, einer Parade oder einer Wallfahrt zu gehen. Gerade wenn die Tradition ein Ausdruck der Treue zu den Geboten sein soll – dann geht es in erster Linie um das Gebot der Liebe: Keine Tradition hat das Recht, dieses Gebot außer Kraft zu setzen – und das wird im heutigen Evangelium deutlich gesagt.

Ein Beispiel für edle Treue zur Tradition ist die Teilnahme an der Messe – und die Messe selbst. Henryk Sienkiewicz macht am Ende eines seiner Romane darauf aufmerksam, dass zwar die verschiedenen Strukturen, Bräuche und Größen im Laufe der Jahrhunderte verschwunden sind, die Messe aber „auf die alte Art und Weise gefeiert wird“. Die Älteren erinnern sich daran, dass es einmal eine andere Sprache und andere Riten bei der Messe gab. Natürlich, aber hierin liegt eine Bestätigung dessen, was hier gesagt wurde: dass die weniger schwerwiegenden Details der Tradition aus klugen Gründen oft weichen müssen – um die Tradition selbst zu retten. So sind auch in der Messe einige unwesentliche Elemente entfernt worden, und – damit die wesentlichen Elemente umso deutlicher hervortreten: das Opfer, die Transsubstantiation, das Brechen des Brotes – bleiben sie immer mit der Tradition identisch.
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