3.Sonntag im Jahreskreis A Mt 4,12-23

Einleitung

Viele von uns haben große Achtung vor der  Arbeit. Sie sind überzeugt, dass es gut ist, einen Arbeitsplatz zu haben, um Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen.  Für viele wird die Arbeit zu ihrer Lieblingsbeschäftigung und sie können sich ein Leben ohne Arbeit nicht vorstellen. Bedenken wir einmal Folgendes: Jemand bietet diesen Menschen eine ganz andere Arbeit an. Da werden sie sicherlich nicht vor Freude jauchzen, sondern zuerst einmal gut überlegen und sich Zeit nehmen für den Entschluss, sich zu verändern. Sie werden das Für und Wider abwägen, denn eine solche Entscheidung kann auch sehr schmerzlich sein.

Predigt

Das heutige Evangelium stellte uns zwei Brüder vor – Simon und Andreas. Auch sie arbeiteten. Sie waren nämlich Fischer. Sie hatten auch Mitarbeiter, ebenfalls zwei Brüder – Johannes und Jakobus. Sie liebten ihre Arbeit, und sie war nicht nur dazu da, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sondern auch ihr Hobby. Aber eines Tages änderte sich alles plötzlich. Da kam Jesus und machte ihnen ein neues Angebot. Er sagte: „Kommt und folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“ Er ruft sie also dazu auf, seine Mitarbeiter zu werden. Und haben Sie auch wahrgenommen, wie Ihre Antwort lautete? Sie haben nicht gezögert, sondern ihre Netze liegen lassen und Jesus nachgefolgt. Es ist wirklich interessant, dass sie nicht einmal gefragt haben, was „nachfolgen“ bedeutet. Sie fragten nicht: „Welche Pflichten werden wir jetzt haben? Was werden wir dafür bekommen?“ Sie stellten also keine Bedingungen wie etwa: „Gib uns Bedenkzeit, oder wir müssen zuerst darüber beraten!“  Wie handelten sie also? Sie gingen einfach, sofort, in diesem Moment, obwohl sie nicht wussten, worauf sie sich da einlassen würden, welchen Inhalt ihre Arbeit haben würde, welchen Einfluss sie auf ihr Leben haben würde. Eines aber dürften sie geahnt haben, nämlich dass Jesus jemand ist, dem es sich lohnt, zu vertrauen. Vielleicht waren sie auch von Johannes dem Täufer beeinflusst, der zu Jesus sagte: „Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“ Also waren sie fest entschlossen, ihre Schiffe und Netze zurückzulassen, alles zu verlassen und Jesus nachzufolgen. Ich muss aber sagen, dass auch Jesus sehr wohl wusste, wen er ansprechen konnte. Es waren Männer, die sich in ihrem Leben nicht auf Spekulationen einließen. Auch wir alle sind durch unsere Taufe zur Nachfolge berufen, sich in ihrem Leben nicht in.

Kehren wir noch einmal zum heutigen Evangelium zurück. Wozu hat  Jesus die künftigen Apostel berufen? Er hat sie in seine Nachfolge berufen und zum Apostolat, dem Auftrag, die Botschaft Gottes in die Welt zu tragen. Jesus äußerte sich mit den Worten: „Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“ Das Apostolat ist für die Kirche sehr bedeutsam. Auch das Zweite Vatikanische Konzil widmete sich dieser Frage mit großer Aufmerksamkeit. Es wurde sogar ein Dekret über das Laienapostolat herausgegeben. Leider wird das in der Praxis zu wenig beachtet. Auch die Laien haben den Auftrag, die Botschaft Gottes in die Welt zu tragen.

Bei einer Vorlesung in Linz hat das einmal ein Jesuitenpater angesprochen. Er meinte: “ Im Bereich des Apostolats machen wir sehr wenig, fast nichts.“ Leider hat er recht. Es ist nicht genug, dass ich an Gott glaube und mich bemühe, ein christliches Leben zu führen. Es ist die Pflicht eines jeden Christen, sich zu bemühen, auch andere Menschen für Christus zu gewinnen und zu Gott zu führen. Da hört man manchmal sagen: „Ich kann niemanden zwingen; jeder Mensch hat seinen freien Willen. Wer glauben will, kann in die Kirche gehen. Niemand wird ihn daran hindern. “ Es scheint also so, als wäre das Apostolat nicht notwendig.

Ich denke an ein Beispiel im weltlichen Bereich.  Wenn eine Firma ein Produkt verkaufen will, kann sie nicht darüber schweigen. Sie macht Werbung. Die Firma bemüht sich, die Menschen von der Qualität und Notwendigkeit ihrer Produkte zu überzeugen. Die Firma könnte über ihre Produkte schweigen und sagen: „Jeder hat seinen freien Willen und wer unsere Produkte will, wird sie schon finden.“ Es kann aber keine Firma ohne Reklame existieren. Ähnlich sollten wir auch die Menschen für das Christentum hellhörig machen. Wenn wir schweigen, werden wir die Menschen nicht für den Glauben an Christus gewinnen, sondern  wenden sie anderen Dingen zu, die oft dem Christentum widersprechen. Notwendig ist das Apostolat, das junge Menschen anspricht.  Leider sind sehr wenige, die das tun.

Ich erinnere mich da an eine Begebenheit am Bahnhof, an ein Gespräch mit einem nicht mehr ganz jungen Mann.  Er erzählte mir,  dass er sich viele Jahre mit der Jugend beschäftigt hat. Ich lobte ihn und dann fragte ich ihn: „Wann haben Sie diese sinnvolle Tätigkeit beendet?“  Er sagte zu mir: „Vor 14 Jahren.“ „Und wer macht dieses Apostolat jetzt?“, war meine zweite Frage. Seine Antwort: “ Niemand hat mein Apostolat fortgesetzt!“  Was bedeutet das? Die Wertschätzung des Christentums ist in der heutigen Zeit sehr gering.  Es ist etwas Schönes, aber nicht so wichtig. Dann ist es kein Wunder, dass in der Welt, in der eine Flut  von Angeboten auf die Menschen wartet,  das Christentum so wenig Beachtung findet.

Apostolat bedeutet nicht nur, Kenntnisse über Jesus zu vermitteln, sondern auch, eine lebendige Beziehung zu Christus aufzubauen und spürbar zu machen.  Viele Menschen, auch junge Leute,  haben zwar Kenntnis von Christus und dem Christentum, aber die lebendige Beziehung fehlt. Warum ist das so? Sie haben diese lebendige Beziehung bei niemandem gesehen. Niemand lehrte sie, Christus zu lieben, aber auch für ihn Opfer zu bringen.

Wenn für jemanden Christus kaum von Bedeutung ist, dann kann er auch andere Menschen nicht von der Notwendigkeit des Glaubens überzeugen.  Wenn uns aber Christus wichtig ist und wir eine lebendige Beziehung zu ihm haben, dann sollten wir beginnen, apostolisch tätig zu sein, damit allen bewusst wird, wie schön es ist,  in Beziehung zu Christus und in der Liebe Christi zu leben.

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