15.Sonntag im Jahreskreis A Mt 13,1-23

Einleitung

Auf dem Seeweg segelte ein großes Segelschiff namens „Schlechte Nachrichten“. Auf die Frage, warum das Segelboot diesen Namen hat, antwortete der Kapitän: „Ich liebe Segelbootwettbewerbe und jeder weiß, dass die schlechten Nachrichten die schnellsten sind.“ Den Beweis dafür liefert auch die Boulevard-Presse. Die Klatschnachrichten, die Verdächtigungen, die Korruption sind Nachrichten, die sich am schnellsten verbreiten. Die guten Nachrichten werden nur sehr langsam weitergegeben.

Predigt

Vor 2000 Jahren verkündete Jesus das Evangelium – die gute Nachricht, dass wir Gott unseren Vater nennen dürfen, der uns alle liebt. Wenn Jesus einen Klatsch über den Kaiser gesagt hätte, so hätte sich das wohl rasant verbreitet. Er aber verkündete das Wort Gottes, und seine Verbreitung hängt vom freien Willen des Menschen ab. Ein Tratsch findet leichter einen Nährboden. Das Wort Gottes, die gute Nachricht, kommt nur dort an, wo man sich  dafür glaubend öffnet.

Dazu erzählt Jesus heute das Gleichnis vom Sämann. Er spricht darin von vier Menschengruppen. Jede Gruppe nimmt das Wort Gottes anders auf.

Die erste Gruppe von Hörern vergleicht er mit einem harten, niedergetretenen Boden, auf den die Samenkörner fallen, aber sie können nicht in den Boden eindringen. Das sind die Menschen, die schon viele Predigten gehört haben, aber durch keine davon hat sich ihr Leben verändert. Sie erwarten sich auch nichts von den Predigten, sondern beschäftigen sich während des Zuhörens nur mit ihren Sorgen und eigenen Interessen.

Die zweite Gruppe der Hörer ist oberflächlich. Sie sind zwar aufnahmefähig und begeistert, aber ohne die notwendige Tiefe. Sie kennen sich selbst schlecht, darum erkennen sie nicht, dass viele ihrer Gewohnheiten und ihres Egoismus dem Wort Gottes widersprechen. Sie glauben, sie seien auf dem richtigen Weg, weil sie vom Wort berührt wurden. Die Worte gingen ihnen zwar zu Herzen und es genügt ihnen, dass sie die Predigt gehört haben und glauben, mit ihr übereinzustimmen. Sie bemühen sich jedoch nicht, ihr Leben zu ändern.

Die dritte Gruppe von Hörern ist vergleichbar mit Samenkörnern, bei denen die Dornen abgefallen sind.   Sie arbeiten eifrig und glauben, dass ihr gegenwärtiges Leben sie so erfüllt, dass sie ohne  Bedenken  das Streben nach einem ewigen Leben vernachlässigen. Sie sind hochmütig und wünschen deshalb, das Wort des Evangeliums nicht anzunehmen. Sie haben immer einen Einwand, eine Ausrede, einen Grund zum „Neinsagen“.

Wie ist dann aber die vierte Gruppe von Zuhörern? Es sind die Menschen, die sagen: „Gott, ich bin wie ein steinerner Boden, aber ich will nicht so bleiben. Gott, ich bin oberflächlich, aber ich will das nicht so bleiben. Gott, ich war hochmütig und schätzte dein Wort nicht, aber ich habe mich geirrt. Also, wenn Menschen so handeln, gehören sie der vierten Gruppe an. In der vierten Gruppe von Hörern sind nämlich jene Menschen, die ihre Fehler erkennen und sich ändern wollen. Wäre es nicht schön, zu jener Gruppe zu gehören, in der das Wort auf fruchtbaren Boden fällt, wie es im Evangelium geheißen hat!

Einmal beschwerte sich ein belgischer Theologe: „Wie leicht erinnert sich jeder an den Film, den er zuletzt gesehen hat, aber welches Evangelium man am letzten Sonntag gehört hat, das wird sofort vergessen.“

Wie lange tragen wir eine Melodie in unseren Herzen, und wir singen und summen sie immer wieder. Und das Wort Gottes? Wir hören es und vergessen es schon, ohne dass es uns berührt. Unsere Lebensaufgaben sind uns ganz klar, aber dem Wort Gottes erlauben wir nicht, dass es uns berührt und formt. Ein Magnet kann 14-mal mehr tragen, als er selbst wiegt. Im Glauben an das Wort Gottes annehmen könnte ebenfalls wie ein Magnet wirken, sodass wir eine dreißigfache, sechzigfache oder hundertfache Frucht  bringen.

Ich möchte die Betrachtung des heutigen Evangeliums mit einer kurzen Geschichte abschließen. Ein junger Maurer half beim Abbruch eines Hauses. Beim Abschlagen des Putzes fand er unter einem Ziegel ein massives, eingemauertes Buch. Es  war die Bibel. Er war verwundert und fragte sich, wie denn dieses Buch hierher geraten sei. Er interessierte sich eigentlich nicht für Religiöses, aber er begann, diese Bibel zu lesen. Allmählich entdeckte er beim Lesen der Bibel, dass – so schien es ihm – manche Worte Gottes direkt an ihn gerichtet waren.  Zwei Jahre später schickte ihn seine Firma nach Saudi-Arabien. Dort wohnte er mit anderen Arbeitern in einem kleinen Zimmer. Eines Abends beobachtete ein Zimmerkollege ihn beim Lesen eines Buches. Er fragte: „Was liest du da?“ Er antwortete: „Die Bibel.“ Da meinte der Zimmerkollege: „Das ist doch alles Quatsch, was da drinnen steht. Ich muss gestehen, ich habe sogar einmal eine Bibel in einem Haus eingemauert, denn ich war neugierig, welche Kraft diese Bibel hat– die Kraft, wieder aus dieser Mauer herauszukommen.“ Der junge Mann sagte darauf: „Was würdest du sagen, wenn ich dir diese Bibel zeige?“ Und er reichte seinem Gefährten die Bibel mit der Frage: „Ist das deine Bibel? Ich habe sie gefunden, und so ist sie zu dir zurückgekommen.“  Diese kurze Geschichte zeigt, dass die Bibel für den einen ein Geschenk sein kann, der  sie  annehmen will. Für den anderen hat sie so wenig Bedeutung, dass er sie einmauert. Andere wiederum stellen sie in Frage und machen sie lächerlich. So verschieden ist also die Einstellung zum Wort Gottes – so andersartig wie die Böden im Evangelium.

Nützlich kann für uns – genauso wie damals zur Zeit Jesu –  die Heilige Schrift nur sein, wenn wir sie im Glauben lesen und dadurch Lösungen für ein geglücktes Leben hier auf Erden finden, um erst die verheißene ewige Seligkeit im Reiche Gottes zu erlangen.

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