Erscheinung des Herrn B. (Mt 2, 1–12)
Einleitung
Das heutige Fest ist mit den Namen der drei Sterndeuter verbunden. Wir kennen ihre Namen: Caspar, Melchior und Balthasar. Das heutige Evangelium erzählt uns, dass diese drei Weisen aus dem Osten kamen, um dem neugeborenen Jesus zu huldigen. Die Weisen wurden im Matthäus-Evangelium in griechischer Sprache als „Mago“ bezeichnet. Das waren weise Männer, die sich mit Astronomie, also Sterndeutung, beschäftigten. Da sie sehr gebildet und auch königliche Berater waren, zeigten ihnen die Menschen königliche Achtung. Das heutige Evangelium zeigt drei Seiten der Beziehungen zum menschgewordenen Sohn Gottes.
Predigt
Schauen wir uns die erste Seite der Beziehung zu Jesus an! Es ist die Beziehung des Königs Herodes zu Jesus. Er war ein ruhmsüchtiger Herrscher. Als er vom neugeborenen König hörte, sah er in ihm gleich einen Feind, der seine Macht und seinen Ruhm bedrohen könnte. Darum sucht er eine Art, Jesus zu beseitigen. Herodes ist also ein Mensch, der eingebildet, hochmütig und ruhmsüchtig ist. Solche Menschen bekämpfen auch heute den christlichen Glauben und die Kirche.
Nun betrachten wir die zweite Seite der Beziehung zu Jesus! Da sind nun die Hohenpriester und Schriftgelehrten, die Herodes fragen, wo Jesus geboren wurde, und sie antworten ohne Bedenken, dass es in Bethlehem sei. Sie kannten ja die Prophezeiungen des Alten Testaments, also die Ankündigung eines künftigen Messias. Aber merkwürdigerweise gingen sie selbst nicht nach Bethlehem, obwohl sie genau wussten, wo Christus geboren werden sollte. Sie schickten die Weisen dorthin, aber sie selbst blieben zu Hause. Das gibt es auch heute noch. Manche Menschen kennen Jesus; sie haben von seiner Lehre und seinem Leben gehört, aber sie folgen Jesus nicht nach. Sie bleiben bei ihrer Art, zu denken und zu leben.
Die dritte Seite der Beziehung zum neugeborenen Jesus ist wohl die hinreißendste. Das ist die Beziehung der drei Könige aus dem Osten. Als sie den Stern sahen, machten sie sich auf den Weg und nahmen selbst den beschwerlichen Weg durch die endlose Wüste in Kauf. Sie ließen sich auch nicht von den falschen Worten des Herodes noch von der Interessenlosigkeit der jüdischen Hohepriester und Schriftgelehrten beirren. Sie gingen dem Stern nach und fanden in einem Stall in Bethlehem Maria, Josef und den kleinen Jesus. Sie glaubten den Eingebungen Gottes, und so fanden sie den Erlöser der Welt. Sie schenkten dem Gotteskind Gold als Zeichen für den König, Weihrauch als Zeichen für Gott und Myrrhe als Zeichen dafür, dass er später ein Mann der Schmerzen sein werde.
Es wäre erfreulich, wenn wir unsere Beziehung zu Gott ebenso wählen würden, wie die Weisen aus dem Morgenland es uns vorgezeigt haben. Was bedeutet das für uns? Wir sollten nicht das Gebet, die Andachten, die Heilige Messe und die Heilige Kommunion vergessen. Die drei Weisen sahen mit ihrem irdischen Auge nur ein kleines Kind, aber mit ihrem geistlichen Blick sahen sie Gottes Kind. Sie brachten ihre Geschenke und nach diesem Beispiel können auch wir Jesus unsere Gaben bringen. Wir können ihn anbeten, aber das reicht nicht aus. Unsere Gaben sollen auch unsere vortrefflichen Werke sein. Ein Glaube ohne edle Werke ist tot.
Ich lasse einmal die Geschichte vom Schuster Martin erzählen, die ich Ihnen nun vortragen möchte. Der Schuster Martin wohnte allein in einer Kellerwohnung. Seine Frau und seine zwei Kinder waren bereits gestorben. Er sehnte sich sehr nach Gott und las gerne in der Heiligen Schrift. Da erschien ihm Jesus im Traum. Diese sagte zu ihm: „Martin, morgen komme ich zu dir. Schau nur durch das Fenster auf die Straße!“ Am nächsten Morgen sah er vor seinem Fenster einen alten Straßenfeger. Martin bemerkte, dass er sehr fror und auch hustete. Da rief er ihn zu sich in die Stube, damit er sich wärmen konnte, und bereitete ihm eine Tasse warmen Tee. Als er wieder zum Fenster hinausschaute, sah er eine Frau, die ein Kind auf den Armen trug. Das Kind weinte und Martin merkte, dass ihm bitterkalt war. Auch sie rief er herein. Die warme Stube gab ihr für das Kind Kleidung, die einst seine eigenen Kinder getragen hatten. Außerdem gab er ihr Geld, um Essen zu kaufen. Später bemerkte er eine Verkäuferin, die einem Buben nachlief und ihn schlagen wollte , weil er ihr Äpfel gestohlen hatte. Da ging Martin hinaus auf die Straße und fragte den Buben: „Warum hast du die Äpfel gestohlen?“ Der Bub antwortete: „Ich war hungrig.“ Da bezahlte Martin der Verkäuferin die gestohlenen Äpfel. Dann erinnerte er sich plötzlich an den Traum und sagte zu sich selbst: „Wann kommt Jesus nun endlich zu mir?“ In der kommenden Nacht erschien ihm wieder Jesus, und er sagte zu ihm: „Ich bin schon zu dir gekommen, nämlich in der Person des alten Straßenfegers, in der Frau mit dem Kind und in dem hungrigen Buben, der die Äpfel gestohlen hat. Du hast auch für mich den Schaden bezahlt. Seit dieser Zeit war Martin stets bereit, lobenswerte Werke zu schaffen. Er wusste, dass er, wenn er etwas Gutes tut, es für Jesus tut.
Am heutigen Fest der Erscheinung des Herrn, mit Blick auf die drei Könige, die den kleinen Jesus ihre Gaben brachten, können wir uns vornehmen, auch immer etwas für Jesus zu tun, indem wir es an guten Werken für unsere Nächsten nicht fehlen lassen.
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