1Adventsonntag A Mt 24,37-44
Einführung
Sie werden vermutlich mit mir übereinstimmen, wenn ich sage, dass die meisten Menschen Angst vor dem Tod haben. Was versuchen die Menschen nicht alles, um ihr Leben zu verlängern? Jesus kennt die Angst der Menschen gut. Er sagt deshalb, dass der Tod kein Untergang sei, sondern nur ein Übergang. Er will uns mitteilen, dass der Mensch durch den Tod nicht aufhört, zu existieren, sondern nur in ein neues Leben eintreten wird. Für dieses neue Leben bei Gott sollen wir immer bereit sein. Im heutigen Evangelium sagt Jesus folgende Worte: „Seid also wachsam, denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt!“
Predigt
Die ersten Christen können uns ein Beispiel für Wachsamkeit sein. Sie warteten geduldig auf Jesus und waren überzeugt, dass er bald kommen würde, und sie wollten ihm ihr ganzes Leben unterordnen. Bei jedem Treffen begrüßten sie sich mit „Maranatha“ – das heißt „Der Herr kommt“. In diesem Gruß äußerte sich die Art ihres Lebens. Das bedeutet nicht, dass sie für Jesus sterben müssen. Aber sie wussten auch, dass die Hand eines Henkers oder die Zähne wilder Tiere – als ein Martyrium – sie auf ewig mit Christus verbinden würde. Allerdings standen sie vielfach in der Versuchung, heidnischen Göttern Opfer zu bringen. Es wäre ganz einfach für sie gewesen, nach außen hin so zu handeln, aber auch ihren Glauben zu leben. Sie taten es nicht, weil sie keine Menschen mit zwei Gesichtern waren und den wahren Gott verleugnen wollten. Im Gegenteil – sie sehnten sich danach, ihn zu treffen. Sie liebten einander, denn sie nahmen Jesu Gebot der Liebe sehr ernst. Sie verkauften ihren Besitz, verteilten ihn unter die Armen und Bedürftigen und halfen den Witwen und Waisen. Sie hätten das sicherlich nicht geschafft, wenn sie nicht Menschen mit festem Glauben gewesen wären und die baldige Ankunft Jesu erwartet hätten. Ihre Sehnsucht nach Christus und ihre Liebe zur Gemeinschaft der Brüder und Schwestern waren für sie der Grund, stets wachsam zu sein.
Wir gehören zwar nicht zu den ersten Christen, aber wir sollten ihnen wenigstens bruchstückhaft ähnlich werden. Stellen wir uns dazu auch folgende Fragen: Sind wir auch fähig, für Christus zu leiden? Versammeln wir uns regelmäßig um den Tisch des Herrn? Sind wir von der Liebe zu unseren Brüdern und Schwestern durchdrungen?
Dazu eine Begebenheit: Ein Mann schuldete einem Reichen eine Summe Geldes und hatte immer Ausreden, wenn er aufgefordert wurde, seine Schulden zu begleichen. Als der Schuldner gestorben war, fand man in seinem Haus nichts, womit er seine Schulden hätte begleichen können. Man entdeckte dort nur seinen zweijährigen Sohn. Der reiche Mann hatte Mitleid mit ihm und nahm ihn zu sich, wo er mit dem eigenen Sohn aufwuchs. Als er 18 Jahre alt war, gab ihm der reiche Mann zwei Briefe, einen in einem schwarzen Kuvert, den anderen in einem goldenen. Der reiche Mann, den er inzwischen seinen Stiefvater nannte, sagte zu ihm: „Lies zuerst den Brief im schwarzen Kuvert und dann den im goldenen Kuvert!“ Der junge Mann öffnete den Brief. Darin waren alle Schulden seines Vaters aufgeschrieben sowie alle Ausgaben, die sein Stiefvater für seine Erziehung aufgewendet hatte. Der Junge wurde ganz blass. Da sagte der Reiche zu ihm: „Du siehst, wie viel du mir schuldig bist! Hab aber keine Angst, denn mein leiblicher Sohn hat dich sehr lieb gewonnen und hat mich gebeten, dir die ganze Schuld zu erlassen.“ Hierauf zerriss er den Brief und warf ihn ins Feuer. Dann las der Junge den zweiten Brief. In ihm stand nur der eine Satz: „Du bist kein Schuldner für mich, sondern mein Sohn und Erbe.“ Können Sie sich die Freude dieses jungen Mannes vorstellen?
Dieses Ereignis dient einem Vergleich, und man kann es so auslegen: Der Reiche ist unser himmlischer Vater, der Sohn des Reiches ist Jesus, und der Junge, das sind wir. Wir müssen uns bewusst werden, dass wir Söhne und Töchter Gottes sind. Den ersten Christen wurde das sehr bewusst. Deshalb erwarteten sie mit Freude die Ankunft des Herrn. Sind wir uns dieser erstaunlichen Tatsache bewusst?
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