2. Sonntag der Osterzeit B Joh 20,19-31.

Einleitung
Manchmal hat der Mensch nichts als Pech. Er wartet auf etwas, doch es erfüllt sich nicht. Oder seine Pläne scheitern. Vielleicht haben Sie das schon erlebt. Wie haben Sie sich dann gefühlt und wie haben Sie reagiert? Waren Sie enttäuscht? Erschien Ihnen alles hoffnungslos?
Predigt
Auch die Apostel machten Erfahrungen mit Misserfolg. Sie waren drei Jahre mit Jesus unterwegs und alles hatte mit einer Enttäuschung geendet. Jesus wurde gekreuzigt und aus Furcht vor den Juden verschlossen sie anschließend die Türen. Sie wussten nicht, wie es weitergehen sollte. In diese Situation hinein kam Jesus durch die verschlossene Tür und sprach: „Der Friede sei mit euch.“ Und weiter hat es geheißen: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: „Empfangt den Heiligen Geist.“ Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“

Jesus wusste, was es bedeutet, zu scheitern. Er wurde festgenommen, vor Gericht gestellt, fälschlicherweise angeklagt und schließlich als Verbrecher zum Tode verurteilt. Ein Mensch kann Pech haben. Mit Gott aber kann ein Mensch niemals Pech haben. Jesus hatte als Mensch hier auf der Erde Pech. Aber mit Gott sind Jesu Werke gelungen. Jesus ist auferstanden; er zeigte sich den Aposteln und sagte zu Thomas: „Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie auf meine Seite! Sei nicht ungläubig, sondern gläubig!” Die Wunden waren das Zeichen des Sieges, nicht des Niedergangs.
Manchmal geht es uns in verschiedenen Situationen nicht gut. Wir verstehen uns mit den Menschen nicht. Wir haben Konflikte, sind von Krankheit gezeichnet oder haben finanzielle oder andere Probleme. Wenn wir dadurch verbittert werden und Gott aus unserem Leben ausschließen, belasten uns Bitterkeit und Hoffnungslosigkeit unser Dasein. Wenn wir aber an die Liebe Gottes glauben und ihm treu bleiben, werden wir Zeugen der Kraft Gottes in unserer menschlichen Schwachheit. Wenn jemand stirbt, sagen wir: „Er hat sein Leben ausgehaucht.“ Aber Jesus kam und sagte: „Empfangt einen anderen Hauch, empfangt den Heiligen Geist; er wird euch beleben.“ Gott ist mächtiger als alles im Leben. Die Osterbotschaft sagt uns, dass der Tod, die Krankheit und das Leid nur vorübergehend sind. Endgültig sind nur das göttliche Leben, die Liebe und die Vorsehung. Sie ist die Gestaltungskraft in unserem Leben und unsere Hoffnung.

Die Geschichte von Mary Grodde aus Oregon zeigt das kraftvolle Wirken Gottes in den Menschen. Als sie ein Kind war, konnte sie weder lesen noch schreiben. Fachleute sagten, sie sei in ihrer Entwicklung zurückgeblieben.  Als sie erwachsen war, nannte man sie die „Unverbesserliche“. Sie verbrachte sogar einige Jahre im Gefängnis. Das Eigenartige daran ist, dass sie dort zu lernen begann und sogar den Mittelschulabschluss erreichte. Nach ihrer Entlassung lernte sie einen Mann kennen und wurde schwanger. Zwei Jahre später erwartete sie ihr zweites Kind, doch die Schwangerschaft verlief problematisch: Sie erlitt einen Schlaganfall. Dadurch vergaß sie alles, was sie bisher gelernt hatte. Doch sie kämpfte weiter und erinnerte sich schließlich wieder an alles, was sie bis dahin gelernt hatte. Ihr Leben bestritt sie allerdings nur durch Sozialhilfe, wodurch es ihr fast unmöglich war, den Unterhalt zu bestreiten. Sie nahm daher sieben verlassene Kinder auf und betreute sie. Nebenbei besuchte sie verschiedene Kurse und begann schließlich mit dem Medizinstudium. Sie beendete es erfolgreich mit der Promotion. Das sagt eigentlich vieles aus. Diese Geschichte müsste man der ganzen Welt mitteilen. Hier steht eine Frau, die den Mut hatte, ihre Träume zu verwirklichen. Sie bewies Ausdauer und wusste, ihre von Gott geschenkte Gabe zu nutzen.

Aus dieser Geschichte können wir schließen, dass diese Frau in ihrem Leben oft Pech hatte. Wir könnten sie leicht verurteilen. Aber Gott sieht alles anders.  Er sät das Samenkorn des Guten und der Liebe für die Entwicklung der Menschen. Mary qualifizierte sich nicht nur in der Medizin, sondern auch in der Menschlichkeit. Gottes Werk ist ihr gelungen.
Schauen auch wir hoffnungsvoll in die Zukunft! Danken wir Gott für alle Gaben, die er uns schenkt. Eines muss uns aber klar sein: Mit Gott können wir nicht verlieren, sondern nur siegen!

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