Karsamstag C 2022

Die ersten Worte der heutigen ausführlichen Lesungen aus der Heiligen Schrift sprechen von der Schöpfung. Sobald Himmel und Erde schweigend erschaffen sind, ertönt als erstes Gottes direktes Wort: „Es werde Licht!“ Vor diesem Befehl ist die Erde gesichtslos, trostlos und dunkel. Das Licht ist die erste Voraussetzung für die weitere Schöpfung und vor allem für das weitere Gedeihen des Geschaffenen. Die Dunkelheit wird ganz natürlich als eine feindliche Erscheinung des Werkes Gottes, als ein böser Bereich angesehen. Deshalb erschafft Gott sofort das Licht und erklärt zunächst, dass das Licht gut ist. Licht ist für das Sein bestimmt, und Dunkelheit ist ein Bereich des Bösen und des Nichts. Gott will das Böse nicht und befiehlt daher die Schaffung von Licht. Später schließlich sorgen die stellaren Himmelskörper auch nachts für Licht.

Weil das Böse in Gottes Schöpfung keinen festen Platz haben soll, ist die Finsternis ein unglücklicher Zustand. Die Dunkelheit ist ein Ort des Chaos und der Unordnung. Der Geist Gottes atmet in der Tat über dem Abgrund, unabhängig von und trotz dieser Dunkelheit, aber er ordnet seinerseits die Dinge und lässt sie entstehen. Dunkelheit und Unordnung sind Gott nicht angeboren. Deshalb erschafft er und deshalb ordnet er an, dass es keinen Raum für das Böse gibt, und deshalb klingt sein Wort als erstes Gebot: „Es werde Licht!“ Er braucht kein Licht in der Werkstatt, um die Arbeit zu sehen. Aber sein Wort, das von Ewigkeit her ist, zusammen mit seinem wehenden Geist, manifestiert sich, verkündet das Licht – gebietet der Finsternis. Selbst dann.

Und ebenso viel später, als dasselbe Wort, das sich dem Menschen bei der Erschaffung des Lichts erstmals zu erkennen gab, als der Mensch Jesus in die menschliche Geschichte eintrat. Das Wort Gottes, das die Dunkelheit der Schöpfung durchbricht, durchbricht auch die Dunkelheit von Ostern. Das perverseste aller Übel, nämlich das Übel, das aus den Sünden der Menschen resultiert und das wir am meisten fürchten. Das Übel, dem wir selbst schutzlos ausgeliefert sind, nämlich der Tod. Dieses Böse, wie die Finsternis der ursprünglichen Schöpfung, wird durch den Befehl des Wortes „Es werde Licht!“ wieder geteilt. – Darum löse die düstere Finsternis des Grabes auf, denn der Sieger über den Tod ist gerade auferstanden. Dies ist die Nacht, von der geschrieben steht: „Die Nacht wird leuchten wie der Tag!“ (Exsultet)

Diese Nacht, in der Christus die Fesseln des Todes zerbrochen hat, wird durch die neue Schöpfung erhellt, von der die alte Schöpfung der Welt, von der wir auf den ersten Seiten des Alten Testaments lesen, nur ein schwacher Schatten war. In der alttestamentlichen Schöpfung zeigte sich Gottes Allmacht, aber in der neutestamentlichen Schöpfung zeigte sich Gottes Großzügigkeit. Es würde uns nichts nützen, dass wir geboren wurden, dass wir geschaffen wurden, wenn wir nicht durch die Taufe Christi neu geschaffen würden. Das Licht seiner Auferstehung vertreibt die Dunkelheit, die wir so oft durch unsere bösen Taten über uns gebracht haben.

Deshalb benutzt das Fest der Auferstehung das Symbol des Lichts, wenn wir den Gottesdienst mit der Segnung des Feuers und der Osterkerze beginnen. Das Licht ist das Werk des Wortes Gottes, sowohl am Anfang der Welt als auch bis heute. Gott begann seine Arbeit zuerst am Sonntag, als dann der siebte Tag, der Ruhetag, zum Sabbat wurde. Und wieder zu Beginn des Sonntags teilte das Wort die Finsternis, um durch die Auferstehung die neue Schöpfung entstehen zu lassen. Aus diesem Grund ehren die Christen den Sonntag mehr als den alten Sabbat. Und wir feiern jeden Sonntag den Tag des Herrn, damit wir Gottes Großzügigkeit, die für uns wirkt, im Blick behalten haben.

 



Dieser Beitrag wurde unter Andere veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.