23. Sonntag C im Jahr, Lk 14, 25-33

Einführung
Durch die Taufe wurden wir Jünger Jesu. Wir sind berufen, Christus zu erkennen, ihn zu verstehen und so zu leben, wie er es uns gezeigt hat. Die erste Grundbedingung ist jedoch, um Jesu willen auf alles zu verzichten, was wir haben. Jesus sagt ganz klar: „Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.”

Predigt

Bevor Jesus die Worte „Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet” sagte, erzählte er zwei Beispiele. Das Erste handelte von einem Mann, der sich entschlossen hatte, einen Turm zu bauen. Zunächst musste er jedoch ausrechnen, ob er über ausreichende finanzielle Mittel verfügte, um den Turm bauen zu können.   Das zweite Beispiel handelte von einem König, der sich auf einen Kampf gegen einen anderen König vorbereitete. Als er merkte, dass der Gegner mehr Kämpfer hatte, entschloss er sich, nicht in den Kampf zu ziehen.  Mit diesen Beispielen will Jesus sagen, dass wir Menschen mit allen Dingen unseres Lebens überlegt umgehen sollen. Er meint damit auch Investitionen im irdischen Sinne. Jesus weist darauf hin, dass wir, solange wir keinerlei Hoffnung haben, etwas zu erreichen, lieber vorsichtig sein und auf eine günstigere Gelegenheit warten sollen.  Wer einen geistlichen Tempel bauen will, muss bereit sein, auf etwas zu verzichten, wenn es notwendig ist. Dabei geht es nicht um den Verzicht auf Fleisch oder Alkohol. Das wäre auch keineswegs so schwierig. Schwieriger ist es oft auf andere Weise, zum Beispiel, wenn sich Eltern nicht vorstellen können, dass ihre Kinder sie einmal verlassen werden, um eine eigene Familie zu gründen. Ein anderes Beispiel: Pfarreien können sich nicht vorstellen, dass der Bischof ihren Priester einmal versetzen könnte. Beides sind menschliche Beziehungsbeispiele. Es gibt aber auch ein umfassendes Feld materieller Beziehungen, ohne die man es sich nicht vorstellen kann.

Jesus sagt jedoch: „Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.” Das bedeutet nicht, dass man alles hinter sich lassen soll, sondern dass man sich von dem, was man besitzt und gebraucht, frei machen soll. Ein weiteres Gebiet sind unsere Vorstellungen und Pläne. Wenn Gott einen Strich durch unsere Pläne zieht, fällt es uns schwer, das anzunehmen. Wir wissen nicht, ob wir unsere Pläne überhaupt einmal verwirklichen können, denn die Zukunft liegt nicht in unseren Händen.

Ein Beispiel: Brautleute kündigen an, dass sie am 22. Oktober heiraten werden. Bis dahin sind es noch fast zwei Monate. Was kann in dieser Zeit noch alles passieren? Wäre es da nicht besser, es so zu formulieren: „Wir wollen die Ehe schließen, so Gott will.” Wenn wir etwas planen oder erreichen wollen, sollten wir immer sagen: „Wenn es Gottes Willen ist.” Manche Menschen rechnen bei ihren Plänen nicht mit Gott und verwirklichen sie manchmal auch mit unerlaubten Mitteln. Dabei denken diese Menschen, dass sie uneingeschränkt selbst Herren ihres Lebens sind, aber so ist es nicht, denn Gott ist der Herr des Lebens.  Die Geschichte zeigt uns deutlich, dass dies nicht der Wahrheit entspricht. Es gibt viele anschauliche Beispiele, ich nenne dazu nur zwei Schlagworte: Hitler und Kommunismus.  Das Gegenteil ist ein Mensch, der den Willen Gottes in all seinen Vorstellungen annimmt und dadurch eine erstaunliche innere Freiheit erlebt. Der Heilige Johannes vom Kreuz sagte einmal: „Alles Gute wurde mir gegeben, weil ich aufhörte, mich selbst um etwas zu bemühen.” Je halsstarriger wir unsere Pläne durchsetzen wollen, desto mehr Hindernissen begegnen wir.“

Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Manchmal können wir unsere Pläne leicht und ohne Probleme verwirklichen. Ein Beispiel dazu: Die Schwester meiner Großmutter emigrierte mit ihrem Mann nach Amerika. Alles – die Reise mit dem Schiff und der Beginn eines neuen Lebens – verlief reibungslos. Mein Großvater väterlicherseits wollte nach dem Ersten Weltkrieg ebenfalls nach Amerika auswandern. Er befand sich bereits auf dem Schiff, wurde jedoch von jemandem angezeigt, weshalb er nicht ausreisen konnte. Gott hatte andere Pläne für ihn.

Ich bin davon überzeugt, dass Gott unser Leben lenkt und seine Pläne mit uns durchsetzt – auch dann, wenn es aus menschlicher Sicht fast unmöglich erscheint. Wenn etwas im Plan Gottes ist, dann findet er immer einen Weg, diesen Plan zu verwirklichen. Das kenne ich auch aus eigener Erfahrung.