Evangelisation und Bekehrung.

Trotz meiner Bedeutungslosigkeit möchte ich den Seelen das Licht, wie den Propheten, geben. Ich möchte durch die Erde gehen und deinen Namen predigen; ich will das Evangelium gleichzeitig an fünf Kontinenten und auf den abgelegensten Inseln verkünden. Ich möchte Missionarin werden, nicht nur für ein paar Jahre, sondern seit der Schöpfung der Welt. Diese Worte schrieb die heilige Theresa von Lisieux in einem ihrer Briefe. Das Christentum hat ein fundamentales Ziel. Und das ist die „Vergöttlichung des Menschen“. Wann ist die Christianisierung des Menschen beendet bzw. vollendet? Wann wird ein Mensch ein Christ? Wenn wir anfangen zu beten? Die Kirche zu besuchen? Oder die Bibel zu lesen?  Nichts davon ist noch das Christentum. Damals waren vielleicht die Sympathisanten Christi, aber nicht seine Nachfolger. Wir sind einem Menschen ähnlich, der sich für Bergsteigen interessiert.  Er besucht die Bergsteigenausstellungen, nimmt am Geplauder der Bergsteiger teil und besichtigt Bergsteigerseile, Karabinerhaken, Ausrüstung und Pickel. Zu Hause hat er Bilder vom Himalaja und von berühmten Bergsteigern, aber er ist noch keiner, weil er bisher nicht in die Berge aufgebrochen ist. Der Bergsteiger wird er dann, wenn er die Ausrüstung mitnimmt, und er fängt wirklich an, zu klettern. Ähnlich ist es auch mit dem Christentum. Wir können über Christus debattieren, diskutieren, seine Bilder haben und von ihm Musik hören. Aber das ist nicht genug. Wir müssen Christus folgen. Wir müssen ihn als meinen persönlichen Erlöser empfangen und uns durch seine Lehre führen lassen. Der Mensch wird Christ, bis er seiner alten Gesinnung stirbt und für das neue Leben geboren wird. Das bedeutet, so zu denken und so zu handeln wie Christus. Diese Verwandlung ist nur mit dem Heiligen Geist möglich. Ein Christ zu sein bedeutet, ganz der alten Gesinnung zu sterben und sich mit der Gottesgesinnung zu füllen. Wiederholen wir uns: Was hat die heilige Theresa von Lisieux gesagt? Ich möchte das Evangelium gleichzeitig auf den fünf Kontinenten und auf den entlegensten Inseln verkünden. Ich möchte Missionarin sein, nicht nur ein paar Jahre, sondern seit der Schöpfung der Welt. Theresa ist schon bekehrt. Sie ist Christin. Sie hat die Sehnsucht, alle Menschen zu Christus zu bringen. Wiederholen wir uns: noch einmal den Ausspruch des gewesenen Papstes Paulus VI. Wer das Evangelium annimmt, empfängt letztlich dazu, sein Verkündiger zu werden. Das ist irgendein Prüfstein. Wer das Wort Gottes annimmt, ist gleichzeitig sein Zeuge und Verkündiger. Es ist nicht möglich, nicht vor Begierde zu brennen, alle Menschen auf der ganzen Welt zu retten, zu erlösen Das wahre Evangelisationsfeuer ist das Zeichen dafür, dass jemand sich entschlossen hat, Christ zu sein, und bekehrt ist. Es ist bisher nicht der Beweis der christlichen Vollkommenheit, bisher nicht. Aber das ist der Beweis, dass jemand sich entschloss, zu dieser Vollkommenheit zu gelangen. Das ist die Umwandlung des Sympathisanten Jesu in einen Nachfolger Christi. Auf die Welt schauen wie Christus, so denken wie er. Wir müssen zwischen Katechese und Evangelisation unterscheiden. Die Katechese bedeutet, die Hörer mit den Wahrheiten unseres Glaubens bekannt zu machen. Die Evangelisation bedeutet, die Hörer dazu zu bringen, die Wahrheiten selbst weiterzuteilen und zu predigen.

Der gewesene Papst Johannes Paulus II. fordert in seiner Exhortation „Christifideles Vollendet die kirchlichen Autoritäten auf, um die kleinen Basisgemeinschaften zu sorgen. In diesen Gemeinschaften und durch sie können die Gläubigen das Wort Gottes verkünden und im Dienst und in der Liebe tätig sein. Im Vollen können wir nur durch die kirchliche Gemeinschaft evangelisieren. Auch wenn wir physisch selbst sind, müssen wir im Namen der Kirche evangelisieren. Der Mensch ist bis dahin bekehrt, wenn er das Treffen mit Jesus erlebt. Wo anderswo können wir Christus begegnen, als dort, wo er anwesend ist, also in der Gemeinschaft der Menschen, die im Namen Christi versammelt sind? Am Anfang der Kirche stand nicht ein Mensch, sondern die Gemeinschaft der Apostel. Und in dieser Gemeinschaft erkannten die Menschen Jesus. Sie erkannten ihn auf die gleiche Weise, wie vorher die Apostel im „Zimmermann von Nazaret“ Gott erkannten, aufgrund der Taten und der Frucht der Liebe. Die Evangelisation ist ohne Gemeinschaft nicht möglich. Aber auch die christliche Gemeinschaft kann ohne Evangelisation nicht existieren. Wie könnten wir im Namen Christi versammelt sein und nicht Christi Geist haben? Nur in der Kraft des Heiligen Geistes ist es möglich, die Evangelisation zu verwirklichen. Ich habe von der Gemeinschaft des Philipus Madre gehört. Diese Gemeinschaft war am Anfang sehr eifrig, aber dann ermattete die Begeisterung und verebbte.  Wenn die Gemeinschaft die Evangelisation vernachlässigt, dann ist sie nicht mehr im Namen Jesu versammelt. Dann ist das nur ein Verein. In einem Gespräch mit der Gruppe von amerikanischen Bischöfen sagte der geweihte Papst Johannes Paulus II., dass viele Katholiken keine Möglichkeit hatten, die persönliche Begegnung mit Christus zu erleben, nicht mit Christus, der ein Vorbild, ein Wert ist, sondern mit dem lebendigen Christus, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.

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