Ostersonntag B Joh 20,1–18.

Einführung
Der Tod „entkleidet“ jeden Menschen, nicht nur seiner Kleider, sondern auch seiner Arbeit, seiner Gesundheit, seiner Familie, seiner Erfolge usw. Glücklich kann der sein, der angesichts des Todes „bekleidet“ ist mit dem Glauben an die Liebe Gottes.  Der Apostel Paulus schreibt an die Thessalonicher: „Wir aber, die wir dem Tag angehören, wollen nüchtern sein und uns rüsten mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil.“ An die Galater schrieb er: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt.“   Wissen wir, was diese Worte für uns bedeuten?

Predigt

Aus dem Johannesevangelium hörten wir heute die Geschichte von Maria Magdalena. Sie überbrachte den Aposteln die Nachricht, dass der Stein vom Grab weggewälzt worden war. Man hatte Jesus gestohlen. Als Petrus und Johannes zum Grab kamen, fanden sie die Leinenbinden und das Schweißtuch. Dann schrieb der Evangelist Johannes von sich selbst: „Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.” Das Evangelium erwähnt das leere Grab. Das Grab als Symbol des Todes ist leer. Durch seine Auferstehung hat Jesus die Kraft des Todes „entleert“, könnte man sagen. Er befreit uns dadurch von der Hoffnungslosigkeit des Todes und erfüllt uns mit verherrlichtem Leben. Er zeigt uns ein neues Leben. Alles Böse, das so stark schien, hat seine Kraft verloren. Es ist bereits entleert.“

Die Apostel liefen zum Grab. Atheisten behaupten, die Jünger hätten sich die Auferstehung Jesu ausgedacht. Sie erzählten vielen Menschen die Geschichte von der Auferstehung, und am Ende glaubten viele diesen Berichten. So einfach war das allerdings nicht, wie das Evangelium berichtet. Nach dem Tod Jesu dachten die Apostel zunächst darüber nach, wie ihr Leben ohne Jesus weitergehen und ihren Lebensunterhalt bestreiten sollten. Sie hatten die Nachricht von der Auferstehung Jesu nämlich irgendwie nicht wirklich verstanden.

Johannes schreibt, dass die Jünger die Leinenbinden und das Schweißtuch sahen. Wenn Jesus gestohlen worden wäre, hätten sie auch diese Sachen genommen, um den gestohlenen Leib zu bedecken. Jesus konnte nicht nur klinisch tot gewesen sein, sondern wenn er wieder zu sich gekommen wäre, wäre er vermutlich nicht nackt davongegangen. Es handelte sich aber auch nicht um eine Wiedererweckung in seinem ursprünglichen Leib wie bei Lazarus.

Erst allmählich dämmerte es Johannes, dass es sich hier tatsächlich um eine Auferstehung handelte. Wie die anderen Apostel musste auch er die Bedeutung der Auferstehung erst erfahren. Es geht um den Übergang vom Sichtbaren und Greifbaren ins Unsichtbare und ins Übernatürliche, was unsere menschliche Vorstellungskraft bei Weitem übersteigt. Je mehr ein Mensch mit Gott verbunden ist, desto weniger Probleme hat er mit Leiden, Sünde und Tod. Durch seine Auferstehung zeigt Jesus, dass er mächtiger ist als alles Böse in der Welt. Das ist die Botschaft von Ostern. Für uns ist der Glaube an die Auferstehung von erheblicher Bedeutung. Unsere Welt ist eine materielle Welt und wir sind für Gottes Welt bestimmt. Wenn wir das begreifen, werden wir keine Angst vor Krankheit, Alter oder dem Tod haben, denn er ist nur ein Übergang vom irdischen ins ewige Leben.

Der Jesuit Anthony de Mello schrieb Folgendes: „Die Mystik ist die Auferweckung in die Wirklichkeit.“  Ein Mystiker ist ein Mensch, der in einer anderen Welt lebt.  Gott hat ihn aus seinen Illusionen, in denen er gefangen war, befreit. Ostern soll uns von Illusionen befreien und zur Wirklichkeit führen.
Ein Beispiel dazu: Eine Frau war mehr als 20 Jahre lang Mesnerin. Dann wurde sie schwer krank.  Als ein Priester kam, um sie zu besuchen, sagte sie zu ihm: „Wenn Sie mich begraben, möchte ich in einer Hand den Rosenkranz und in der anderen eine Gabel haben.“ „Eine Gabel?“, wunderte sich der Priester. Die Mesnerin antwortete: „Ich nahm an vielen Festveranstaltungen teil. An alle erinnere ich mich nicht mehr.  Aber auf einer Feier sagte der Kellner zu mir, als ich die Teller aufeinanderstapelte: ‚Die Gabel lassen Sie bitte noch da!“ Das bedeutete für mich, dass noch ein Dessert kommt.  Aber das war sicher kein Pudding und auch kein Eisbecher. Dazu braucht man keine Gabel. Wenn der Kellner mir aber sagt, dass ich meine Gabel noch dalassen soll, dann bedeutet das, dass ich noch etwas Schmackhaftes zu erwarten habe. Genau das sollen die Leute auf meinem Begräbnis reden. Wenn sie die Gabel in meiner Hand sehen, werden sie fragen, was das zu bedeuten hat, und Sie, Herr Pfarrer, werden ihnen erklären, dass ich nach meinem Tod auf etwas Schmackhaftes warte.
Ostern ist so ein Zeichen. Es bedeutet: Ich warte auf das ewige Gastmahl im Reich Gottes!

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