29. Sonntag A Mt. 22,15-21

Einleitung

Wir wissen, dass  der Staat nur handeln kann, wenn wir die Steuern bezahlen. Der Staat baut damit Autobahnen und Bahnstrecken, stellt Mittel für die Verteidigung des Staates zur Verfügung, sorgt für soziale Sicherheit und bezahlt außerdem die Polizisten, die Lehrer, die Ärzte und so weiter. Das alles zahlt der Staat aus unseren Steuern. Es ärgert uns, wenn der Staat unsere Steuern sinnlos oder unehrlich verwaltet.  Zur Jesus-Zeit bezeichnete man die Steuern mit dem lateinischen Wort „Zensus“, was so viel bedeutet wie „Abgaben aufgrund einer Volkszählung“. Dadurch wusste der Kaiser, wie viele Menschen in seinem Land  leben und wie viel an Steuern er erwarten konnte. Die Steuern waren erheblich und machten in etwa einen Tagesverdienst aus. Damals war das viel Geld. Wenn wir heute so geringe Steuern hätten, wären wir wahrscheinlich glücklich.

Predigt

Die Pharisäer und die Anhänger des Herodes handelten hinterlistig und wollten Jesus auf die Probe stellen. Wenn er etwas gegen die Steuer gesagt hätte, wäre  es für ihn zu einem  Problem mit der römischen Macht geworden. Wenn er die Steuer gutgeheißen hätte, wäre  es zu Problemen mit den Juden gekommen. Jesus wich dem politischen Streit aus und seine Antwort wurde zu einer  geistlichen Herausforderung. Man sollte also dem Kaiser geben, was ihm gebührt, und Gott gewähren, was ihm entspricht. Darauf sollte man mit besonderer Aufmerksamkeit blicken.  Das verlangt Jesus von den Menschen.

Wahrscheinlich werden Sie, die hier heute beim Gottesdienst sind,  sagen:  Dem geistlichen Leben widme ich  doch eine gewisse  Aufmerksamkeit. Am Sonntag gehe ich in die Kirche und  ich bete. Ich bemühe mich, christlich zu leben. Die Wahrheit ist allerdings, dass nur  wenige Leute das sagen können. Muss man daher etwas Neues einführen? Soll man sein geistliches Leben ändern?  Keineswegs. Regelmäßig ein geistliches Leben zu führen,  ist notwendig.  Das geistliche Leben bringt uns die Ruhe, die wir nötig haben. Viele Menschen werden von Aktionen und Terminen getrieben. Das geistliche Leben beruhigt den Menschen und bringt Freude. Ein Problem ist auch, dass manche Menschen zwar die geistlichen Schätze suchen, aber nicht zur Ruhe kommen. Die Suche nach dem irdischen Reichtum ist oft so überwältigend, dass für die Suche nach geistlichen Werten keine Zeit und keine Lust mehr bleiben.

 Zur Veranschaulichung folgt nun eine Geschichte über John Sattler, der eine Wasserturbine für sein Sägewerk an einem Fluss betrieb. Einmal kam einer seiner Mitarbeiter und sagte: „Ich fand am Grund der Wasserrinne etwas Gelbes. Ich habe dieses Etwas testen lassen, und es wurde festgestellt, dass es sich um Gold von 22 Karat handelt.“ Herr Sattler war Bauer und er hatte extensive Grundstücke, in der Größenordnung von etwa 25.000 Hektar.  Er beschäftigte viele Leute als Hirten und Mitarbeiter. Als diese die Nachricht von diesem Goldfund erfuhren, konnten sie den Mund nicht halten und so verbreitete sich diese Nachricht rasant. Es dauerte nicht lange, und viele Goldgräber und Abenteurer kamen. Aber das war nicht alles, auch seine Arbeiter wollten nicht mehr arbeiten, sondern nur mehr nach Gold suchen. Was war die Folge? Die Mühlen standen still, die Hirten verließen ihre Herden, die Arbeiter die Felder. Das Getreide verfaulte und das Vieh ging zugrunde. Da suchte John Sattler eine Lösung. Er ging zu den Indianern und nahm sie als Arbeiter auf. Am Anfang ging alles gut, aber dann lernten sie von den anderen das übermäßige Trinken kennen, und oft waren sie unfähig, zu arbeiten, weil sie betrunken waren. John Sattler war sehr enttäuscht darüber und träumte von früher, als sein Leben noch seinen gewohnten Lauf nahm, und es wurde ihm bewusst, dass dieser Goldfund alle seine Träume vernichtet hatte. Dadurch wurde sein Leben unerträglich, denn er konnte sich auf seine Leute nicht mehr verlassen.

In diesem Zusammenhang kommt mir auch ein afrikanisches Sprichwort in den Sinn: „Wer vom Wein getrunken hat, kann wieder nüchtern werden, wer aber vom Reichtum getrunken hat, der wird nie mehr nüchtern.“ Aus der Geschichte von vorhin ist uns das aufgefallen. Die Menschen erkannten, dass Gold kostbar ist, das ist normal. Aber wie viel sie dafür ins Spiel gesetzt haben, ist nicht normal. Das brachte sie alle ins Verderben. Sie wurden zu Sklaven ihres hemmungslosen Lebens.

Wir müssen daher unterscheiden lernen zwischen einem primären und einem sekundären Wert. Wir dürfen dabei Gott nicht vergessen! Denken Sie nicht, dass diese Geschichte von John Sattler heute nicht mehr aktuell ist, das ist ein enormer Irrtum. Diese Geschichte ist heute sogar sehr aktuell, auch wenn die Menschen heutzutage raffinierter geworden sind. Menschen, die Sklaven des Reichtums geworden sind, geben Gott nicht das, was Gott gehört. Was ist die Ursache? Es sind Habgier, Egoismus und Unordnung in den Herzen dieser Menschen. Das heutige Evangelium ist eine große Herausforderung für die Welt von heute, das sollte uns bewusst werden. Geben wir Gott, was Gott gehört!

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