4. Sonntag C der Osterzeit Offb 7,9,14-17

Einführung

An jedem Ostersonntag dieses Jahres lesen wir aus dem Buch der Offenbarung des Apostels Johannes – der sogenannten Apokalypse. Und so werden wir heute wieder gemeinsam über dieses Buch nachdenken. Wir haben immer noch das Symbol des Lammes vor uns, und wir versuchen, in eine andere Position seines Geheimnisses einzudringen. Zuerst sahen wir das Lamm, das sich für die gesamte Menschheit opferte. Ein Lamm, das nach den Worten des Apostels Johannes aussah, als sei es geschlachtet worden.

Predigt.

Im heutigen Abschnitt haben wir gehört, dass alle, die für die Wahrheit, für die Gerechtigkeit gelitten haben, die in der Geschichte verfolgt worden sind, sich seinem Opfer anschließen. Das sind all jene, die aus der großen Trübsal kommen werden. Sie sind Teil der großen Schar der Auserwählten.

Und wir können fragen: Wer gehört alles zu ihnen? Nicht nur diejenigen, die um Christi, des Herrn, willen am Ende der Zeiten gelitten haben. Alle, die bis dahin um des Herrn willen gelitten haben, bilden zusammen die Zahl der Auserwählten. Und es geht bei weitem nicht nur um die äußerlichen Märtyrer, die ihr Blut für das Lamm Gottes vergießen. Dazu gehören auch diejenigen, die eine innere Verfolgung durchgemacht haben, die durch das Feuer schwerer Versuchungen und Prüfungen gegangen sind.

Aber gehören hier auch diejenigen, die dem Lamm in seinem Opfer für andere bereitwillig folgen. Viele Menschen in der Heilsgeschichte sind diesen Weg gegangen. Erinnern wir uns für alle an das vergangene Jahrhundert, das geradezu schrecklich war. Wie viele Millionen Menschen wurden in den beiden Weltkriegen getötet! Wie viele Millionen wurden unter den totalitären Regimen in Russland und vielen anderen Ländern ermordet! Viele Menschen haben den Vorwurf erhoben, wie der gute Gott dies alles zulassen konnte. Doch in diesem Fall gehört nicht Gott an den Pranger, sondern der Mensch. Der Pranger gehört zur freien Entscheidung des Menschen, seinen eigenen Weg ohne Gott zu gehen. Hätte die Menschheit an Gottes Heilsplan festgehalten, hätte sie Gottes Gesetz der Liebe angenommen, hätte sie den Weg der Barmherzigkeit Gottes eingeschlagen, wäre die Geschichte nicht eine Geschichte so vieler grausamer Opfer gewesen.

Wenn wir aus dem Buch der Offenbarung des Apostels Johannes erfahren, dass es eine große Zahl von Menschen gibt, die auf diese Weise durch große Trübsal gehen, dann nicht deshalb, weil Gott an dieser Form der Erfüllung des Reiches Gottes durch diejenigen, die leiden müssen, Gefallen findet. Sie ist nur das Ergebnis der Sünden und der Schlechtigkeit der Menschen. Und zu denjenigen, die auf diese Weise äußerlich gelitten haben, kommen noch diejenigen hinzu, die den Weg des inneren Leidens und des freiwilligen Opfers gegangen sind. Diesen Menschen ging es darum, andere zu retten, damit sie die Frucht des Erlösungsopfers Christi am Kreuz nicht vergeuden. Diese Menschen opfern sich für die Sünder auf, damit Gott ihnen die Gnade des Heils schenken kann. Und die Heilsgeschichte kennt viele von ihnen. Ich möchte Ihnen jetzt ein wenig über das Leben und den Dienst einer von ihnen erzählen.

Sicherlich haben einige von Ihnen schon einmal den Namen Martha Robin gehört. Sie war in der Tat eine begnadigte Frau. Sie lebte in Südfrankreich. Ihr Leben wurde von vielen als Wegweiser für neue Wege für die gesamte Menschheit bezeichnet. Auf den ersten Blick mag uns diese Aussage wie eine gehobene Phrase erscheinen. Aber urteilen Sie selbst. Die Ärzte wurden mit dieser Frau überhaupt nicht fertig. Stellen Sie sich vor, Martha Robin hätte 53 Jahre lang nichts mehr gegessen oder getrunken! Sie lebte buchstäblich von Gott, lebte nur von der Heiligen Eucharistie. Martha war seit ihrer Kindheit gelähmt und lag seitdem zusammengerollt auf einem Bett in einem dunklen Raum. Ihre Augen konnten das Licht nicht ertragen daher musste sie immer in Dunkelheit sein. Von das an in ihrem Leben schlief sie überhaupt nicht mehr. Ihr Geist aber wanderte durch die ganze Welt. Mit diesem von Gott inspirierten Charisma zog sie im Geiste durch Amerika, die ehemalige Sowjetunion und andere Länder. Sie sah und durchdrang die Geschehnisse der Welt, obwohl sie physisch an einen einzigen Ort gebunden war. Sie war mit Visionen begabt und trug außerdem die Wundmale Christi – die Stigmata.

Und so erhielt dieser Mystiker viele Besuche. Es waren einfache und edle Menschen, Gläubige und Atheisten, Schriftsteller und Philosophen. Und Martha nahm diese Menschen sehr freundlich auf, und besonders die großen Sünder empfing sie mit außerordentlicher Liebe. Als sich einer der großen Sünder ihr anvertraute, nahm Martha seine Strafe auf sich – den verborgenen Schmerz, der jeder Sünde innewohnt. Das Wort „den Schmerz der Sünde auf sich nehmen“ bedeutete wörtlich, dass sie sich festhalten, anspannen, verkrampfen sollte. Ja, für Martha bedeutete das Wort „nehmen“ dies: Ich versetze mich jetzt in ihre Lage, ich nehme ihre Verzweiflung und mache sie zu meiner. Ich zahle für ihre Schulden. Was sie erleiden, werde ich erleiden.

In diesen Worten können wir spüren, was es bedeutet, auf dem Weg des Lammes zu wandeln. Das sind all jene, die dem Lamm willig folgen, die Christus, den Herrn, nachahmen. Und nicht nur das: Wir wissen aus der Lehre des Apostels Paulus, dass er selbst „die Leiden, die in der Fülle der Leiden der Kirche fehlen, an seinem Fleisch nachgeholt hat, wie Gott sie für die ganze Geschichte bestimmt und vorbehalten hat“.

Den Leiden Christi und der Vollendung der Erlösung können wir nichts mehr hinzufügen. Aber eines können wir tun: Indem wir uns am Erlösungswerk Christi beteiligen, können wir Gott gefallen, können wir dem Beispiel des geschlachteten und auferstandenen Lammes durch unser eigenes Leben folgen. In dieser Sichtweise erkennen wir, wer alles zu der auserwählten Schar gehört, die durch die große Trübsal gegangen ist. Und so lasst auch uns unsere kleinen Opfer und unser Ertragen der Leiden und Mühen des Lebens beitragen, damit wir uns eines Tages mit dem Lamm Gottes und mit den Scharen, die aus der großen Trübsal kommen, für immer und ewig freuen können. 

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