Evangelization – Apostolate
Mehrere Enzykliken und Dokumente sprechen von der Evangelisation. Zu den Enzykliken gehören unter anderem „Ad Gentes“ und „Apostolicam Aetatis“ sowie mehrere Aussagen Papst Johannes Paul II. und dem aktuellen Heiligen Vater Franziskus. Hören wir die Worte von Paulus VI., der in seiner Enzyklika „Evangelium nuntiandi“ schrieb. Wer das Evangelium annimmt, wird letztlich sein Verkündiger. Er sagt. Jeder, der das Gotteswort empfängt und an Gottes Reich glaubt, wird sein Zeuge und Verkündiger. Der gewesene Papst, Paulus VI. behauptete, dass unsere Evangelisation nicht dann erfolgreich wird, wenn jemand in die Kirche geht, sondern dann, wenn er selbst mit dem Evangelisieren beginnt. Warum? Dazu gibt es mehrere Gründe. Die Bekehrung ist mit dem Empfang des Geistes Gottes beendet. Diese Erfahrung ist sehr mächtig und man kann von ihr nicht schweigen. Darum sagten die Apostel. Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben. Apostel 4,20 ähnliche Erfahrungen hat auch der Prophet Jeremia. Denn das Wort des Herrn bringt mir den ganzen Tag nur Spott und Hohn. Sagte ich aber, ich will nicht mehr ihn denken und nicht mehr in seinem Namen sprechen, so war es nur, als brenne in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinem Inneren. Ich quälte mich, es auszuhalten, und konnte es nicht. Jer 20, 8–9. Wenn wir uns also nicht nach der Evangelisation sehnen, ist das ein Zeichen dafür, dass wir uns noch nicht bekehrt haben oder wir von unserer Bekehrung wieder zur Sünde zurückgekehrt sind. Es ist ein schwerwiegender Fehler, dass heute hauptsächlich die jungen Christen nicht zum Apostolat geführt werden. Heute wird eher die Toleranz hervorgehoben. Ich habe eine Frage: Was würde in der Urkirche geschehen, wenn die Christen damals zu den Heiden gesagt hätten: „Ihr Heiden habt eure Religion. Wir Christen tolerieren das und werden euch nicht evangelisieren. Sicher kennen sie das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Lk 15, 11–3. Nehmen wir den älteren Sohn wahr. Er benimmt sich nicht wie der Sohn seines Vaters. Er versteht nicht, dass alles, was sein Vater hat, ihm ebenfalls gehört. Engherzig warf er seinem Vater vor, ihm nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt zu haben, damit er mit seinen Freunden ein Fest feiern konnte. Er sah Vaters Kummer über seinen Sohn, seine Furcht jedoch nicht. Er nahm nicht wahr, wie der Vater schaute, ob sein Sohn nicht zurückkommt. Es wäre logisch, wenn er dem Vater nachkäme und ihm sagte: „Vater“. Ich werde bei meinem Bruder in der Welt vorbeischauen. Ich suche ihn auf und erfahre, wie es ihm geht. Aber Vaters Kummer und Schmerz sind ihm fremd und interessieren ihn nicht. Und sein Bruder war für ihn ein unwillkommener Konkurrent. Ihm liegt nur an Vermögen. Der Vater freut sich über die Heimkehr seines jüngeren Sohnes; er hat keinen Anteil an seiner Freude. Wenn uns Vaters Schmerz über die verlorenen Söhne nicht quält, dass unsere Brüder und Schwester ohne Gott leben und letztendlich untergehen, dann: Wer sind wir? Es ist nicht möglich, Bruder Jesus zu sein und nicht entschlossen zu sein, ein Gleiches zu tun wie er. Hier geht’s nicht darum, gelegentlich etwas vom Glauben zu sagen. Hier geht es darum, systematisch und regelmäßig zu evangelisieren. Das muss unsere Lebenssendung sein. Jede menschliche Gesellschaft braucht etwas, was sie verbindet und zusammenhält. Es ist nicht möglich, dass eine Handelsgesellschaft, ein Besitzer des Kohlenbergwerks, ein Volksschnitzer und ein Archäologe stiften oder gründen, nur um etwas zu finden, was sie gemeinsam machen können. Ähnlich funktioniert: Familienmitglieder, die das gleiche Interesse haben, kümmern sich um das Haus und unterrichten auch in einer normalen Familie. Wenn alle Familienmitglieder das gleiche Interesse haben, kümmern sie sich um das Haus; die Familie lebt zusammen. Wenn die Kinder herangewachsen sind und eine eigene Familie gründen, bauen sie eigene Häuser. Sie haben keine gemeinsamen Interessen und können deshalb nicht zusammenbleiben. Auch jede christliche Gemeinschaft muss etwas haben, das sie verbindet. Das eine ist die Beziehung zu Gott. Dass wir alle Gottes Kinder sind. Die Beziehung zu Gott äußert sich im Dienst. Durch gemeinsame Arbeit am Aufbau des Gottesreiches. Wenn wir nicht in dieser Tätigkeit vereint sind, dann haben wir nur wenig von dem, was uns vereint. Die Gemeinschaft hat dann kein Ziel, keinen Weg und ist formlos. Die Menschen können sich treffen und beten, aber es ist dort kein Leben. Wie kann eine Gemeinschaft „sitzend auf dem Gesäß“ den Geist Jesu Christi haben, der immerwährend unterwegs ist? Der amerikanische Psychologe Scott Peck sagt, dass die Gemeinschaft nur dann entstehen kann, wenn sie ein gemeinsames Problem löst. Die Soldaten in den Gräbern, gemeinsam kämpfend, bemüht, überlebend. Die Rettungsmänner retteten das menschliche Leben in den Trümmern. Alle diese bildeten auf einen Augenblick eine Gemeinschaft, weil sie ein gemeinsames Ziel, ein gemeinsames Problem hatten. Und alle anderen Unterschiede, die unter ihnen lagen (Heimat, Beruf, Funktion), spielten keine Rolle mehr. Die christliche Gemeinschaft hat ein gemeinsames Ziel, das vereint: den Aufbau des Gottesreiches. Es ist Gottes Geist, der vereint.
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